Urteil bestätigt

Mädchen im Freibad belästigt: Bewährungsstrafe für 22-Jährigen

  • vonAlexander Schneider
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Der Wehrheimer „Grabscher-Prozess“ ist beendet. Ein Frankfurter Jugendschöffengericht hat gestern einen 22-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Schwimmbad zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt – ein merkwürdiger Fall.

Weil er am 16. August im Wehrheimer Ludwig-Bender-Bad drei damals 12- und 13-jährige Mädchen sexuell belästigt und dabei unsittlich berührt hat, wurde ein 22-jähriger Asylbewerber von der 7. Kleinen Strafkammer des Frankfurter Jugendgerichtes zu einer Bewährungshaftstrafe von zehn Monaten verurteilt. Das Gericht bestätigte damit das im November von der Bad Homburger Jugendrichterin gesprochene Urteil, gegen das der Angeklagte Berufung eingelegt hatte, dieses aber auf das Strafmaß beschränkt wissen wollte.

Der Verteidiger hatte acht Monate auf Bewährung gefordert. Es sei ein minder schwerer Fall sowie alkoholbedingte Enthemmung und damit eingeschränkte Schuldfähigkeit anzunehmen. Das Gericht sah das anders. Die Richterin gab dem Angeklagten die Empfehlung, die Berufung zurückzuziehen. Da der Angeklagte das auf Anraten seines Verteidigers ablehnte, verwarf das Gericht den Einspruch.

Gerade die Forderung nach einer milderen Strafe als die zehn Monate machte den Fall zu einem besonderen. Die Bad Homburger Richterin war unter den gesetzlichen Vorgaben bei derartigen Sexualstraftaten geblieben. Das Gesetz sieht dafür Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor, dem Urteil lagen aber Einzelstrafen von nur vier Monaten zugrunde. Insofern, so die Frankfurter Richterin, sei ein rechtsfehlerhaftes Urteil in Kraft getreten, weil es auch von der Staatsanwaltschaft nicht mit dem Rechtsmittel der Revision angegriffen worden war. Mit der Verwerfung des Einspruchs gegen das Strafmaß sei der Mann „mehr als gut bedient“, da wegen des Verschlechterungsverbotes eine möglicherweise höhere Strafe nicht ausgesprochen werden konnte.

Zur Sache: Am 16. August hatte der Angeklagte den Mädchen im Schwimmbad nachgestellt und sie unter Wasser am Po und zwischen den Beinen begrabscht. Als sich die Mädchen ihm entziehen wollten, war er ihnen hinterhergeschwommen, wie ein 14-jähriger Zeuge berichtete. Er soll verhindert haben, dass eins das Becken verließ. Den Mädchen war es gelungen, den Schwimmmeister zu informieren.

Positiv angerechnet hat das Gericht dem Angeklagten, dass er durch sein Geständnis den Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart hat. Es folgte jedoch nicht seiner Darstellung, er sei betrunken gewesen. Alkoholbedingte Ausfallerscheinungen hat der Mann laut Zeugen aber nicht gezeigt, er habe noch tauchen und vom „Einer“ springen und eine halbe Stunde mit dem Fahrrad fahren können. Ein Atemalkoholtest bei der Polizei ergab 1,25 Promille. Wie der Gutachter der Gießener Uniklinik erklärte, reiche das jedoch nicht aus, um dem Mann alkoholbedingte Enthemmung zugute zu halten. Das Gericht, der Gutachter, aber auch der Verteidiger wunderten sich jedoch, warum es die Polizei damals beim Alkoholtest belassen und auf eine Blutentnahme, die ein gerichtsverwertbares Beweismittel gewesen wäre, verzichtet hat.

Ungeachtet dessen blieb der Verteidiger, der den Ermittlern Versäumnisse vorwarf, dabei, dass sein Mandant betrunken gewesen sei. Dass er bei den drei Mädchen „hingelangt“ habe, sei sicher ein großer Fehler gewesen. Er komme jedoch aus einer „sehr konservativ geprägten Gesellschaft“ und sei am Tattag „der Verlockung der Freizügigkeit erlegen“. Er sei reuig und habe sich entschuldigt. Sein Mandant, der bereits eine Zeit in Untersuchungshaft verbracht hat, sei „sehr haftempfindlich“. Jeder wisse, dass Sexualstraftäter, insbesondere wenn Kinder die Opfer sind, „im Knast Spießrutenlauf ausgesetzt seien“.

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