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Polizeihauptkommissar Stefan Glaw leitet seit Sommer 2017 die Polizeistation Usingen.

Kriminalität

Die Kriminalität in Usingen: Polizeichef blickt auf das Jahr 2018 zurück

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Die Schattenseiten von vermeintlich fröhlichen Festen kennt die Polizei nur zu gut: Wo viele Menschen zusammenkommen und reichlich Alkohol fließt, gibt es oft auch gewalttätige Auseinandersetzungen. Das sagt Stefan Glaw, Leiter der Polizeistation Usingen. Und er hat mit der TZ mal Bilanz für dieses Jahr gezogen. Die gute Nachricht: Kein Ort ist besonders auffällig.

Der Wunsch der Menschen nach der heilen Welt, zumindest in ihrem persönlichen Lebensumfeld, ist nachvollziehbar. Gewiss, im Vergleich zu Frankfurt oder auch zu den Städten im Vordertaunus war das Usinger Land immer schon weniger ,kriminell auffällig’.

Doch die täglich in der Redaktion der Taunus Zeitung eingehenden Polizeiberichte vermittelten zuletzt den Eindruck, dass die Polizei sehr oft bei Wohnungseinbrüchen im Einsatz war – gerade in Schmitten und in dieser Woche vermehrt in Usingen. Wird die Polizei nicht auch immer häufiger zu Festen gerufen, weil es dort zunehmend handfester zur Sache geht?

Fastnachtsumzug Wehrheim

Mehrere Körperverletzungen, ein sexueller Übergriff und ein Raub – insgesamt waren nach dem Fastnachtsumzug in Wehrheim und der anschließenden Party im Polizeibericht acht Einträge aufgelistet. Die Polizei sprach seinerzeit auf TZ-Anfrage von einer „auffälligen Ballung“ der Delikte, wie sie in der Fastnachtszeit jedoch vor allem in kleineren Kommunen immer wieder einmal vorkomme.

Wie bewertet der Erste Polizeihauptkommissar Stefan Glaw, Leiter der Polizeistation Usingen am Jahresende die Entwicklung? Konkrete Zahlen kann und darf der 52-Jährige mit Verweis auf die erst im kommenden Jahr offiziell präsentierte Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Westhessen nicht nennen.

Aufgrund seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung im Hochtaunuskreis, wo er bereits seit 26 Jahren in Uniform und im Polizeiwagen unterwegs ist, kann er auf jeden Fall subjektive Eindrücke relativieren. Eine nüchterne Betrachtung der Einzelfälle, aber auch der Gesamtheit der Ereignisse eines Jahres, gehören schließlich zu seinem Beruf.

„Es gibt überall ruhige Volksfeste ohne nennenswerte Vorkommnisse, aber auch Feste, auf denen Polizisten mit massiven Problemen konfrontiert werden. So hat sich beim diesjährigen Heckenfest in Niederlauken Gewalt sogar gegen Polizeibeamte gerichtet“, sagt Glaw nachdenklich. „Wie bei den Vorfällen zu Fasching in Wehrheim stehen diese Delikte immer im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol, Drogen und anderen berauschenden Mitteln.“

Deutet all dies auf eine Verrohung der Sitten und zunehmende Gewalt im Usinger Land hin? Der Polizeihauptkommissar verneint diese immer vorschnell gezogene Mutmaßung. Vor allem gebe es keine regionale Schwerpunktbildung bei Gewaltdelikten.

Beispiel Vofi-Feste

„Wir haben es immer mit Aggression und Gewaltdelikten zu tun, wo viele Menschen zusammenkommen und viel Alkohol konsumieren“, erklärt Glaw ganz nüchtern. „So gab es in den Monaten nach den Vorkommnissen am Faschingssamstag in Wehrheim keinerlei Probleme. Alle anderen Veranstaltungen waren dort ohne jegliche polizeiliche Relevanz.“

Demnach läuft einmal ein Fest an einem Ort, dann an einem anderen Tag an anderer Stelle aus dem Ruder. Ähnlich verhalte es sich bei den Vorfinanzierungsfeten der hiesigen Gymnasien. In der Vergangenheit gab es schon einmal im Bürgerhaus in Eschbach bei einer so genannten „Vofi“-Party der CWS alkoholbedingte Schwierigkeiten, so dass die Polizei eingreifen musste.

„In diesem Jahr war es in Eschbach absolut ruhig, dafür war bei der Vofi-Party in Neu-Anspach nur ganz schwer Ruhe reinzubringen“, blickt Glaw zurück. „Mal müssen wir in einem, mal bei einem anderen Fest dazwischen gehen. Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Nur eines ist klar: Kein Ort ist besonders auffällig. Aber immer spielt übermäßiger Alkoholkonsum eine große Rolle.“ Glaw betont auch, dass es im Usinger Land ein großes und gutes Miteinander gebe.

In diesem Zusammenhang lobt der Usinger Polizei-Chef aber ausdrücklich auch die Vernunft junger Menschen, für die es mittlerweile selbstverständlich sei, nach dem Alkoholkonsum auf Festen nicht mehr Auto zu fahren. „Sie organisieren sich absolut vorbildlich. Mal trinkt der eine keinen Alkohol und fährt abends zurück nach Hause, beim nächsten Mal ein anderer“, sagt Glaw.

Hier wird Stefan Glaw noch gegrüßt

Auch wenn die Hauptaufgabe von Polizeihauptkommissar Stefan Glaw und seinen Kollegen auf der Schattenseite einer Gesellschaft liegen – einen gewichtigen Unterschied vom ländlichen Raum im Usinger Land stellt der Leiter der Polizeistation Usingen im Vergleich zum städtischer geprägten Vordertaunus fest: „Hier herrscht ein großes Miteinander und große Menschlichkeit, die ich sehr schätze“, sagt Glaw. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Städte und Kommunen bei der Planung der Großveranstaltungen und der Erarbeitung entsprechender Sicherheitskonzepte sei sehr gut. „Das sind hier tolle Menschen mit großem Engagement und viel Know-how im Einsatz“, sagt der 52-Jährige. „Sie verschließen sich nicht vor Neuem.“ Konkret gilt sein Lob den Mitarbeitern der Rathäuser und der Ordnungsämter, der Rettungsdienste des DRK und der Malteser, des Krankenhauses und auch der Lehrer aus Schulen sowie den Verantwortlichen der Vereine. „Die Städte Neu-Anspach und Usingen haben erkannt, dass sie eine Gefahrenabwehrbehörde mit einem gesetzlichen Auftrag sind“, lobt der Erste Polizeihauptkommissar. Die Ordnungspolizei sei mittlerweile eine echte Stadtpolizei geworden, die von den Bürgern oftmals gar nicht mehr im Unterschied zur „echten Polizei“ erkannt und wahrgenommen wird. Und eine andere Besonderheit schätzt der Polizei-Chef im Usinger Land: „Wenn ich hier zu Fuß durch die Straßen laufe, werde ich angesprochen und gegrüßt“, sagt Glaw. „In anderen Städten auch im Vordertaunus schauen die Menschen weg, wenn sie einen Polizisten in Uniform sehen.“

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