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In zehn Metern Höhe sägte Marcin Targonski die Äste von den Douglasien und steigert so den Holzwert. Foto: Seibt

Forstarbeiter

Maniküre für Douglasie

Die Bäume im Wald wachsen, wie sie wollen. Zumindest glaubt man das als Außenstehender. Doch Forstarbeiter legen oft genug Hand an, um der Natur zu helfen.

Von Tatjana Seibt

Handarbeiten sind wieder schwer in Mode. Doch nicht nur bei dekorativen oder kulinarischen Angeboten wissen die Menschen das alte Handwerk zu schätzen. Auch im Wald geht es manchmal nicht ohne Handarbeit. So wie derzeit in einem Teil des Eschbacher Waldes.

Dort bekommen die Douglasien dieser Tage eine Pflegemaßnahme von Hand verpasst. Bis zu zehn Meter in die Höhe klettern die vier Mitarbeiter von Andrezej Szuchalski, um die Douglasien von ihren Ästen zu befreien. „Dafür benutzen wir spezielle Sägen mit japanischer Zahnung“, erklärte der Firmenchef. Jedes noch so kleine Ästchen müssen die Forstarbeiter dafür im Visier haben, während sie gleichzeitig gesichert auf einer Steckleiter stehen und sägen.

„Wert-Asten nennt man diese Arbeit“, erklärte Usingens Förster Karl-Matthias Groß. Er hat die Arbeit beauftragt und verspricht sich für die Zukunft ein gutes Ergebnis bei der Veräußerung der Stämme. „Das wird allerdings nicht mehr in unserer Zeit geschehen“, weiß der Förster. Denn die Douglasien, die derzeit bearbeitet werden, stecken mit ihren 22 Jahren regelrecht in den Kinderschuhen.

„In Amerika stehen Douglasien, die sind zum Teil 1000 Jahre alt“, berichtet Groß. Ganz so lange warten muss die Stadt sicher nicht, aber wenigstens 50 Jahre werden dafür noch ins Land gehen. Der Grund, warum die etwa 600 Bäume derzeit von ihren Ästen befreit werden, ist recht simpel. „Bäume mit Astlöchern im Holz bringen einfach weniger Geld ein“, weiß Groß. Deshalb entferne man in der Jugend sämtliche noch so kleinen Äste vom Stamm.

Der Baum, der später die Schnittstellen um ein Vielfaches überwachsen lässt, sieht dann bis zur Erntezeit perfekt aus. Zwar bleiben die Spuren der Astlöcher im Kern des Stammes erhalten, „das wird aber bei edlen Hölzern nicht verarbeitet“, so Groß.

Folglich seien dann auch an den kostbaren Stellen keine Astlöcher mehr zu sehen. Etwa 4000 Euro investiert die Stadt in diese Zukunftsmaßnahme und sichert sich so, theoretisch zumindest, schon einmal das Doppelte an Einnahmen. „Man kann zwar keinen genauen Preis für den Markt in 50 Jahren nennen“, räumt Groß ein. Nach derzeitigem Stand werden aber für wert-geastete Douglasien und Lärchen die doppelten Holzpreise bezahlt.

Dass dafür die vergleichsweise teure Handarbeit eingesetzt wird, ist dem Umstand geschuldet, dass es für eine solche Maßnahme noch keine guten Maschinen gibt. Denn nur einen glatten Schnitt „überwallt“, also überwächst, der Baum richtig und lässt das Astloch verschwinden.

Bis in zehn Meter Höhe werden die Douglasien veredelt. „Manche auch nur bis zu acht Meter, je nach weiterer Beschaffenheit des Baumes“, verdeutlicht Groß. Denn nur die geraden und nahezu makellosen Bäume bekommen den „Edelschnitt“. Gut eine Woche ist die Firma im Usinger Forst unterwegs, dann ist sie auch schon in anderen Teilen der Bundesrepublik, denn die Nachfrage nach diesem Schnitt ist groß.

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