Harald Seel hat sein Büro bereits geräumt, denn ab heute ist er im Ruhestand.
+
Harald Seel hat sein Büro bereits geräumt, denn ab heute ist er im Ruhestand.

Usinger Wohnungsbau verliert Harald Seel

Nach 15 Jahren schaltet der Verwaltungsoberrat nun in den Ruhestand-Modus

  • vonTatjana Seibt
    schließen

Große Umbrüche bestens bewältigt - aber auf den Nachfolger Karsten Valentin warten große Aufgaben

Eine große Abschiedsfeier gibt es nicht. Lediglich die Belegschaft wird Harald Seel, Geschäftsführer der Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH Hochtaunuskreis leise Servus sagen. Nach 15 Jahren geht der 64 nun in den Ruhestand. "Ich hatte Zeit genug mich darauf vorzubereiten, dadurch, dass mein Nachfolger schon zum 1. Oktober im vergangenen Jahr anfing", sagt Seel.

Er hat vor 15 Jahren selbst "eine tolle Mannschaft" vorgefunden, die ihm den Ein- und Umstieg erleichtert haben. Doch ein kleines bisschen Wehmut steht ihm schon ins Gesicht geschrieben, wenn er über den letzten Tag spricht. Die Verabschiedungsurkunde, mit der er offiziell in den Ruhestand geschickt wird, hat der Verwaltungsoberrat bereits von Landrat Ulrich Krebs und dem Ersten Beigeordneten Thorsten Schorr (beide CDU) übersandt bekommen. Ab dem 1. Mai ist Harald, den die Usinger nur als Bobby Seel kennen, dann im Ruhestand.

Die Zeit wolle er nutzen, "um mit meinem Cousin Roland", gemeint ist Grävenwiesbachs Bürgermeister Roland Seel (CDU), "Golf spielen zu gehen." Aber auch auf dem E-Bike werde man ihn dann künftig häufiger finden, schließlich gebe es noch einige Ziele in dieser Region, die er bislang noch nicht besucht hat.

Bobby Seel, wie ihn seine Freunde nennen, ist ein echter Usinger Bub. Er besuchte Grundschule und Realschule in Usingen und machte dann auf der Feldbergschule in Oberursel sein Wirtschaftsabitur. Nach dieser recht geraden Linie begann er im Vollzugs- und Verwaltungsdienst des Landes Hessen. "Dann stand zur Diskussion, in das damalige neu gebaute Gefängnis nach Weiterstadt versetzt zu werden", erinnert er sich.

Doch die langen Wege waren ihm einfach für die tägliche Fahrt zu weit. Also wechselte er über ehemalige Kollegen zur evangelischen Kirche. Den Beamtenstatus hat er behalten, auch als er am 1. März 2006 seinen Dienst als hauptamtlicher Geschäftsführung bei der Gemeinnützigen Wohnungsbau angefangen hat. Für Seel ein Glücksgriff, da er in seiner Heimat leben und arbeiten konnte.

400 Kandidaten auf der Warteliste

Oberster Dienstherr im Aufsichtsrat ist der Landrat, ebenfalls dort vertreten sind die Bürgermeister des Hochtaunuskreises.

Als Bobby anfing, da hatte die Gesellschaft 450 Wohnungen in ihrem Eigentum, heute sind es 650. Wenn die geplanten Projekte wie zum Beispiel der Neubau in der Hattsteiner Allee mit bezahlbarem Wohnraum realisiert sind und die Urseler Straße in Bad Homburg fertiggestellt wurde, "dann sind es weit über 700 Wohnungen." Eigentum verpflichtet, das gilt auch für die kommunale Gesellschaft. Eine der ersten Amtshandlungen von Seel war die Sanierung der Heinrich-Müller-Siedlung, die die Wohnungsbau-Gesellschaft damals erst gekauft hatte. Nach dieser Zeit könne sein Nachfolger schon fast mit einem weiteren Schritt, der energetischen Sanierung beginnen. Von den 650 Wohnungen im Bestand unterliegen lediglich noch 50 Wohnungen einer Mietpreisbindung, sprich, das sind die Wohnungen deren Mietobergrenze gedeckelt ist und in denen Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein leben. Angesichts der Wartenden etwa 400 Kandidaten auf der Liste selbstverständlich viel zu wenig.

Die Schere geht weit auseinander

"Aber mit den Jahren ist die Schere weit auseinander gegangen." Das sei den stetig wachsenden Bau- und Grundstückspreisen geschuldet. Und auch der vielzitierte "bezahlbare Wohnraum" sei zunächst nur eine politische Floskel, "denn damit ist noch gar nicht gesagt, ob die Kriterien Einkommensverhältnisse oder Preise der Region sind", sagt Seel. "Sozialer Wohnungsbau ohne staatliche Förderung ist gar nicht zu realisieren", ist Seel überzeugt. Dafür seien die Baupreise förmlich explodiert. Probleme, die Seels Nachfolger Karsten Valentin lösen muss. Mit den Bürgermeistern, die im Aufsichtsrat sitzen, ist Seel gut klar gekommen, schwieriger sei es da gewesen, alle unter einen Hut zu bekommen. Verständnis für die Kunden habe er gehabt, aber nicht immer alle Wünsche erfüllen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare