tzu_tas_spd_lichtverschmutz
+
Wie sich Lichtverschmutzung mit einfachen Mitteln verhindern lässt, das ließen sich Bürger und die SPD von zwei Experten bei einem Rundgang durch die Stadt zeigen.

Usinger SPD begibt sich auf die Spuren der Lichtverschmutzung

Mit einigen Maßnahmen Usingen zur Sternenstadt machen

  • vonTatjana Seibt
    schließen

Fachmann zeigt Problemstellen mit zu hellen oder falsch eingestellten Lampen auf. Vor allem für die Tierwelt können Fehler fatal sein.

"Unser Ziel ist das Prädikat Sternenstadt Usingen", sagte Birgit Hahn, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins anlässlich einer ganz besonderen Begehung. Dieses Mal trafen sich die Sozialdemokraten mit interessierten Bürgern und Experten zum Thema Beleuchtung. Das Thema ist bei der SPD nicht ganz neu, denn es geht den Sozialdemokraten dabei nicht etwa darum mehr Licht ins Dunkel zu bekommen, sondern genau das Gegenteil zu erreichen.

Lichtverschmutzung ist dabei das Stichwort und ein Thema, dem sich die SPD auch schon in der Vergangenheit widmen wollte. Nun hatte sie den Experten Christian Schmitz von der Arbeitsgruppe Sternwarte Orion aus Bad Homburg zu Gast, der trotz eines regnerischen Rundgangs zunächst den gravierenden Unterschied zwischen der hellen Beleuchtung des Vordertaunus zum dunklen Usinger Land anhand einer Nachtkarte aufzeigte.

Damit könnten die Orte "hinterm Berg" eigentlich zufrieden sein war sein Kommentar, doch bei näherem Hinsehen waren die einzelnen Kommunen anhand der Strahlung im Dunkelfeld doch gut erkennbar.

Usingen als "Sternenpark Taunus"

Neben der Sternenstadt wäre es ein Traum der SPD "Sternenpark Taunus" zu werden, so wie es bereits den ,Sternenpark Rhön' gibt." Orte, an denen die Sterne am Himmel wieder klar erkennbar sind und nicht durch die Lichtstrahlungen der Stadt verdeckt werden.

Torsten Güths von der Sternenwarte Wetterau erläuterte in Folge die falsch eingestellten LED-Lampen an der Christian-Wirth-Schule, von denen eine zum einen zu hell und zu weiß, zum anderen sinnlos Licht über das Gebäude in den Himmel streut.

Die Straßenlaternen fanden ebenfalls mit ihren Kugeln keine Sympathie, denn sie ziehen mit ihrem gelben Licht mit zu hohem blauen Anteilen die Nachtfalter an, die bis zur tödlichen Erschöpfung um die Lichtquelle flattern. Die Lichtstreuung reiche zu weit in die Umgebung über das notwendige Ausleuchten der Fußwege hinaus, so seine Feststellung. Auch die Bodenleuchten um das Rathaus herum vergeudeten - so die Fachmänner - mindestens 50 bis 60 Prozent der Strahlung in den Himmel, obwohl sie lediglich dazu dienen sollten, das Rathaus anzustrahlen.

An anderen Stellen von eingelassenen Bodenstrahlern zeigten sie vergleichbare Effekte, in dem sie Teile der Lampen abdeckten und damit anschaulich die sinnlose Himmelserleuchtung erleben ließen. Das Gebäude der Polizei erstrahlt in neuem Glanz nach der Sanierung mit den richtig montierten Strahlern von oben nach unten, jedoch könnten sie mit einer geringeren Wattzahl ein gleiches gutes Bild geben. Auch Strom einsparen sei ein sinnvolles Ziel, äußerte sich Güths.

Teilnehmer aus dem Roßmühlenweg zeigten ein Foto von der Rückseite des Gebäudes, das Tag und Nacht einen stark strahlenden Leuchtkörper zeigt, der mehrere hundert Meter weiter noch als störend wahrgenommen werde. Gegenüber am Autohaus konnte eine Lampe mit Bewegungsmelder ausgemacht werden, derzeit defekt, jedoch decken die Straßenlaternen das gesamte Areal ab, so dass das Unternehmen hier keinen Strom "vergeuden" müsse. Im Zuge der Begehung wiesen die Sozialdemokraten auch auf die zum Teil beleuchteten Werbeschilder hin und erläuterten den Sinn der Gestaltungssatzung der Stadt Usingen. Wenige Leuchtkörper hätten Bestandsschutz, da sie bereits vor der Satzung angebracht wurden. Der Lichtverschmutzung würden sie allerdings nicht entgegenwirken und auch das historische Bild der Stadt nicht unterstützen. Die Stadt schreibe angestrahlte Werbeschilder an geschmiedeten Aufhängern vor. Doch viele Geschäfte hätten Leuchtkörper mit Leuchtstoffröhren angebracht. Die beleuchteten Schaufenster zeigten ebenfalls unterschiedliche Qualität. An manchen Stellen könne mit wenig Einsatz eine sowohl ausreichende als auch stromsparende und insektenfreundlichere Beleuchtung wirken. Und wer auf Bewegungsmelder anstelle Dauerstrom setze, können schon viel bewirken, ohne Sicherheit einzubüßen. Mit dem Gewerbeverein habe man sich diesbezüglich austauschen wollen, doch die Versuche seien im Sande verlaufen, so Hahn abschließend. Tatjana Seibt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare