1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Usingen

Mitglieder des Alpenvereins jäten Unkraut am Turm

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Alexander Schneider

Kommentare

Der Zahn der Zeit ist unerbittlich. Er nagt an Ruinen, die ihm in der Regel wenig entgegenzusetzen haben. Der Turm der alten Kirche am Landstein ist so ein Fall. Mitglieder des Alpenvereins verschafften ihm jetzt eine Verschnaufpause.

Sind Mauern ungeschützt dem Regen ausgesetzt, sickert Wasser in die Fugen und der Frost sprengt alles auseinander. So entstehen Ruinen wie der Turm der Kirche am Landstein. Er soll vor dem Verfall gerettet werden – höchste Zeit, wie Mitglieder der Sektion Frankfurt im Deutschen Alpenverein am Samstag feststellten.

Gertrud und Hans Stöckl haben die Ruine vor Jahren gekauft und so Verantwortung für das Gemäuer übernommen. Mit Mähen und der Beseitigung von Wildwuchs im Par-terre war es aber trotz großzügiger Hilfe – zuletzt durch die CDU-Kreistagsfraktion – nicht getan.

Mit einem neuen Fugenputz, der in den 70-er Jahren eingebracht worden war, war mehr falsch als richtig gemacht worden war, sagt Gertrud Stöckl, die die Aktion am Samstag mit Interesse verfolgte. Es war der falsche Mörtel verwendet worden.

Es bröckelt

Gut gemeint ist eben auch bei der Pflege von Ruinen oft das Gegenteil von gut gemacht. Immer wieder lösten sich nach dem Frost Steine und stürzten herab. Gefahr war im Verzug, denn schließlich sollte die Ruine Landstein als Relikt aus früherer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit den Jahren richteten die Eigentümer, aber auch die Denkmalpfleger, den Blick immer wieder bang nach oben: Auf der Mauer in 18 Metern Höhe, gediehen Bäume. Sie wuchsen zwar langsam, aber sie wuchsen. Irgendwann, das war den Stöckls schon klar, mussten sie beseitigt werden. Nur selbst hinaufklettern konnten sie nicht.

Letzten Samstag löste sich das Problem: Dem Geschäftsführer des Naturparks Taunus, Uwe Hartmann, war es gelungen, die Sektion Frankfurt im Deutschen Alpenverein zu überzeugen, sich die Lage einmal von oben anzuschauen. Naturpark und Alpenverein haben bereits mehrfach kooperiert wenn es darum ging, Arbeiten in für Normalsterbliche unerreichbaren Höhen zu verrichten.

Lage sondiert

Trotz eines kalten Nieselregens meldeten sich die vier Alpinisten am Morgen mit Seilen, Sicherungsgurten und Karabinern steigbereit, das Neu-Anspacher Ehepaar Fred und Petra Wonka, Oliver Schürmann und Rainer Opp. Uwe Hartmann hatte einen Hubsteiger organisiert, dessen Ausleger bis an die Mauerkrone heranreichte. Markus Michna vom Naturpark und Vaselin Pusic, Experte für Natursteine, besahen sich zunächst die Situation. Das Ergebnis der Untersuchung fiel wie erwartet aus: niederschmetternd.

Die etwa vier Zentimeter dicke Betonschicht hatte Risse bekommen, in die Regen eindringt, der bei Frost die Mauerkrone Stück für Stück absprengt. Dort müsse dringend etwas geschehen, sagt auch OIiver Schürmann. Es sei jetzt erst einmal gelungen, den Bewuchs, darunter auch eine stattliche Fichte, zu entfernen, „das wächst aber nach mit der Zeit“, sagte Wonka.

Dass sich in der Mauer so viel Grünzeug hält, ist nicht verwunderlich. „Dort oben gibt es sogar viel fruchtbaren Humus“, erzählt Rainer Opp, nachdem er sich, fast wie bei den „Bergrettern“ im Fernsehen, im Inneren des Turms nach getaner Arbeit abgeseilt hatte. Klar: Erst bildet sich Moos, das, wird es nicht beseitigt, verrottet, zu Humus wird und so zum Nährboden für neues Moos und andere Gewächse wird.

Dauerhaft sichern

Das Alpinisten-Quartett hat zwar einen großen Teil der Erde ausgekehrt und in der Steilwand Unkraut gejätet. Für eine ganze Weile dürfte jetzt auch Ruhe sein. Dennoch wird man sich ein Konzept überlegen müssen, wie die Ruine dauerhaft gesichert werden kann. Im Gespräch ist eine mit dem Denkmalschutz abgestimmte Versiegelung der Mauerkrone. Nachgedacht wird aber auch über ein Glasdach, ähnlich dem, das den Bergfried von Burg Reifenberg schützt, aber auch sündhaft viel Geld gekostet hat.

Auch interessant

Kommentare