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Frauen, die aus den verschiedensten Ländern nach Deutschland geflüchtet sind, gingen auf Entdeckungstour in die eigene Bildwelt ? und sie haben ein gemeinsames Bild geschaffen.

Flüchtlingsfrauen machen Kunst

Malen als Mittel der Verständigung

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Ein Malkurs bei der Basa hat das Selbstbewusstsein von Frauen aus den verschiedensten Ländern und Krisengebieten gestärkt. Und er hat sie näher zusammengebracht.

Die Sprache ist ein Grundelement menschlicher Verständigung, und wenn man sich nicht versteht, birgt das die Gefahr von Missverständnissen. „Die Bildsprache ist die älteste Sprache“, sagt Künstlerin Brigitte Rothfuß aber auch. Als Mittel der Kommunikation geht das Potenzial der Malerei aber weit über das Formale hinaus, und das wurde nun bei einem Workshop für Flüchtlingsfrauen bei der Basa aktiviert.

Aus dem Kosovo, Albanien, Eritrea, Somalia, Pakistan und Äthiopien kamen die acht Teilnehmerinnen, die im Usinger Land jüngst Aufnahme gefunden haben. „Am Anfang haben die einen an dem Tisch gesessen, die anderen an einem anderen, aber am nächsten Tag haben sie die Tische zusammengeschoben“, schilderte Basa-Organisatorin Ursel Oestreich eine positive „Nebenwirkung“. Obwohl in der Umgebung untergebracht, nutzten die Frauen die Möglichkeit, im Tagungshaus der alten Anspacher Schule zu übernachten, und das stärkte noch einmal den Teamgeist der „Künstlerinnen“.

„Es geht nicht um Kunst, sondern um die eigene Bildwelt“, fasste Brigitte Rothfuß die Ziele des Workshops noch enger. Rothfuß, die selbst künstlerisch vielfältig aktiv ist, unter anderem in der Ausdrucksmalerei, nutzte auch andere Methoden, um die Kreativität der Frauen zu wecken und die eigene Bildwelt zu entdecken, beispielsweise durch meditatives Tanzen. Sie gab natürlich auch technische Hilfestellung, aber ohne strenge inhaltliche Vorgaben. Dennoch habe sich innerhalb der beiden Tage die Qualität der Arbeiten entwickelt, sagte sie anlässlich der Vorstellung der Arbeiten. Das sah man beispielsweise den Bildern einer Teilnehmerin afrikanischer Herkunft an: Nicht nur der Strich ist sicherer geworden, die Bilder haben an Struktur und Ordnung gewonnen und sind dennoch fantasievoll und erzählerisch geblieben.

Viele Frauen haben Erinnerungen an ihre Heimat in Farben und Formen zu Papier gebracht. Auch zeigen sie, was sie in der neuen Heimat für Erwartungen haben, und haben damit individuelle

Schwerpunkte gesetzt

. Die Verarbeitung der Erlebnisse zu Hause und auf dem Weg in ein neues Leben mit all seinen Herausforderungen ist damit auch zum Thema geworden, ohne dass dies beabsichtigt war.

Vor allem hat der Workshop das Selbstbewusstsein gefördert: „Es war so schön zu sehen, mit welchem Stolz die Frauen vor ihren Bildern standen“, freut sich Rothfuß. Und „gemeinsam stolz“ waren die Teilnehmerinnen auf das gemeinsam gestaltete Bild, das auf der abschließenden Schau der Werke im Mittelpunkt stand.

Der Kurs wurde von der Bildungsstätte Alte Schule Anspach (Basa) zusammen mit dem Paritätischen Bildungswerk und mit Helfern des Generationen-Hilfsvereins ZAK organisiert. In einer anschließenden Finissage wurden die Werke vorgestellt. Dazu kamen auch Besucher aus der Verwaltung sowie aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit, es gab zahlreiche Gespräche, und so wurde mit dem Mittel der gestalterischen Malerei auch die verbale zwischenmenschliche Kommunikation gestärkt.

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