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Krönender Abschluss und Festival-Highlight ist "Jaya the Cat"-Frontmann Geoff Lagadec mit einer Mischung aus Reggae, Ska und Punk. 

Zwei starke Abende

Musikfest unter Sternen

Das waren zwei Festivalabende, die in der Ziegelei-Geschichte ihresgleichen suchen: Ein Woodstock-Revival mit Janis-Joplin- und Jimi-Hendrix-Interpreten sowie Reggae-Punk von "Jaya the Cat" waren die Highlights.

Ein Super-Freitag und ein ganz starker Samstagabend. Das Ziegelei Open Air 2109 war ein Musikfest unter Sternen mit Vollmond-Romantik und so gut besucht wie seit der Premiere vor sieben Jahren nicht.

Der Start stand dabei unter dem Stern von Woodstock, was sich am Alter der Besucher zeigte: Die Generation Woodstock+ dominierte, und einige, wenn auch nicht so viele wie gewünscht, waren auch im Hippie-Pelz der Siebziger oder in anderen authentischen Klamotten gekommen. Das Peace-Zeichen klimperte an einigen Hälsen, und andere kamen in einer offensichtlich nie aus der Mode kommenden Festival-Garderobe, also in Flatterhosen, buntem Strickwerk und einem schrägen Hut mit etwas dran.

Verjüngungskur

Das Freitagsprogramm verpasste dem Festival eine Verjüngungskur, und ein Refugium für die U-Woodstock-Generation bot die Elektrohöhle, in welche die Älteren allenfalls mal den Kopf hineinstreckten.

Wie gesagt, das Programm hatte Einfluss aufs Publikum und vor allem das auf der Hauptbühne. "Supernatural" legte dort mit "Santana" und seinem unverkennbaren Latin-Rock vor und taute das Publikum rasch für die zwei weiteren Haupt-Acts auf. Zwischendurch wechselten die Non-Stop-Musikhörer zur Nebenbühne, auf der harte Beats von den "Echolons)))" oder Crosby-Sound von "Fooks Nihil" ebenfalls gut ankamen.

Nach dem ersten Umbau zogen die Woodstock-People wieder zur Hauptbühne, und das brauchten sie wahrlich nicht zu bereuen. "Kozmic Blue" waren dort als nächste dran und legten mächtig nach. Sängerin Maggie Mackenthun gab alles, um die Fans einzulullen, ließ sie mit den Bluesballaden der unvergesslichen Janis Joplin schmelzen oder brachte sie mit ihrem Bluesrock auf Touren, beides vereint im "Me and Bobby McGee". Sie traf den Nerv des Publikums und das kratzige Timbre der Woodstock-Heldin.

Zu den Woodstock-Helden zählt unbestreitbar auch Jimi Hendrix, und den brachte ebenso authentisch Randy Hansen auf die Bühne. Gefühlt fehlte im Repertoire der Band keine der Hendrix-Mega-Nummern von "Foxy Lady" bis zum Bob-Dylan-Stück "All Along the Watchtower". Oder doch? "Purple Haze all around, don't know if I'm coming up or down" - Hansen machte es spannend und hob sich das ultimative "Purple Haze" und die Hymne für die Zugaben auf.

Wieder aufgetaut

Starke Bands waren auch am Samstagabend auf beiden Bühnen zu hören, so das "Absinto Orkestra", von dem viele meinten, dass es auf die Hauptbühne gehört hätte, denn sein temperamentvoller Balkan-Beat ließ absolut keinen vor der Rampe ruhig stehen, sowie die wieder aufgetauten "U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern", die A-cappella-Spaß ins Programm brachten.

Auf der Hauptbühne ging es zunächst erneut mit Tribute-Power weiter: "Get the Party Startet", Vanessa Henning schlüpfte in die Rolle und das Outfit von Pink alias Alecia Beth Moore, und die Party ließ sich auch die Post-Woodstock-Generation nicht entgehen. Die Rock-Pop-Ikone versorgte ihre Fans durch das Medium Vanessa Henning und ihrer Band "It's all Pink" mit allen Hits einer der erfolgreichsten US-Sängerinnen der Gegenwart.

Das Huldigen der Rock- und Po-Größen ist das eine, eigene Songs am Limit zu spielen, das andere. Genau das aber tat die Gruppe "Jaya the Cat" mit ihrem schrillen Frontmann Geoff Lagadec. Die Texte der Songs sind zwar nichts für sensible Ohren, aber der Punk mit karibischem Einschlag, den die vollbärtigen Männer entfachten, versetzte nicht wenige in einen Tanzrausch. Für viele, die bis zur späten Stunde ausgeharrt hatten, war es der Höhepunkt der beiden Veranstaltungsabende.

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