Herbert Wischmann (Mitte) erzählt den Geschichtsinteressierten einiges zum letzten Tag des Krieges.
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Herbert Wischmann (Mitte) erzählt den Geschichtsinteressierten einiges zum letzten Tag des Krieges.

Zeitzeuge berichtet - Teil 1

Kurz vor Kriegsende ging die Angst um

  • vonCorina Appel
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Der letzte Kriegstag in Finsternthal war der 30. März 1945. Ein Karfreitag. Und obwohl Herbert Wischmann erst drei Jahre alt war, ist ihm dieser Tag in Erinnerung geblieben. Wohl wegen der schockierenden Erlebnisse, die er hautnah miterleben musste. Darüber berichtete er während eines Rundgangs durch den Ort. Heute Teil 1.

„Der Krieg ging eigentlich an Finsternthal vorbei“, bemerkte Herbert Wischmann zu Beginn seiner Reise in die Vergangenheit. Bis eben auf diese letzten Tage. Aber die hatten es in sich. Nach der Begrüßung durch Hermann Türk, Vorsitzender des Geschichtsvereins Weilrod, am Brunnen, gab Wischmann einen kurzen Abriss über den Verlauf des II. Weltkrieges im allgemeinen. Dann richtete er den Fokus langsam auf Weilrod. Von den 4600 deutschen Soldaten, die von den Amerikanern aus Richtung Köln über Bad Camberg in die Weiltaldörfer getrieben wurden, hatten sich einige in Finsternthal verschanzt und auf alles geschossen, was nach Amerikaner aussah. Aber nicht nur... „Wer eine weiße Fahne gehisst hätte, wäre als Vaterlandsverräter von den eigenen Leuten erschossen worden“, stellte der lokale Geschichtsforscher fest.

Da hatten es die Altweilnauer besser, berichtete der ehemalige Pfarrer Rüdiger Stockenberg aus dem Nachbardorf. Hier ging es ohne Blutbad ab, weil die Altweilnauer sofort die weißen Fahnen gehisst und keine Widerstand geleistet hätten. Zwar hätten die Einwohner große Ängste ausgestanden, als sie in die Kirche getrieben worden seien, doch nachdem die Häuser durchsucht waren, durften sie wieder gehen.

In Finsternthal hatte sich also am letzten Kriegstag eine Gruppe deutscher Soldaten in der unteren Ortshälfte verschanzt. „Im Garten der Familie Kahl“, deutete Wischmann auf den Platz. Weiter oben war ein zweites MG-Nest. Auch diese Stelle konnte der er den Teilnehmern zeigen. Gemeinsam hätten die fanatischen Soldaten damals die Ortsstraße unter Beschuss genommen. Aber nicht nur die wurde beschossen. Ein einzelner Schütze hatte sich im Giebel einer Scheune in der Schmitter Straße versteckt und als die Amerikaner aus dem Wald kamen, schoss er einen nach dem anderen ab. Obwohl die späteren Besatzer die Scheune irgendwann stürmten, konnten sie den Schützen nicht mehr finden.

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