Der ehemalige Vorstand mit (von links) Martina Arndt, Harry Dertinger, Ralf Müller, Simone Mächold und Bernhard Keth.
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Der ehemalige Vorstand mit (von links) Martina Arndt, Harry Dertinger, Ralf Müller, Simone Mächold und Bernhard Keth.

Turbulenzen im Usinger Gewerbeverein

Margarita Krummel ist neue Vorsitzende - Ralf Müller muss Platz räumen

  • VonAndreas Burger
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Brandrede des Usinger Bürgermeisters gegen Vermischung aus Politik und Verein

Usingen. Völlig unerwartet gestaltete sich die Hauptversammlung des Usinger Gewerbevereins zu einem durchaus turbulenten Abend mit hohem Unterhaltungswert, etwas Rechtskunde, Brandreden, humorvollen Bemerkungen und manchen Überraschungen.

Vorweg: Ralf Müller ist nicht mehr Vorsitzender. Er hatte zwar mitgeteilt, dass er - wie der gesamte Vorstand - nicht mehr will, trat aber kurz vor der Sitzung von seinem angekündigten Rücktritt zurück, weil ihn viele per Mail und Anrufe zum weitermachen aufgefordert hätten. Die waren aber an dem Abend wohl nicht alle da. Neue Vorsitzende ist Margarita Krummel vom Restaurant Bembel und Gretel.

Kein Mix aus Politik und Handel

Vorausgegangen war der Wahl allerdings ein Auftritt von Bürgermeister Steffen Wernard. Der das Wort ergriff ohne es vom zu dieser Zeit noch amtierenden Vorstand erhalten zu haben - denn das übliche Grußwort des Bürgermeisters fand sich nicht auf der Tagesordnung.

Wernard wollte auch nicht grüßen. Sondern dankte zwar dem alten Vorstand, wies aber in einer Art Brandrede auch darauf hin, dass er als Verwaltungschef und Schnittstelle zwischen Politik und Gewerbe attestieren müsse, dass die beiden letzten Jahre nicht von großer Harmonie geprägt gewesen seien, vor allem mit dem Vorsitzenden. Und er es zudem sehr unglücklich finde, dass Politik und Handel sich nun vermischten - denn Ralf Müller hatte ja für die FDP in der Kommunalwahl kandidiert und sitzt nun im Stadtparlament. Er erwähnte fehlende Unterstützung beim Isek-Programm, die mangelnde Weitergabe von Informationen seitens des Vorstandes an die Mitglieder und wies darauf hin, dass der alte Vorstand mit Michael Koch noch jemanden ausgedeutet hatte, der ein neues Team suchen sollte - und es auch tat - nun aber diese Arbeit wohl vergebens gewesen sei. Dabei wäre es gut, wenn der Verein mit neuen Agierenden "einen Blick von außen" erhalten würde. Beifall.

Dass Wernard und Müller keine Intimfreunde sind (oder gar werden), ist spätestens zum Wahlkampf im März klar geworden. Zu herb war so manche Breitseite des damaligen FDP-Kandidaten gegen die Verwaltung oder politischen Mitbewerber, der auch seine eigene Partei mit vielen Ideen überrascht hatte.

BNI-Vorsitzender Hartmut Herzog griff daraufhin den Bürgermeister an, der sich zur Gründungsversammlung des Netzwerkes BNI nicht habe sehen lassen, worauf Wernard konterte, dass man ihn dann auch rechtzeitig einladen müsse. Wie gesagt. Eine durchaus unterhaltsame Sitzung. Die allerdings an humorvollen Einlagen noch Fahrt aufnahm.

Die Qual der Wahl

Denn die Wahl zum neuen Vorstand gab dem Sprichwort "Die Qual der Wahl" ganz neue Bedeutung. Dazu muss man wissen, dass nicht nur die Anwesenden wählen können, sondern Abwesende per Vollmacht sich vertreten lassen können. So kam es in der voll besetzten Hugenottenkirche zum Wahlgang 1 mit 48 Wahlberechtigten. Und am Ende 49 Stimmen. Das fiel dann aber erst auf, als bereits drei Wahlgänge - Vorsitzende, Vize und Kasse - gelaufen waren. Mehrmalige Auszählungen konnten die eine Plus-Stimme nicht entfernen.

Der Vorschlag Müllers, angesichts der fortgeschrittenen Zeit einen neuen Termin anzusetzen und den alten Vorstand so lange im Amt zu lassen, fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Wahlleiter Bernhard Keth und zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Vize weil abgetreten, raufte sich sozusagen die Haare und setzte eine neuen Wahlgang an. Mit der Erfolg: 49 Stimmen. Unmut im alten Vorstand: Da wird doch nicht jemand. . .

Nächster Wahlgang, diesmal mit direktem Aufrufs jedes Wahlberechtigten und direkte Übergabe der Stimmzettel. 49 Stimmen. Noch mehr Unmut der Führungsebene: Da hat doch jemand. . .

Schließlich war es Simone Mächold, die den Fehler fand: Ralf Müller, der von abwesenden Mitgliedern Vollmachten hatte, gab durch eine Verwechslung einen Stimmzettel zu viel in die Urne ab. Nun wäre eigentlich fast alle im Lot gewesen, wenn da nicht die sehr stringenten Vorgaben im Vereinsrecht wären.

Auftritt vom Notar Bertram Heßler. Der die ganzen Wahlen nun auch rechtlich in die richtige Bahn brachte. Er gab kurz Nachhilfe, was nun zu machen sei, und er fand angesichts der Uhrzeit und der bereits laufenden Nachspielzeit des EM-Länderspiels Beifall und Zustimmung im Auditorium.

Mit dem neuen Führungsteam wird die Gleichberechtigung sozusagen "außer Kraft" gesetzt, denn der neue Vorstand besteht nur aus Frauen: Snjezana Maros ist neue Vize-Chefin, Jasmina Esfahani wird zuständig für Vereinsverwaltung, Beatrice Sagolla ist neue Schriftführerin, Kristina Kempen Kassiererin und die neue Vorsitzende wurde Margarita Krummel vom Gasthaus Bembel und Gretel. Noch zu bestimmen sind vom Vorstand der Marketingausschuss und der Mitgliederausschuss. Die Kasse prüfen künftig Oliver Grundl und Bernd Reckelkamm. Andreas Burger

Frauenpower beim Gewerbeverein, denn der neue Vorstand besteht nur komplett aus Frauen (v.l.) Snjezana Maros als neue Vize-Chefin, Jasmina Esfahani, zuständig für Vereinsverwaltung, Beatrice Sagolla ist neue Schriftführerin, Kristina Kempen Kassiererin und neue Vorsitzende wurde Margarita Krummel.

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