Ein Indie in Wernborn

Loki Miller hat mittlerweile ihr viertes Buch verlegt

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Ihre Fantasie war schon immer grenzenlos. Ebenso ihre Liebe zu Büchern. Als Kind hat sie das geschriebene Wort verschlungen, heute schreibt sie für andere: Loki Miller ist Autorin. Ein Indie. Und eine blutige Nase hat sie sich auch schon geholt.

In der nordischen Mythologie ist Loki der Gott des Feuers und der Gott der Lügen und der Täuschung. Doch wer in die Augen von Loki Miller schaut, sieht eine junge Frau, der Lügen und Täuschungen zuwider sind. Im realen Leben. Wenn es darum geht eine gute Geschichte zu schreiben, dann greift die 36-Jährige auch schon mal in diese Trickkiste. Denn ein wenig Lug und Trug muss mitunter schon sein, um den Leser zu fesseln.

Der Gott des Feuers passt da schon eher zu ihr: Loki Miller brennt für das, was sie tut. Sie liebt es zu schreiben. Und sie hat Großes vor: „Ich will vom Schreiben leben“, sagt sie – vorsichtig selbstbewusst. Denn eigentlich ist sie eher schüchtern und zurückhaltend. Sagt Loki über Loki. Bei ihrer ersten Lesung im Dezember vergangenen Jahres im Wernborner Pfarrhaus hat ihr Herz ganz ordentlich gebubbert – vor Aufregung. Dann fiel auch noch das Mikrofon aus – doch sie tat so, als ob genau solche Situationen zu ihrem Tagesgeschäft gehören. Souverän meisterte sie die Situation.

Wenn sie schreibt, ist diese Souveränität ebenso da. Die Jung-Autorin taucht ab in die Welt der Lettern. 2000 geschriebene Wörter sind ihr tägliches Ziel, wenn sie sich nach Feierabend an den Laptop setzt. In der Endphase eines Buches zieht sie sich selbst die Daumenschrauben an: 5000 Wörter will sie dann am Ende des Tages auf dem Papier sehen. Ein ordentliches Pensum.

Dass es dann so gut fließt, dafür sorgt sie selbst Tage, manchmal Wochen vorher: Was ihr an Ideen gerade so einfällt wird direkt aufgeschrieben. Oder auf Band gesprochen. Die besten Ideen hat sie im täglichen Stau in die Mainmetropole Frankfurt. Sind alle Ideen für ein Buch beisammen, wird erst einmal geplottet. Heißt: Der Handlungsstrang wird in Szenen eingeteilt, die einzelnen Charaktäre beschrieben. Erst skizzenhaft, dann bis ins letzte Detail genau. Erst wenn der Plot steht, geht es ans Schreiben. „Dann muss ich die einzelnen Szenen nur noch ausschmücken, meine Protagonisten reden, streiten und schöne Worte sagen lassen“, erzählt Loki Miller.

Hört sich einfach an, ist es aber durchaus nicht immer: „Manchmal machen sich die Figuren selbstständig und wollen gar nicht dahin wohin ich sie haben wollte.“ Dann muss die Autorin auch schon einmal umdenken. Wie beim Ende ihres jüngsten Romanes „Symphonia Culinaria – Ein Koch zum Verlieben“. „In meiner Familie wird leidenschaftlich gekocht, und Musik gehörte schon immer zu meinem Leben.“ Wen wunderst: Vater Helmut Müller kommt aus der Gastronomie und war Besitzer der Usinger Discothek Fun. Die Liebe zu Büchern und ihrem Inhalt wurde der Wernbornerin sozusagen ebenso in die Wiege gelegt: Mama Doris war von Kindesbeinen an ein Bücherwurm, und sie war es denn auch, die ihrer Tochter stetig neue Abenteuer vorlas. „Ohne Gute-Nacht-Geschichte ins Bett ging gar nicht“, sagt Loki Miller.

