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Erik Reischl spielte beim Hauskonzert der Familie Groh.

Hauskonzert am Fuße des Feldbergs

Ein Meister seines Faches

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Die „Hauskonzerte“ sind inzwischen zu einer Premium-Marke geworden. Ausgewählte Künstler sind im Wohnzimmer der Familie Groh zu hören, sechs Konzerte fanden schon statt, für sieben weitere stehen die Termine schon fest.

Dass ein Konzert im Wohnzimmer funktionieren kann, beweist die Familie Groh schon seit einiger Zeit, und auch beim jetzt sechsten Hauskonzert war die Stube voll. Mehr als 60 Besucher füllten das Zimmer und die Küchenempore.

Die Küche befindet sich ein Geschoss höher und ist offen zum Wohnzimmer darunter. Hier saß man hinter der Brüstung auf gepolsterten Esszimmerstühlen wie in der Loge und konnte direkt in das Innere des Flügels, auf die Tasten und die Hände des Pianisten sehen. Im Parkett musste das Publikum mit Gartenklappstühlen vorliebnehmen, aber Kissen sorgten auch dort für Sitzkomfort.

Ein Bösendorfer ist das größte Möbelstück im Groh’schen Wohnzimmer und was, wenn nicht Mozart oder Haydn, könnte man auf dem Wiener Tasteninstrument spielen? Der Flügel alleine macht es aber nicht, denn mit Erik Reischl saß auch noch ein Meister seines Faches an den Tasten.

„Etwa die Hälfte der Konzerte bestreiten wir aus den eigenen Reihen, für die andere engagieren wir bekannte Solisten“, erklärte Hausherrin Esther Groh.

Erik Reischl, Jahrgang 1973, im Rheingau zu Hause, hat an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert und Studium sowie Konzertexamen mit Auszeichnung absolviert. Meisterkurse und Preise schlossen sich an, vom frühen Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ bis hin zu zahlreichen internationalen Auszeichnungen. Seine Discographie umfasst mittlerweile sieben CDs mit Werken von Liszt, Rachmaninoff. Debussy, Chopin, Mozart, Haydn, Crumb, Scarlatti und Beethoven. Abgesehen von George Crumb zeigt die Auswahl, dass Reischl die Klassik und die Romantik liebt.

Und er liebt es, die Zuhörer bei seinen Interpretationen mitzunehmen, indem er sie mit informativen und unterhaltenden Erläuterungen zu den zu spielenden Stücken versorgt. Und wie es zu einem professionellen Konzert gehört, stand auch ein informatives Programmheftchen zur Verfügung.

Erster Programmpunkt: Zehn Variationen über „Unser dummer Pöbel meint“ von Mozart, der sich dabei ein Opern-Motiv Glucks vorgenommen hatte. Das war ein humorvoller Auftakt, die Spielfreude Reischls nahm ihren Lauf und offenbarte gleich seine Stärken. Reischl geht keine Kompromisse ein, hat einen durchgehend maskulinen Stil und wird nur feinfühlig, wenn es unbedingt sein muss – ein schwer zu zähmendes Temperament zwischen den vier Wänden des Groh’schen Wohnzimmers. Er zeigte ein technisch brillantes Spiel vom Feinsten, und die Auswahl der Werke war überaus gelungen für die musikalische Soirée am Fuße des Feldbergs.

In das Programm passte auch das Klavierwerk „Andante con variationi“ von Haydn. „Das Stück habe ich erst einmal, 2003, öffentlich gespielt, heute passt es ins Programm“, erklärte Reischl vorab. Das war auch beim folgenden Chopin der Fall. Andante und Polonaise op. 22, eigentlich ein Werk für Klavier und Orchester. „Für das Orchester nehme ich die dritte Hand dazu, ich hoffe, es fällt Ihnen nicht auf“, scherzte Reischl. Aber es war auch ein Fingerzeig auf den technischen Anspruch des Werkes, dem Reischl mehr als gerecht wurde.

Nach der Pause kam noch ein opulentes Werk: Carnaval von Robert Schumann. Reischl führte auch hierzu ein, erklärte die Entstehung des aus zehn Miniaturen bestehenden Stückes und Schumanns raffiniertes Spiel mit den Buchstaben A-Es-C-H und As-C-H sowie andere Rätsel und Anspielungen.

Die Zuhörer hatten an diesem Konzertabend auch viele Eindrücke zu verarbeiten und dabei half der kontemplative Blick in den üppig begrünten Garten, wo die Besucher den „Pausensekt“ und den anschließenden Imbiss genossen.

Bis zum nächsten und siebten „Hauskonzert Feldberg“ müssen sich die Freunde der anspruchsvollen Wohnzimmer-Musik gedulden: Am 10. Oktober wird „Wieso Barock?“ mit Duetten, Arien und Klavierstücken von Monteverdi, Bach und Händel gefragt. Infos unter .

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