1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Usingen

Manche Zugvögel bleiben sogar im Winter dem Usinger Land treu

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dorit Lohrmann

Kommentare

Ein Graureiher legt auf seiner Reise eine Pause im Usinger Land ein und gibt ein ideales Fotomodell ab.
Ein Graureiher legt auf seiner Reise eine Pause im Usinger Land ein und gibt ein ideales Fotomodell ab. © Dorit Lohrmann

Manche Auswirkungen des Klimawandels lassen sich nur durch jahrelange Datensammlungen erkennen, andere begegnen dem aufmerksamen Beobachter schon vor der eigenen Haustür. So kommt etwa die Frage auf, ob der Klimawandel denn bereits Auswirkungen auf das Verhalten von Zugvögeln hat. Vogelexperte Horst Wolff gibt Antworten.

Jeder kennt sie, die typischen keilförmigen Linien, die sich am Himmel abzeichnen, wenn Schwärme von Kranichen auf ihrer Reise in den Süden über den Taunuskamm hinweg ziehen. Verbunden mit dem ebenso typischen Geschrei, das weithin zu hören ist und schon allein damit den Wechsel der Jahreszeiten markiert.

„Die klassischen Zugvögel sind schon weg“, erklärt Horst Wolff, Vorsitzender der Usinger Vogelschutzgruppe. Wie eben die Kraniche, die oft in riesigen Reisegruppen zu beobachten sind und von denen noch ein paar Nachzügler am Sonntagabend übers Usinger Land geflogen sind. „Die ändern aber von Jahr zu Jahr die Flugroute“, weiß der versierte Vogelschützer. Was dazu führe, dass in manchen Jahren besonders viele, in einem anderen an gleicher Stelle indes weniger Vögel bemerkt würden.

Dieses Jahr habe man über dem Usinger Raum längst nicht so viele gesehen wie zum Beispiel vor drei Jahren, als Wolff einmal an einem Tag mehr als 25 000 Exemplare gezählt habe. „Das war unglaublich“, schwärmt er. Aber die Hauptflugroute liege südlich des Taunuskamms und über der Wetterau, wo die Kraniche auch in diesem Jahr zu tausenden geflogen seien, erklärt er. Ihr Ziel: die nahrungsreichen Korkeichenwälder in Südspanien und Afrika.

Ebenfalls schon längst aus der Region weg seien sämtliche Schwalbenarten. Die gehören ohnehin zu den ersten, die ihre Sommerresidenz verlassen und viele tausende Kilometer gen Süden fliegen. Im August, spätestens Anfang September, gebe es hier keine einzige Schwalbe mehr zu sehen. Und für den Mauersegler sei der 1. August quasi schon der Stichtag.

Zurzeit seien die Milane am Wegziehen. Die hat Wolff seinem Bekunden nach gerade erst dieser Tage beobachten können, so sieben oder acht Rotmilane, die nahezu hintereinander gestartet sind. Singvögel wie der Zilpzalp und mehrere Arten des Laubsängers seien derzeit ebenfalls unterwegs in nahrungsreichere Gefilde. Die lange Reise nach Afrika nehme auch der Kuckuck nach wie vor in Kauf, während die Mönchsgrasmücke neuerdings nur noch bis England fliege statt wie früher nach Afrika. Manch nordische Gans, die bislang über Deutschland hinweg weiter in den Süden zog, bleibe inzwischen auch schon mal zur Überwinterung hier, führt Horst Wolff weiter aus.

Im Grunde also sei das Zugverhalten nach wie vor gegeben, wobei sich die ein oder andere Vogelart durchaus die weite Reise verkürze, wenn denn nahe liegendere Gegenden im Hinblick auf die Nahrungssuche vielversprechend wirkten. „Störche“, fiel ihm plötzlich ein, „einige Störche bringen es tatsächlich fertig und bleiben hier!“ Weil’s Futterangebot stimme. Denn Störche lebten beileibe nicht nur von Fröschen. Der langbeinige Vogel fängt mit seinem spitzen Schnabel auch Mäuse oder Regenwürmer. Und wenn es im Winter noch nicht einmal schneit, dann findet Meister Adebar auch hierzulande ausreichend Nahrung.

Bei manchen Arten bemerkt man kaum, dass sie in südlichere Gegenden fliegen, weil sich währenddessen Artgenossen aus dem Norden, etwa aus Russland, hier einfinden. Rotkehlchen zum Beispiel, oder verschiedene Meisenarten. Aber natürlich zählen nicht alle Vögel zu den reisefreudigen Zugvögeln. Sperling, Kleiber, Goldammer, Amsel, Eichelhäher und manch anderer gefiederter Freund bleibt seinem Standort treu – ganz egal, wie’s Wetter wird.

Auch interessant

Kommentare