Segelflieger in Riedelbach

Lautlos durch grenzenlose Freiheit

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Das „Ansegeln“ ist immer ein besonderes Erlebnis. Zumal, wenn ein neues Flugzeug im Spiel ist.

Die einen golfen an, die anderen angeln oder „biken“ an, wenn im Frühjahr endlich das Wetter „auf geht“ – in Riedelbach war gestern beim Luftsportclub „Anfliegen“. Es hing meteorologisch am seidenen Faden, und die Entscheidung, ob die Flugsaison 2015 gestern offiziell eröffnet werden könnte, fiel am Donnerstag.

Bei überraschend blauem Himmel und guter Thermik konnten so die ersten Hobbypiloten in ihren weißen Maschinen nahezu lautlos in die Frühlingsluft gehen. Der erste Start war allerdings ein ganz besonderer, denn die beiden Fluglehrer Michael Begovici, der auch Vorsitzender des Luftsportclubs ist, und sein Kopilot Tore Graeber hatten die Ehre, mit der neuen ASK 21 abzuheben.

Die alte ASK 13, im LSC-Jargon „Die wilde 13“ genannt, dürfte das gar nicht so gern gehört haben, hat sie doch als Schulungsflugzeug ausgedient. Ihre immerhin auch schon 32 Jahre alte Nachfolgerin, war noch nicht fertig montiert, geschweige denn in der Luft, da hatte sie auch schon ihren Spitznamen: „Schaukelpferd“ – weil die Luftfahrteleven, die sich an ihrem Steuerknüppel frei fliegen müssen, anfangs wohl noch hin und her schaukeln, lacht Michael Begovici.

Segelflugzeuge haben, gute Pflege vorausgesetzt, fast das ewige Leben gepachtet und können noch im Alter „60 plus“ sicher fliegen. Die Entscheidung des LSC, ein neues Schulungsflugzeug anzuschaffen, fiel dennoch: „Die ASK 21 ist bequemer, hat mehr Zuladung, ist in super Zustand und auch kunstflugtauglich“, begründet Begovici die wohl nicht ganz kleine Investition, lässt sich aber keinen Preis entlocken. Ganz aufs Altenteil kommt die ASK 13 aber nicht, der LSC wird sie verkaufen. Immerhin ist sie nach einer Generalüberholung trotz ihrer 50 Lebensjahre noch bestens in Form.

Mit vereinten Kräften („Segelfliegen ist ein Teamsport, niemand bringt eine Maschine alleine in die Luft und auch nicht heil wieder runter“, Begovici) montieren die Fliegerfreunde die Flügel des Doppelsitzers, die zusammen 18 Quadratmeter Fläche haben. Tore Graeber führte die beiden Bolzen ein und verband damit die Tragflächen entsprechend „bolzenfest“ mit der Maschine. Dann ging es hinaus aufs Flugfeld, gezogen vom „Lepo“, dem Auto, das später die 1000 Meter lange Leine, an der die Segler von der Winde in die Luft gezogen werden, heranholt, rollte das „Schaukelpferd“ zum ersten Start unter LSC-Flagge.

Dass es sein erster Flug mit dem neuen Flieger wurde, war für Michael Begovici zwar ein Erlebnis, aber kein Problem: „Ich kenne das Muster schon langer, das ist, als fahre man ein neues Auto zum ersten Mal.“ Ein paar Überprüfungen noch, Annika Graeber klinkte das Schleppseil ein, da spannte es sich auch schon, und es ging für Michael Begovici und Tore Graeber in die Region, in der die Freiheit wohl grenzenlos ist.

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