LESERMEINUNG

Grüner Naturschutz? Zu unserer Berichterstattung über die Windkraft in Schmitten erhielten wir folgenden Leserbrief:

Zu unserer Berichterstattung über die Windkraft in Schmitten erhielten wir folgenden Leserbrief:

Es ist dem unermüdlichen Einsatz der BIP Treisberg zu verdanken, dass (fast) alle Parteien in Schmitten inzwischen von dem umstrittenen Windradbau im Treisberger Wald abrücken. Aber man muss seine Volksvertreter auch mal loben, denn wer gesteht schon gerne eigene frühere Fehler ein, wie bei der letzten Gemeindevertretersitzung in Schmitten geschehen? Als weitere Partei in Schmitten hat sich auch die CDU entschlossen, der FWG und der FDP zu folgen und den Vertrag mit ABO-Wind – unter bestimmten Voraussetzungen – zu kündigen. Das ist vernünftig in Anbetracht der drohenden Waldzerstörung auf dem Treisberg und hoffentlich aufrichtig gemeint.

Leise Zweifel bleiben bestehen: Ist dieser Sinneswandel erfolgt, um ein Wahldesaster wie bei der Bürgermeisterwahl (gemeinsamer Kandidat der CDU, UBB und Grüne) zu verhindern? Wird ein Gemeindevorstand, der ja nur noch wenige Tage im Amt ist, in dieser Angelegenheit noch gebührend aktiv werden?

Nur die Grünen in Schmitten wollen das Windrad, denn Windkraft sei ein Beitrag für die Energiewende, hieß es bei der letzten Sitzung. Wie sehr der Wald und die Natur insgesamt dabei leiden, scheint ihnen egal. Neuerdings wissen wir doch, dass etwa zehn Kilometer Straßen durch den Wald gebaut werden müssten, um die Riesenteile der Windanlage zu transportieren und mit Schwertransportern das Baumaterial heranzuschaffen. Zusätzlich soll eine viel größere Fläche als normal für ein Fundament abgeholzt werden, für das sogar Sprengungen erforderlich wären, da es in den Abhang gebaut werden müsste. All das ruft enorme Schäden hervor, insbesondere würden sehr viele alte Buchen dem Ausbau zum Opfer fallen.

Wenn ich dann im Wahlprogramm der Grünen lese: „Im Zeitalter des Klimawandels hat die Bewahrung der Wald-Naturlandschaft als CO2-Speicher oberste Priorität“ und „Wir plädieren für die Erhaltung des alten Baumbestandes als Beitrag zur Artenvielfalt . . .“ klingt das wie Hohn. Dann frage ich mich: Wenn das so ist, warum sind die Grünen dann nicht auch für die Kündigung des Vertrages? Warum handelt man dann nicht nach den eigenen Worten? Ich habe den Eindruck, dass die oben genannten Wahlkampfaussagen das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Will man den Wähler für dumm verkaufen? Vor fünf Jahren war das noch möglich, heute nicht mehr. Was sollen diese pauschalen Worthülsen, wo doch jeder inzwischen genau weiß, dass im Wald Hunderte Buchen dem geplanten Windradbau zum Opfer fallen würden. Was in Schmitten bei allen übrigen Parteien zur lobenswerten Einsicht geführt hat, nämlich, dass die Verhältnismäßigkeit von Schaden/Nutzen nicht gewahrt würde. Dies ist auch bundesweit zu beobachten: Windräder im Wald tragen zu unvermeidlichen, erheblichen Zerstörungen von Flora und Fauna bei. Deshalb erheben in Deutschland immer mehr Bürger und Naturschutzverbände ihre Stimme, um die voranschreitende Naturzerstörung durch Windkraftanlagenbau im Wald zu stoppen. Inzwischen hat man aus den Erfahrungen gelernt: Nur Umweltideologie zu fördern, ist zu wenig, der Naturschutz darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Erneuerbare Energie darf nicht das zerstören, was man eigentlich bewahren will, nämlich die Natur. Früher habe auch ich Grün gewählt – das war einmal.

Csaba Szabó

Hunoldstal

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