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Wenn die Kraniche über Deutschland gen Süden ziehen, ist der Winter nicht mehr weit. . .

Windkraft im Taunus

Kraniche ziehen über die Rotoren

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Trotz des Kranichzugs drehten sich die Weilroder Windräder. Naturschützer sind in Sorge und befürchten für die Vögel tödliche Kollisionen. Der Windparkbetreiber jedoch gibt Entwarnung: Die Vögel fliegen viel zu hoch – keine Gefahr!

10 000 Kraniche, so schätzen Beobachter, haben jüngst an nur einem Tag Mittelhessen aus Richtung Ostsee kommend überquert. Allein 6000 Tiere wurden über Frankfurt gezählt. Die Vögel ziehen als gefiederte Boten des Herbstes bei Rückenwind, wenn der aus nordöstlichen Richtungen weht. Zwischen einem Hoch über Skandinavien und einem Tief über Osteuropa stellt sich eine nordöstliche Strömung ein, die neben Kranichen auch kühle Luftmassen nach Deutschland bringt. Der Zug hatte dieses Jahr zwei Wochen früher als sonst eingesetzt, was, so Meteorologen, möglicherweise mit der markanten Umstellung der Wetterlage zusammenhing.

Auch über Weilrod wurden viele Flüge in der typischen V-Formation beobachtet. Hermann Türk (CDU) berichtete jüngst im Umweltausschuss, er habe zahlreiche „Keile“ gesehen. Ebenso Eva Jäger (Grüne). Sie wunderte sich in einer Anfrage an den Gemeindevorstand allerdings, dass entgegen mit dem Betreiber des Windparks getroffener Vereinbarungen die Windenergieanlagen munter weiterhin Strom produziert hätten statt stillzustehen. Bürgermeister Axel Bangert (SPD) notierte sich den Fall und versprach, sich zu erkundigen.

Nachfragen der TZ beim Wiesbadener Windparkbetreiber ABO Wind ergaben, dass die Räder in der Tat trotz des Kranichzugs weiter in Betrieb waren, dass für die Vögel aber laut ABO-Wind keinerlei Gefahr bestand. Pressesprecherin Lene Fritsche: „Unser Kranich-Monitoring in Weilrod funktioniert so: Das Kranich-Informationszentrum meldet gemeinsam mit diversen Zählstellen bestimmte Hauptzugtage der Kraniche. An diesen Zugtagen prüfen Gutachter die lokalen Wetterverhältnisse am Windpark und schalten die Anlagen bei entsprechenden Wetterbedingungen für einen Tiefflug ab.“ An den betreffenden Tagen habe es solche Wetterlagen, zum Beispiel mit Starkregen, Nebel oder Gewitter, nicht gegeben. Stattdessen hätten die Wetterbedingungen die Kraniche veranlasst, weit über der Rotorenhöhe von etwa 200 Metern gen Süden zu ziehen, so dass keinerlei Kollisionsgefahr bestanden habe. Die Vögel seien in mindestens 500 Metern Höhe unterwegs gewesen (ZUM THEMA). Bei ABO Wind, so Fritsche, werde deshalb davon ausgegangen, „dass es pro Flugsaison nur sehr wenige Tage, an denen die Anlagen abgeschaltet werden müssen, geben wird“. Zusätzlich würden dann die Rotoren parallel zum Kranichzug gedreht, so dass das Risiko für die Kraniche noch weiter gesenkt werden könne.

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