Unterschiedliche Motivationen

Lehrer im Usinger Land machen ein Sabbatjahr

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13 Lehrer im Usinger Land machen gerade ein Sabbatical oder sparen auf dieses Freistellungsjahr für Lehrer aller Schulformen hin. Dahinter stehen unterschiedliche Motivationen. Zwei Lehrer sprechen über ihre persönlichen Vorhaben: Eine Lehrerin aus Neu-Anspach will sich im Sabbatical auf eine große Reise begeben, ein Lehrer aus Usingen will das Pensionärsdasein üben.

Für Heike Moeller-Himmelheber, Lehrerin in Neu-Anspach, war es die letzte Möglichkeit, um für ein sogenanntes Sabbatjahr anzusparen. Denn nur bis zum Alter von 62 dürfen Lehrer ein Sabbatjahr beginnen. Sie ist 58 Jahre alt und hat im Februar mit der Ansparphase begonnen, damit sie 2021 sechs Monate lang vom Arbeitsalltag an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) pausieren kann. Dann ist sie 62 Jahre, dafür verzichtet sie 4 Jahre auf einen Teil ihres Gehaltes. Das letzte halbe Jahr ist Sabbat.

Nun mit dem Sparen zu starten klingt plausibel, diese Frist „war aber nicht meine Motivation“, sagt die Lehrerin für Geschichte, Arbeitslehre und Ethik in der Mittelstufe. „Unsere Motivation ist es, dass wir dann noch die Möglichkeit haben, zu zweit die Welt kennenzulernen“, sagt die Lehrerin, die mit ihrem Ehemann, Dr. Wendelin Himmelheber, in die Auszeit geht.

Moeller-Himmelheber ist eine von 13 Lehrerinnen und Lehrern, die an Schulen im Usinger Land beschäftigt sind, und entweder gerade für ein Sabbatjahr ansparen oder bereits mittendrin stecken in dieser Auszeit zwischen sechs und zwölf Monaten (siehe ZUM THEMA). Ihre Motive sind ganz unterschiedlich, es ist eine private Angelegenheit. Der Zufall wollte es, dass unsere zwei Gesprächspartner bereits im letzten Drittel ihrer Berufslaufbahn stehen.

Wendelin Himmelheber arbeitet als Lehrer für Chemie und Mathe in Bruchköbel. Beide sind erst spät Schulbeamte geworden, Heike Moeller-Himmelheber mit 44 Jahren. „Eigentlich bin ich Therapeutin für Paare“, sagt sie. 1986 hatte sie in ihrer Heimatstadt Kassel ihr Referendariat gemacht. „Doch ich wollte nicht in die Schule, dass war mir viel zu Noten-bezogen, daher habe ich eine Therapie-Ausbildung gemacht.“ Lange arbeitet sie ausschließlich im therapeutischen Bereich, bis sie die Möglichkeit entdeckte, dass man in Westfalen noch bis 45 Beamtin werden konnte.

Mit dem Umzug ins Häuschen in Friedberg kam Moeller-Himmelheber dann ins Usinger Land. „Zur ARS kam ich, weil dort jemand gesucht wurde, der mit den Kindern in der Küche arbeiten kann und das mache ich bis heute mit großer Freude“, sagt Moeller-Himmelheber. Sie arbeitet 20 Stunden in der Woche an der Schule, daneben arbeitet sie als Therapeutin für Paare in Friedberg.

Lehrerin zu sein macht ihr sehr viel Spaß, sagt sie. Denn ein Sabbatjahr zu nehmen heißt nicht, dass man die Nase voll hat von seinem Beruf. Es ist vielmehr die Möglichkeit, mal für eine Zeit lang aus dem Berufsalltag auszusteigen. Es geht darum, dass der Mensch mehr ist, als sein Beruf.

Heike Moeller-Himmelheber und ihr Ehemann planen, die Zeit für Reisen zu nutzen, zu denen sie sich dann noch fit genug fühlen. „Wir wollen eine lange Wanderung mit Rucksack von Südeuropa, etwa von Griechenland oder Sizilien aus nach Nordeneuropa machen. Eine andere Idee ist es, nach Senegal, Gambia und Botswana, zu reisen, um unsere drei Patenkinder zu besuchen“, sagt sie. Dadurch, dass sie nicht wie nach einem Urlaub wieder schnell Heim reisen müssten, könnten sie auch mal mit dem Schiff oder der Bahn fahren anstatt zu fliegen. „Wir haben dann wirklich mal Zeit.“

Sie hätten sich außerdem beide in den vergangenen Jahren viel um ihre Tochter kümmern müssen. Doch auch das sei dann zu Beginn des Sabbatjahres anders, ist Moeller-Himmelheber zuversichtlich.

Hauptsächlich seine beiden Kinder haben Reinhard Krämer bisher von einem Sabbatjahr abgehalten, durch sie konnte er es sich einfach nicht leisten, auf Gehalt zu verzichten. Er ist Förderschullehrer mit dem Fokus Verhaltensstörungspädagogik für die „Regionale Beratungs- und Unterstützungsstelle Hochtaunuskreis“, die an die Paula-Fürst-Schule in Usingen angeschlossen ist. Sohn und Tochter sind nach dem Bachelorstudium noch mal bei den Eltern eingezogen, um die Zeit bis zum Masterstudium zu überbrücken. Heute leben und arbeiten sie in Gelsenkirchen und München. „In der Ansparphase verzichte ich drei Jahre auf ein Viertel meines Gehaltes. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, ist das auch in Ordnung“, sagt Krämer. Seit 1991 arbeitet er im Usinger Land mit Schülern, die Probleme in der emotionalen oder sozialen Entwicklung haben.

Im Juli wird Krämer, der mit seiner Frau auf einem Teil eines ehemaligen Bauernhofs in Rockenberg (Wetterau) lebt, 61 Jahre alt. Sein Sabbatjahr beginnt er im August 2018. Für ihn hat die 62-Jahre-Frist keine große Rolle gespielt. „Es ist für mich eine Testphase, wie sieht der Ruhestand aus? Es ist zudem offen, ob ich nach dem Jahr wieder ganz oder nur in Teilzeit in den Beruf zurückkomme“, sagt Krämer.

Er will die Zeit nicht nur für lange Radtouren mit zwei Freunden (ein Ruheständler und ein Lehrer im Sabbatjahr) nutzen, sondern auch um sich um Arbeiten am Haus, unter dem sich ein ehemaliger Gewölbekeller befindet zu kümmern. „Meine Frau arbeitet im Personalwesen, sie kann keine Auszeit nehmen, aber das mindert meine Vorfreude nicht“, sagt Krämer, der zudem leidenschaftlicher Gärtner ist und fast als Selbstversorger lebt.

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