Im Februar vor 25 Jahren begannen in Wehrheim die Arbeiten

Modernisierung der Taunusbahn: Startschuss für den Ausbau 1.0

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Die bevorstehende Elektrifizierung der Taunusbahn und der Start des S-Bahnverkehrs sind Meilensteine in der Geschichte des Eisenbahnverkehrs im Usinger Land. Bis es überhaupt so weit kommen konnte, mussten ganz andere Weichen gestellt werden.

„Geisterzüge und Bimmelbahn-Romantik“ titelte Jürgen Leindecker im Sommer 1981 seinen Artikel über „die Realität des Eisenbahnverkehrs im Hintertaunus“. Der damalige TZ-Mitarbeiter schilderte darin die Kreuzung zweier Züge im Wehrheimer Bahnhof. Tatsächlich erinnerte diese Momentaufnahme an den Showdown eines Westerns am Bahnhof eines gottverlassenen Kaffs. Doch dazu später. „Abschied von der Bahn“ titelte die Taunus Zeitung mit einem Artikel Leindeckers in der Ausgabe vom 3. September 1983.

Leindecker stellt darin die Ergebnisse des von der Hessischen Landentwicklungs- und Treuhand-Gesellschaft in Auftrag gegebenen Gutachtens vor, in dem der Deutschen Bundesbahn aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Einstellung des Schienenverkehrs im gesamten Hintertaunus nahegelegt wird.

Doch dann passierte Erstaunliches. Der Hochtaunuskreis kaufte den Gleiskörper samt Bahnhofsanlagen von der DB. Statt Stilllegung der Schienenstränge wurde die Eisenbahn revitalisiert. Der Landkreis schickte sich an, durch den neu gegründeten Verkehrsverband Hochtaunus erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Züge in eigener Regie auf die Reise zu schicken.

Im Februar 1992, also vor genau 25 Jahren, ging es los. Der Umbau des Bahnhofes Wehrheim markierte den Beginn des Streckenausbaus und der Modernisierung der Haltestellen zwischen Friedrichsdorf und Grävenwiesbach. Wie es seinerzeit entlang der Schienen aussah, vermittelt Leindecker in seinem Artikel „Geisterzüge und Bimmelbahn-Romantik“ bildhaft:

„Eine Stimmung wie in High Noon liegt in der Luft. Knisternde Spannung rund um den Bahnhof Wehrheim. Gleich soll er einlaufen, der Eisenbahnzug, mit dem Billy the Kid oder John Wayne ankommen könnten. Es ist ein Zug, auf den niemand wartet und mit dem niemand fahren will. Einzig spannend ist die Frage, wie viele Passagiere aussteigen werden. Es ist genau 14.16 Uhr und der Bahnhof Wehrheim erlebt einen seiner betrieblichen Höhepunkte, denn es sind gleich zwei Züge angemeldet. Von Grävenwiesbach soll ein Personenzug kommen, aus Friedrichsdorf ein Schienenbus.

Langsam schleicht die rote Lokomotive mit fünf grünen Wagen den Hang aus Anspach kommend herab. Einmal wird noch getutet, und dann kreischen auch schon die Bremsen. Der Zug kommt noch halb auf dem Felde zu stehen. Anders kann man den Bahnhof nicht beschreiben.

Da, endlich: Der Zug steht schon eine halbe Minute, da öffnet sich die Tür ganz hinten. Ein Schaffner quält sich von der hohen Trittstufe aus dem Wagen preußischer Staatsbahnzeit herunter auf den sogenannten Bahnsteig, eine kaum 20 Zentimeter hohe Schüttung aus Splitt und Schlacke.

Kein anderer Mensch sitzt in dem Nahverkehrszug 8791 von Grävenwiesbach nach Friedrichsdorf. 14.20 Uhr. Der Lokführer schaltet den Motor ab. Ein kurzer Plausch von Schaffner, Lokführer und dem Wehrheimer Fahrdienstleiter. Dann endlich fährt der Gegenzug, ein weinroter Triebwagen aus Friedrichsdorf, ein.

Maximal zwei Dutzend Reisende sitzen im Zug und das in Wehrheim. Jetzt steigen sogar drei Fahrgäste aus. Nachdem der Schienenbus weiter gefahren ist, lässt auch der Lokführer des wartenden Zuges den Motor wieder an und setzt sich bei Grün des Signals mit einem Pfiff wieder in Bewegung.“

Das Telefon des Fahrdienstleiters klingelt noch ein paar Mal. Und dann ist wieder für die nächsten 40 Minuten Ruhe.

Zum Glück kommt ein Wehrheimer, der geschlagene 20 Minuten den Fahrdienstleiter mit einer Fahrplanauskunft beschäftigt. Dann wird das Warten bis 15 Uhr zur Ewigkeit – dann fährt der nächste Zug nach Wetzlar ein.“

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