Ein krönender Abschluss

Beim swingend-jazzigen Abschlusskonzert des Allegro-Musikfestes passte alles: geniale Musiker, eine Mischung von zwei Stilrichtungen, die wie keine anderen den Wechsel der Gefühle widerspiegeln, und das Wetter spielte auch mit.

Was für ein Glück, dass Helmut Eisel seinen Job als Wirtschaftsinformatiker an den Nagel gehängt hat, weil er Giora Feidmann begegnet ist und sich im Austausch mit dem Altmeister der Klezmerklarinette ganz dieser Musik widmen wollte. Wie gut, dass Akustikgitarrist Joscho Stephan, der keine technischen Grenzen zu kennen scheint, mit seinem Trio nicht nur den Gipsy-Jazz weiterentwickelt, sondern sich auch anderen Richtungen öffnet. Welch ein Segen, dass die beiden zusammengefunden haben und mit ihrem Programm „Gypsy meets the Klezmer“ beiden Musikgenres neues Leben einhauchen und damit auch das Allegro-Musikfest belebten.

Mit rund 300 Besuchern und etlichen Zaungästen im Schlosspark dürfte das Open-Air-Konzert auf der Terrasse im Schlossgarten krönender Abschluss des Festivals gewesen sein. Als wäre die Tageshitze nicht genug gewesen, präsentierte das Quartett als erstes die typischen heißen Rhythmen des Gipsy-Jazz, der der erste in Europa entstandene Jazzstil ist. Einer Eigenkomposition von Joscho Stephan folgte ein Klezmer-Stück von Eisel mit dem Titel „Ursulas Freilach“. Das an die menschliche Stimme erinnernde Spiel der Klarinette, die regelrecht schluchzte, verlieh dem fröhlich tänzerischen Grundtenor mehr als nur einen Hauch Melancholie.

Schon nach den ersten beiden Stücken war unüberhörbar, dass die beiden Musikstile grundverschieden sind, aber viele Berührungspunkte haben. Im kontrastreichen, aber immer stimmigen musikalischen Dialog dominierten die beiden Spitzenmusiker. In brillanten Vibrati reizte Eisel die klanglichen Möglichkeiten der Klarinette voll aus, während Joscho Stephan mit seinem virtuosen Gitarrenspiel faszinierte. Aber ohne das solide Fundament von Günter Stephan an der Rhythmusgitarre und Volker Kamp am Kontrabass wären die mitreißenden Melodien und ausdrucksstarken Improvisationen nur halb so gut.

Ihren Stilmix aus Gypsy-Swing, Jazz und Klezmer übertrugen die Musiker auch auf die Klassik. Edward Griegs Norwegischem Tanz No. 2 verlieh das Quartett eine ganz besondere Note. Dann folgte gleich wieder ein traditioneller Klezmer-Standard, bei dem nur wenigen Zuhörern die Füße still standen. Bis auf wenige Ausnahmen spielte das Quartett Eigenkompositionen von Eisel und Joscho Stephan. „Die sind für mich zwar neu, hören sich aber sehr vertraut an“, stellte ein Zuhörer staunend fest.

Der „Minor Blues“ von Gipsy-Jazz-Legende Django Reinhard hingegen hörte sich durch ideenreiche Improvisationen wie ein neues Stück an. Zum Abschluss servierten die Musiker ihre Version des Ohrwurms „Bei mir bist Du scheen“, und die obligatorische Zugabe war unvermeidlich.

Die Organisatoren durften zufrieden sein. Karl-Werner Joerg und Friederike Richter dankten allen Unterstützern, Sponsoren und Mitstreitern, besonders den Usinger Rotariern, die an diesem Abend die Verpflegung übernommen hatten. evk

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