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Revierförsterin Birgit Wetzel stattet dem Forstunternehmer Thomas Sänger einen Besuch ab, während er Weißtannensamen in die Furche sät, die er vorher mit dem Schleswiger Kaltblut Jever gezogen hat.

Im Usinger Land wird Hoffnung auf die Weißtanne gesetzt

Mit tiefen Wurzeln kann der Baum auch in trockenen Jahren gut überleben

  • vonEvelyn Kreutz
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Im Schatten von Buche und Eiche trotz der Baum dem Borkenkäfer

Mancherorts, zum Beispiel im Wald um Wilhelmsdorf, scheint der Borkenkäfer die Fichten verschont zu haben. "Beim genauen Hinschauen erkennt man, dass es sich bei den sattgrünen Nadelbäumen um Weißtannen handelt. Sie sind im Forst einer der Hoffnungsträger", so Revierförsterin Birgit Wetzel. Sie erläutert, warum das so ist und wie sich das nach dem zum Teil katastrophalen Kahlfraß bei den Fichten zur Umgestaltung des Waldes nutzen kann.

"In unseren hessischen Wäldern gibt es natürliche Tannenvorkommen", weiß die Försterin (Lesen Sie dazu auch nebenstehenden Text). Weitsichtige Förster und Waldbesitzern hätten außerdem diese prächtige Baumart bereits vor Jahrhunderten im Taunus gepflanzt und ausgesät. Im Wilhelmsdorfer Forst zeige sich, dass sich die Tannen hier wohlfühlten und auch die vergangenen Hitzesommer überstanden hätten. Die Weißtannen wachsen hier bis zu 50 Meter hoch. Ausgewachsene Exemplare entwickelten die für sie typischen Kronen in der Art von Storchennestern.

Zapfen bleiben in der Krone

"Bei den vielen auf dem Waldboden liegenden "Tannenzapfen" handelt es sich nie um die Zapfen der edlen Tanne, sondern um Fichtenzapfen", teilt die Försterin mit und ergänzt: "Alle Tannenarten verlieren ihre Zapfen nicht." Diese stünden wie ein Kronleuchter auf den Zweigen in der Krone des Baumes und zerfielen nach der sommerlichen Samenreife am Baum. Die Zapfenschuppen mit den zwei Samen fielen zu Boden, die Zapfenspindel bleibe meist mehrere Jahre auf dem Zweig stehen.

Die zur Familie der Kieferngewächse gehörende Gattung Abies (Tannen) bilden laut Wetzel zunächst eine sich tief in den Boden verankernde Pfahlwurzel aus, welche sich nach vier Jahrzehnten zu einem kräftigen Herzwurzelsystem entwickle. "Das bedeutet, es findet sowohl eine ausgeprägte vertikale als auch horizontale Durchwurzelung des Waldbodens statt. Und diese physikalisch starke Wurzelenergie verleiht dem Baum eine sehr hohe Widerstandskraft gegen Stürme, Trockenheit und in Folge dessen auch gegen allerlei Borkenkäfer."

Auch tieferliegende Wasserreservoirs könnten angezapft werden. Die sehr gut zersetzende Nadelstreu der Tannen wirke sich auch positiv auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Waldböden aus. "Weil sich keine dicken Rohhumusauflagen bilden, kann der Boden gut atmen, und in Folge dessen fühlen sich die Bodenorganismen "sauwohl".

Grundsätzlich gilt laut Wetzel: "Je vitaler ein Baum ist, desto widerstandsfähiger reagiert er - beziehungsweise eine komplette Pflanzengesellschaft wie das Ökosystem Wald gegen Naturgewalten und Störungen durch den Menschen." Aus Sicht der Försterin sollte ein gesunder und artenreicher Mischwald dort, wo es standörtlich möglich ist, die heimischen Weißtannen langfristig mit einbinden.

Schattenplätze bevorzugt

"Das bedeutet, dort wo kein Mutterbaum, sprich eine fruktifizierende Alttanne in der Nähe steht, sollte man Tannen pflanzen und/oder säen", sagt sie nicht nur, sondern tut es auch. Und zwar mit überlieferten Methoden und Unterstützung von Forstunternehmer Thomas Sänger und dem Schleswiger Kaltblut Jever.

Sänger lockert mit seinem Gespann den Boden unter den knapp hundertjährigen Buchen nur auf und zieht eine schmale flache Furche. In den freigelegten Mineralboden sät er per Hand zertifiziertes aus hessischen Wäldern gewonnenes Saatgut. Weil im benachbarten Revier Maibach zur Saatguternte zugelassene Weißtannenbestände in diesem Jahr zu wenig Zapfen angesetzt hatten, stammen die im Wilhelmsdorfer Forst gesäten Samen aus den Forstämtern Beerfelden und Frankenberg. Dies stellt laut Wetzel eine gute Mischung dar, um einen genetisch vielfältigen Tannenbestand zu erhalten.

Langfristiges Ziel ist ein gesunder Mischwald, in dem verschiedene Baumarten voneinander profitieren. "Die Tannen sind wie die Eiben eine absolute Schattenbaumart", erläutert die Försterin. Auf Freiflächen gepflanzte oder ausgesäte Tannen würden die direkte Sonnen- und Frosteinstrahlung über das Jahr nicht überstehen. "In der Baumartenmischung im Schatten der Buchen und in der Windruhe können die Sämlinge prächtig gedeihen", ist sich die Försterin sicher. Auch der wechselfeuchte Standort im Wilhelmsdorfer Forst entspreche den Ansprüchen der Weißtanne. Die Försterin geht davon aus, dass sich im Frühjahr die ersten Pflänzchen zeigen und weist darauf hin, dass Tannen bis zu 500 Jahre in seltenen Fällen 600 Jahre alt werden können. Evelyn Kreutz

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