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Musik mit Hingabe und Empathie

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Sonja Pannekoike (hinten Zweite von rechts) ist stolz auf ihre Musikschülerinnen und -schüler, die das Benefizkonzert gestaltet haben. FOTO: SCHMAH-ALBERT © Ingrid Schmah-Albert

Usingen-Merzhausen (sai). Es zeugt von Empathie und klarer politischer Haltung: Fünf junge Nachwuchsmusiker richteten am Sonntagabend das zweite Benefizkonzert zugunsten der Ukrainehilfe des Vereins »Fortuna hilft Mensch und Tier e.V.« aus. Für ihn sei das Benefizkonzert ein wichtiger Moment, betonte Max (19 Jahre) und formulierte mit Nachdruck den Appell an Europa, stärker zusammenzustehen.

Ähnlich äußerte sich die ebenfalls 19-jährige Katharina. Sie hatte sich nach Bachs bekanntestem Präludium aus dem »Wohltemperierten Klavier« auch ein etwas lebhafteres Stück aus dem Film »Ziemlich beste Freunde« ausgesucht, um zu zeigen, dass man mit Humor auch durch schwierige Zeiten besser kommen kann, wie sie in ihrer Anmoderation betonte.

Auch die erst 15-jährige Lisa verband ihren musikalischen Beitrag sehr explizit mit dem, was aktuell in der Ukraine passiert und was es für die Menschen bedeutet, die vom Krieg betroffen sind, alles verloren haben, auf der Flucht sind und Angst um ihre Familien und ihre Heimat haben. »Ich bin berührt von den Schicksalen der Menschen und ich freue mich, dass ich heute und hier mein Talent für etwas Gutes einsetzen kann«, sagte sie.

Dass sie über außergewöhnliches musikalisches Talent verfügt, bewies sie mit den sehr anspruchsvollen Stücken, die sie sich für das Konzert ausgesucht hatte. Erstaunlich, wie ausdrucksstark und gleichzeitig leichthändig die noch sehr junge Dame die temporeichen Passagen mit schnellen und schwierigen Tonfolgen von Ludovico Einaudis »Experience« souverän interpretierte. Auch bei »Monday«, ebenfalls von Einaudi, nutzte sie die Freiheiten für einen persönlichen Stil und Eigeninterpretationen, die der bekannte Komponist dem Interpreten seines Stückes lässt, sodass die Gefühlswelt des von Musiklehrerin Sonja Pannekoike ins Leben gerufenen »Klangzyklus« eindrucksvoll fortgeführt wurde.

Nach neun Monaten an Mozart gewagt

Aber nicht nur Lisa beeindruckte das Publikum. Schon die beiden Jüngsten, die das Konzert eröffneten, ließen Talent und Musikalität erkennen. »Sie kommen aus einer sehr musikalischen Familie und spielen neben dem Klavier auch noch weitere Instrumente, wie etwa Gitarre«, kündigte Pannekoike Tobias (13) und seinen jüngeren Bruder Benjamin (11) an.

Beiden war zwar die Aufregung, zum ersten Mal vor einem Publikum bei einem öffentlichen Konzert zu spielen, anzumerken, aber die kleinen Unsicherheiten waren sofort wieder vergessen. Was zählte, war neben dem Mut für diesen Auftritt auch der Mut, sich an schwierige Stücke unter anderem von Mozart zu trauen. Vor allem wenn man bedenkt, dass Tobias erst seit rund neun Monaten Klavierunterricht nimmt, ist es sensationell, was die Kinder dem Publikum präsentierten. Da war der Applaus mehr als eine Höflichkeit, sondern ehrliche Anerkennung.

Das galt auch für Max, der seine Eigenkompositionen präsentierte. Vor etwa drei Jahren habe er begonnen, selbst zu komponieren und seine Gefühle und Erlebnisse in diese Stücke zu transportieren. Dass er sich offensichtlich auch über »Größeres« Gedanken macht, zeigte sich unter anderem bei seinem Stück »Time runs«. Im Stil stark an klassische Musik angelehnt, war es teils »schwere Kost« mit überaus dynamischen, dramatischen Passagen, die oft düster, am Ende aber wieder versöhnlich klangen. So war es ein außergewöhnliches Konzert, das in der Merzhausener Kirche geboten wurde.

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