Hinsetzen, warten, einsteigen

FDP macht sich für „Mitfahrerbank“ in Wehrheim stark

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Wer auf dem Land lebt und kein Auto hat, stößt auf einige Probleme. Schnell mal von A nach B zum Einkaufen kommen ist nicht drin. Die FDP glaubt, eine Lösung gefunden zu haben. Andernorts funktioniere die bereits gut . . .

So idyllisch das Leben auf dem Land auch sein mag, so schwierig kann es für diejenigen auch werden, die dies ohne Auto bestreiten wollen oder müssen. Dorothea Dittrich aus Obernhain kann davon ein Lied singen. Einkaufen oder Arztbesuche stellen für die 85-Jährige eine logistische Herausforderung dar. Da kommt der ehemaligen FDP-Gemeindevertreterin und Vorstandsfrau die Idee der Liberalen gerade recht: Die FDP-Fraktion möchte nämlich sogenannte Mitfahrerbänke in der Kerngemeinde und den Ortsteilen Wehrheims aufstellen.

„Ich habe mein Auto abgegeben“, erzählt die Obernhainerin beim Ortstermin. Unfälle habe sie zwar keine gebaut, aber sie sei „ein paar Mal angehupt“ worden. Das habe ihr zu denken gegeben. Wenn sie jetzt einkaufen gehen muss, dann heißt das für sie mit dem Bus nach Wehrheim fahren. Auf dem Rückweg, wenn die Taschen voll sind, werde sie meistens von irgendjemandem mitgenommen.

Da hat sie es vielleicht etwas einfacher als andere Menschen, denn Dorothea Dittrich ist in Wehrheim keine Unbekannte: Als FDP-Urgestein saß sie von 2001 an für fünf Jahre im Parlament und im Sozial-, Jugend- und Kulturausschuss. Dittrich ist keine Leisetreterin, wie sie selbst zugibt: „Ich bin in Obernhain die Meckertante.“ Wo auch immer sie einen Missstand entdeckt, Dittrich prangert ihn an und legt die Finger in politische Wunden. Aber sie engagiert sich ebenso eifrig, hat vor vielen Jahren die erste Walking-Gruppe gegründet. „Da gab es noch keine Stöcke dafür“, erzählt sie.

Die Idee ihrer Parteifreunde, eine Mitfahrerbank einzurichten, findet die 85-Jährige richtig gut. Denn schließlich fahre fast ständig jemand mit einem Auto aus einem der Dörfer in Richtung Wehrheim. Und genauso oft fahre auch jemand wieder zurück. Das könne doch ohne Probleme genutzt werden.

Die Idee der Mitfahrerbank ist keine neue. „Die kommt aus Rheinland-Pfalz“, sagt FDP-Parteichef Harald Stenger. Und sie sei genau aus den genannten Gründen entstanden. „Wir sind um die Weihnachtszeit auf einen Facebook-Post gestoßen, der dieses Konzept bewirbt. Die Idee gefiel uns ausgesprochen gut, da sie sowohl sozial als auch liberal ist“, erzählt Stenger. Daraufhin habe man sich das Konzept angeschaut und über den Weblink Kontakt zu den Organisatoren aufgenommen. Was die FDP-Mannen in Erfahrung gebracht haben: Die Aufstellung und die Instandhaltung sei relativ kostengünstig. Für die Gemeinde entstehe kaum ein zusätzlicher Aufwand. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt müssten geeignete Stellplätze an den jeweiligen Aufstellungsorten festgelegt werden, der Bauhof installiere dann ein dazugehöriges Schild und die Bank. Die Anschaffungs- und Aufstellungskosten seien ebenso gering: „Wir brauchen vier Bänke, drei einfache Schilder für die Ortsausfahrten, ein Klappschild für die Wehrheimer Mitte“, erklärt Stenger.

„Die Mitfahrerbank ist ein Treffpunkt für spontane Fahrgemeinschaften“, argumentiert der FDPler. Im Unterschied zum Trampen setze das Konzept auf das enge soziale Geflecht des ländlichen Raums. Wer bei keinem Fremden einsteigen wolle, der warte einfach, bis ein bekanntes Gesicht anhält. Die Benutzung sei freiwillig, auf eigene Gefahr und werde ab 16 Jahren empfohlen.

Zudem sei die Idee auch sehr umweltfreundlich, bei sich abzeichnender Akzeptanz ausbaufähig und leicht umsetzbar. „Die Mitfahrerbank steht für Mitmenschlichkeit, Kooperation und Kommunikation. Wir glauben, dass ein solches Konzept auch in unserer Gemeinde funktionieren kann“ sagt Harald Stenger. Und auch Dittrich ist von der Mitfahrerbank überzeugt: „Da kann ich per Anhalter fahren“, meint sie lachend und hält beim Fototermin schon mal den Daumen raus.

Ob die Idee umgesetzt werden kann, wird sich zeigen. Zumindest haben die Liberalen einen Antrag ausgearbeitet und darum gebeten, diesen auf die Tagesordnung für die kommende Sitzung der Gemeindevertretung zu setzen. Darin heißt es: „Die Gemeinde Wehrheim beschließt an den Ortsausfahrten Friedrichsthal, Pfaffenwiesbach und Obernhain jeweils in Richtung Wehrheim und in der Wehrheimer Mitte je eine sogenannte Mitfahrerbank einzurichten.“

Die Sitzung steht am Freitag, 23. Juni, an und ist öffentlich. Mitfahrerbank-Interessierte sind also willkommen.

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