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Lokführer für Wasserstoffzüge gesucht

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Von: Matthias Pieren

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Marc Giesen aus Wehrheim ist Geschäftsführer der MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH, die vom RMV mit der Ausbildung der Lokführer für die neuen Wasserstoffzüge beauftragt wurde.
Marc Giesen aus Wehrheim ist Geschäftsführer der MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH, die vom RMV mit der Ausbildung der Lokführer für die neuen Wasserstoffzüge beauftragt wurde. © map

RMV hat Dienstleister mit der Ausbildung beauftragt - Quereinsteiger willkommen

Usinger Land -Sicher ist sicher: Da der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) den für den Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022 terminierten Start der Wasserstoffzüge auf den Bahnlinien im Taunus nicht gefährden möchte, hat er erstmalig im Öffentlichen Personnenahverkehr (ÖPNV) in Deutschland im eigenen Interesse die Ausbildung der Lokführer in Auftrag gegeben.

Unter welcher Flagge die Züge dann fahren werden - ob also die Deutsche Bahn, die Hessische Landesbahn oder gar ein ganz anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen den Zugbetrieb übernehmen wird - ist noch überhaupt nicht klar. Die Ausschreibung läuft noch. Weil aber die Zeit knapp wird, hat sich der RMV entschieden, auf Nummer sicher zu gehen, damit der Betriebsstart mangels Lokführer nicht ins Wasser fällt.

Einmaliger Vorgang innerhalb der Branche

Der Übergang vom alten Betreiber der Taunusbahnen zum neuen Betreiber der Wasserstoffzüge muss schließlich reibungslos vonstatten gehen. Damit genügend Lokführer zur Verfügung stehen, wirbt ein Dienstleistungsunternehmen aus der Eisenbahnbranche seit Jahresanfang gezielt im Taunus und Rhein-Main-Gebiet für die Ausbildung von Triebfahrzeugführern. Auch auf den gängigen Stellenportalen im Internet läuft die Suche.

Fertig ausgebildet werden sollen diese dann offensichtlich wohnortnah ab Dezember 2022 im Taunus, wo sie die neuen Wasserstoffzüge nach Königstein sowie nach Usingen und Grävenwiesbach steuern sollen. "Der RMV hat bei der Gesamtausschreibung für den Betrieb der Wasserstoffzüge die Bereitstellung des Personals ausgeklammert und uns damit beauftragt, 30 Lokführer für den Betriebsstart auszubilden", erläutert der Wehrheimer Marc Giesen, Geschäftsführer der MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft auf konkrete Nachfrage dieser Zeitung.

Es sei einmalig innerhalb der ÖPNV-Branche, dass ein Verkehrsverbund bei der Ausschreibung von Verkehrsleistungen im Zugbetrieb den Auftrag zur Bereitstellung des Personals selber vergibt. Normalerweise bewerben sich Eisenbahnunternehmen auf vergleichbare Ausschreibung mit den erforderlichen Zügen samt Lokführern.

Im Februar geht es schon los

Bei dem Mannheimer Unternehmen, das seit über 20 Jahren als unabhängiger Personaldienstleister im Bahnverkehr tätig ist, sind insgesamt mehr als 300 Lokführer beschäftigt. Die MEV vermittelt diese bundesweit an Bahngesellschaften, die Personalengpässe haben. "Zudem bilden wir mit 40 fest angestellten Trainern in fünf Schulen permanent Triebfahrzeugführer aus", sagt Giesen.

Beginnend mit der Ausbildung von 30 Lokführern für die Wasserstoffzüge im Auftrag des RMV, werde sein Unternehmen einen neuen regionalen Schulungs-Standort im Großraum Frankfurt eröffnen. "Insgesamt dauern die beiden im Februar und März startenden Kurse rund zehn Monate", sagt MEV-Ausbildungsleiter Thorsten Wagner.

Neben der Theorie an der neuen Schule im Rhein-Main-Gebiet wird die praktische Ausbildung der Lokführer für den Taunus mit den neuen Zügen auf den Bahnlinien nach Königstein und Usingen und zuvor mit anderen Zügen in Darmstadt sowie die Ausbildung am Simulator am Firmensitz in Mannheim stattfinden. Interessant ist die Tatsache, dass - aufgrund des bundesweiten Lokführermangels - das bundesweit händeringend gesuchte Lok-Personal überall in Ausbildungskursen qualifiziert wird, die vor allem auch für Quereinsteiger jeden Alters hoch interessant sind.

"Wir haben in allen Städten und Landkreisen rund um den Taunus die Kostenträger wie die Agentur für Arbeit und die Jobcenter informiert", erläutern Giesen und Wagner im Gespräch. "Als zertifizierter Weiterbildungsträger erfüllen wir die Voraussetzungen dafür, dass auch Arbeitslose oder Interessierte, die sich umschulen lassen wollen, die geförderte Ausbildung über einen der Kostenträger machen können."

Voraussetzung für die bezahlte Umschulung für den Beruf des Triebfahrzeugführers ist eine andere abgeschlossene Berufsausbildung, technisches Verständnis ist von Vorteil. Weitere Infos gibt es im Internet unter https://www.m-e-v.de/tex_-rmv/ oder telefonisch bei Katja Straube, Telefon: (0621) 7 28 45-15 08.

Termin für den Start ist wieder unklar

Für welchen Zeitpunkt nun der genaue Betriebsstart für die bis Usingen verlängerte S 5 terminiert wird, bleibt weiter offen. Fest steht aber - zumindest laut RMV - dass ab dem Fahrplanwechsel 2022/2023 im Dezember dieses Jahres die alten Diesel-Triebfahrzeuge auf den Bahnlinien im Taunus verschwinden werden.

Pünktlich zum 11. Dezember 2022 sollen dann alle 27 Triebfahrzeuge der vom RMV bestellten 500 Millionen Euro teuren Wasserstoffzug-Flotte auf den RMV-Linien RB 15 von (Frankfurt), Bad Homburg nach Usingen, Grävenwiesbach und Brandoberndorf sowie auf der RB 12 Frankfurt-Königstein im Einsatz sein. "Das Projekt Wasserstoffzüge für das Taunusnetz läuft nach Plan", teilt dazu RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann auf Anfrage mit. "Die Betriebsaufnahme erfolgt im Dezember, die kalkulierten Kosten werden eingehalten, Verzögerungen sind keine erkennbar", gibt sie einen Einblick in den aktuellen Sachstand des Projekts.

Der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) hat hingegen auf seiner Homepage unter der Adresse https://taunusbahn.de/, die das Millionenprojekt Elektrifizierung der Taunusbahn begleitet, den bislang kommunizierten Starttermin der bis Usingen verlängerten S 5 entfernt. Der ursprünglich terminierte Betriebsstart im Dezember dieses Jahres wurde auf der offiziellen Zeitschiene für die Projektphasen zuerst ebenso genannt wie der auf den Fahrplanwechsel 2023 / 2024 verschobene Termin. Nunmehr hat man sich auf keinen Termin mehr öffentlich auf den Info-Seiten festgelegt. von matthias pieren

Ausbildung am Simulator: Wenn die Wasserstoffzüge in Betrieb gehen, müssen die Triebfahrzeugführer darauf vorbereitet sein.
Ausbildung am Simulator: Wenn die Wasserstoffzüge in Betrieb gehen, müssen die Triebfahrzeugführer darauf vorbereitet sein. © map

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