Markantes Wahrzeichen

Laurentiuskirche ermöglicht Identifikation mit der Heimatstadt

Egal, aus welcher Himmelsrichtung man sich der Kernstadt von Usingen nähert: Die evangelische Laurentiuskirche ist schon von Weitem zu sehen. Sie bildet den Mittelpunkt der ehemaligen Kreis- und Residenzstadt. Unser Autor Matthias Pieren schreibt, welch wichtige Bedeutung die Stadtkirche für ihn hat.

Als neu Zugezogener lernte ich, wie so viele andere Menschen auch, meinen neuen Wohn- und Heimatort Usingen zuerst einmal aus der Perspektive als Pendler kennen.

In den frühen Morgenstunden ging’s auf der Bundesstraße 456 über die Saalburg (und weiter auf der A 5 bis nach Darmstadt), abends wieder retour. Feierabend war erst dann, wenn die Laurentiuskirche in Sicht kam – endlich zu Hause.

Auch für meine Kinder stand das Wahrzeichen der Stadt schon bald im Mittelpunkt eines besonderen Wettbewerbes. Auf jeder Heimfahrt über die kurvige B 456 durch den Wehrheimer Wald lautete die alles entscheidende Frage: „Wer sieht zuerst die Laurentiuskirche?“ Eigentlich dröhnte immer ein einstimmiges „Ich“ durchs Auto, sobald die Kirche in den Blick kam. Der Kirchturm ist schließlich nicht zu übersehen.

Das Wahrzeichen Usingens liegt ja schließlich mitten in der Stadt auf einem Felssporn. Seit unserem Zuzug im Jahr 2001 hat das stattliche Gotteshaus bereits drei Sanierungen hinter sich. Nach dem Kirchturm (2006) wurden zuletzt auch Dach und Innenraum des Kirchenschiffs saniert.

Mit den Sanierungsprojekten, vor allem aber durch das Gemeindeleben, ist mir Usingens Wahrzeichen persönlich noch näher gerückt. Ähnlich erleben es wohl alle „Eingeplackten“: Heimisch wird man erst, wenn man sich in einem Verein engagiert. Bei mir ist es eben die Kirchengemeinde.

Schön aber, dass die Laurentiuskirche weit über das Gemeindeleben hinaus den Bürgern eine Identifikation mit ihrer Heimatstadt ermöglicht. Anderen Menschen aus der Region ist der markante Turm zumindest eine feste Ortsmarke, die von überall auszumachen ist: Vom Aussichtsturm auf dem Feldberg ist er bei gutem Wetter mit dem Fernglas ebenso zu erspähen wie vom Pferdskopf aus.

Einen einzigartigen Blick auf den rund 48 Meter hohen Turm hat Artur Müller aus dem Korb seines Heißluftballons. Da liegt das Taunus-Kleinstädtchen inmitten der abgeernteten Getreidefelder vor der ungewöhnlich klein wirkenden Kulisse des Feldberges. Im Zentrum der weiterhin wachsenden Stadtfläche ist und bleibt nach wie vor: die Laurentiuskirche.

Sie ist bei Konzerten des Kulturkreises Usinger Land ebenso Anziehungspunkt für Freunde klassischer Musik wie bei Konzerten der Kirchengemeinde. Für Generationen von Kindern und Schülern ist das Kirchenschiff Bühne für ihre ersten grandiosen Auftritte vor großer Kulisse. Das gilt für die Sängerinnen und Sänger der bereits seit über 40 Jahren bestehenden Kinder- und Jugendchöre der Kirchengemeinde ebenso wie für die Schülerinnen und Schüler der Christian-Wirth-Schule bei den imposanten Sommer- oder Weihnachtskonzerten des Gymnasiums.

Für Pilger auf dem Elisabethenpfad (Frankfurt – Marburg) steht ein Zwischenstopp im evangelischen Gotteshaus ebenso als feste Station auf ihrem Pilgerweg wie für die wenigen Touristen, die sich immer wieder einmal nach Usingen verirren. Seitdem sich der Usinger Weihnachtsmarkt rund um den Schlossplatz etabliert hat, entdecken viele Usinger ihre Stadtkirche ganz neu. Inmitten des Trubels und des bunten Treibens öffnet die Kirchengemeinde das Gotteshaus am ersten Advents-Wochenende als Ort der Einkehr und Besinnung sowie für Konzerte und ein offenes Singen von Advents- und Weihnachtsliedern.

Nicht nur während des Weihnachtsmarktes sind es die beiden Usinger Stadt- und Kirchenarchivare Helmut Fritz und Gerd Velte, die Interessierten den Turm für eine Führung, vorbei am gewaltigen Glockenstuhl und hinauf in die Türmerwohnung, öffnen.

Die beiden bieten Kirchen- und Turmführungen – auf Wunsch mit Fürstengruft – für Schulklassen, Geburtstage, private Feiern und zu vielen anderen Anlässen an. Das nächste Mal haben interessierte Bürger ganz offiziell am Kerbsonntag (9. September) beim Tag des offenen Denkmals die Möglichkeit, von den Fenstern der Türmerwohnung aus einen einmaligen Blick auf die Dächer und Straßenzüge der einstigen Residenz- und Kreisstadt zu werfen.

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