Dementsprechend gut war sie als Schülerin in Deutsch. „Mathe war nicht mein Fall“, verrät sie mit einem breiten Grinsen. Als Reporterin für die Schülerzeitung an der Konrad-Lorenz-Schule machte sie ihre ersten schriftstellerischen Gehversuche. Allerdings: „Artikel schreiben lag mir nicht, das muss man bei der Realität bleiben.“ Sie hat ihre Geschichten lieber „schön ausgeschmückt“. Dementsprechend pompös fielen ihre Aufsätze aus . . .

Nach der mittleren Reife und einem Fachabitur war es erst einmal vorbei mit dem Schreiben. Fachliteratur lag auf ihrem Schreibtisch, Anke Müller – so ihr wahrer Name – machte ihren Betriebswirt. Lesen ja, schreiben nein, war die Devise. Dann, vor rund drei Jahren, das Schlüsselerlebnis: Im Internet stieß sie auf eine Anzeige „Kreatives Schreiben“. Eine Szene aus dem Leben sollte eingereicht werden. Loki schrieb, reichte ein, bekam Feedback von einem Lektor. „Das hat Spaß gemacht und plötzlich war die Liebe zum Schreiben wieder da.“ Sie schrieb ihr erstes Buch: „Ein Koffer voller Vorurteile“. Schickte ihr Debüt an drei Verlage. „Ich bin aber unfassbar ungeduldig“, gibt sie zu und muss über ihre eigene Ungeduld laut lachen.

Als sie nach drei Monaten noch immer keine Rückmeldung bekommen hatte, riss der berühmte Geduldsfaden. Wieder stöberte sie im Internet, begab sich auf die Suche nach einer Alternative. Sie fand zwei Firmen, die die Möglichkeit boten, das Buch selbst zu verlegen. „Ein E-Book sollte es sein, denn ich wollte nichts draufzahlen. Da hatte ich schon viel zu viel Schlechtes gehört.“

So meldete sie sich bei Bookrix an, einer der Dienstleister auf diesem Sektor. „Unbedingt“ wollte sie ihren ersten Roman auf den Markt bringen. „Ich hab ihn einfach rausgehauen“, gibt sie unumwunden zu. Und muss im gleichen Atemzug gestehen: „Das war eine doofe Idee.“ Das Problem: Rechtschreibfehler. Bookrix machte sie auf das Manko aufmerksam, „doch ich dachte, die Leser merken das nicht“. Falsch gedacht! Die 15 000 Leser, die das Buch heruntergeladen hatten, merkten es und reagierten: Mit bösen Kritiken und verbaler Dresche. Wieder meldete sich die Firma bei ihr: Die hohe Download-Zahl hatte sie überzeugt, Loki Miller bekam ein kostenloses Lektorat und Korrektorat.

Auch die nachfolgenden Bücher wurden von Profis bearbeitet. Mit Erfolg: Millers Liebesromane spielen schon jetzt einen konstante Summe ein. Zudem haben mittlerweile mehrere Verlage bei ihr angeklopft. „Aber die wollten zu viel ändern. Bei meinen Liebesromanen möchte ich meiner Linie treu bleiben“, sagt sie.

Anders wird das bei ihrem Zukunftsprojekt: Die 36-Jährige will einen Fantasie-Roman schreiben. „Den möchte ich in einem Verlag unterbringen.“ Ihrem Motto „Schreibe was du kennst“ bleibt sie auch in diesem Genre treu, denn Loki Miller ist im wahren Leben in Gewandung auf Mittelalter-Märkten zu finden und kennt sich in der Szene aus. Im Herbst geht es erneut nach Mallorca. „Nicht zum Vergnügen, Fortbildung in Sachen Schreiben“, erzählt die Autorin. Mit einer Freundin hat sie übrigens lange über die Frage „Wann ist der Autor ein Autor?“ philosophiert. War sie früher der Meinung, man müsse erst einmal richtig berühmt sein, sagt sie heute mit neuem Selbstbewusstsein: „Ich will mit ganzem Herzen Autorin sein, das ist es, was es ausmacht. Ja, ich bin Autorin!“ Und da ist es wieder, das Flackern in ihren Augen: Loki – der Gott des Feuers.

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