Einfach herrlich: Der Blick aus der Ballon-Perspektive über Eschbach, Usingen und Neu-Anspach hin zum Taunus-Hauptkamm mit dem Großen Feldberg (hinten rechts).
+
Einfach herrlich: Der Blick aus der Ballon-Perspektive über Eschbach, Usingen und Neu-Anspach hin zum Taunus-Hauptkamm mit dem Großen Feldberg (hinten rechts).

Die Buchfinkenroute im Usinger Land ist was für Geübte - oder E-Bikes

Nach der harten Tortur kommt die rasante Abfahrt

  • VonMatthias Pieren
    schließen

Rundreise ist die einzige ausgeschilderte Rad-Rundfahrt im Altkreis

Pfeilschnelle Sprinter, die mit ultraleichten Radrennmaschinen bei den umjubelten Zielankünften der Tour de France Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreichen, die sind auf den Radwegen im Usinger Land nicht gefragt. Ebenso wenig grandiose Kletterer, die per Pedale und Muskelkraft Alpenpässe hinauf zu Bergwertungen auf 2500 Metern Höhe erklimmen.

Und doch ist die Buchfinkenroute rund um Usingen so etwas, wie die am Sonntag in Paris zu Ende gegangene Tour de France im Miniaturformat - auch, wenn es am Ende des 35 Kilometer langen perfekt ausgeschilderten Rundkurses keinen Gesamtsieger gibt, der sich wie bei der legendären Rad-Rundfahrt in Frankreich als Triumphator ein Gelbes Trikot über die Schultern ziehen darf.

Die Buchfinkenroute bietet als einziger, durchgehend mit einem eigenen Logo beschilderter Rundkurs im Usinger Land alles was das Herz eines so genannten "Randonneurs" begehrt. Darunter verstehen die Franzosen die unter Radfahrern gängige Bezeichnung für einen Langstrecken-Radfahrer, der große Distanzen in zumeist sportlichem Tempo, mit nur wenigen Pausen, möglichst autark zurücklegt.

Die Eckdaten der unter www.radroutenplaner.hessen.de (Suchwort Buchfinkenroute) im Internet beschriene Rundtour sind - für hiesige Verhältnisse - beeindruckend: 35 Kilometer mit einer Steigung von 590 Höhenmeter auf der Gesamtdistanz. Schweißtreibend sind diese als Anstieg zu bewältigen, und sie garantieren zugleich bei den berauschenden Abfahrten grandiose und beglückende Momente.

Start und Ziel ist die Buchfinken-Stadt Usingen auf 260 Meter. Radausflügler können freilich an jedem anderen Punkt des Rundkurses einsteigen. Nach dem Start wird man über den Ortsrand von Westerfeld hinauf zur Deponie Brandholz geführt. Am Waldrand radelt man - mit herrlichem Ausblick auf Anspach und die Feldbergtürme am Horizont - bis zum Grünwiesenweiher.

Topographie ist anspruchsvoll

Von nun an sind sogenannte Steherqualitäten gefordert, was im Usinger Land wegen der Topografie eigentlich selbstredend ist. Eben jene Randonneure, die nicht nur in einem Flusstal oder in der Ebene unterwegs sind, müssen von nun an einiges aushalten und hart im Nehmen sein. Nichts für Warmduscher eben.

Wer auf dieser Tour seine Leidensfähigkeit nicht unter Beweis stellen möchte, dem sei freilich ein legales Doping namens E-Bike empfohlen. Mit der unterstützenden Kraft des E-Antriebes sind die nun folgenden Steigungen in Richtung Merzhausen und weiter entlang der Erdfunkstelle nach Wilhelmsdorf spielend zu meistern.

Im Wald, irgendwo zwischen Wilhelmsdorf und Michelbach, ist bereits nach 15 Kilometern der höchste Punkt (430 Meter) und damit die Bergwertung der ersten Kategorie erreicht. Wer möchte und in der Lage ist, dem sei von hier aus noch ein Abstecher zum höchsten Punkt auf Usinger Gemarkung (501 Meter) ans Herz gelegt, der im Wald-Dreieck zwischen Michelbach, Bodenrod und Grävenwiesbach liegt.

14 Prozent Steigung bis zum Schloss Kransberg

Die Buchfinkenroute hält für die zurückliegende Tortur nun aber als Belohnung eine Abfahrt über die Eschbacher Klippen und Eschbach, weiter nach Wernborn und hinab ins Usatal parat. Da dieser Rundkurs aber wie versprochen der Königsetappe bei der Tour de France im Mini-Format gleichkommt, ist nun aber eine Bergwertung der Hors Catégorie" (HC), also der außergewöhnlichen Kategorie im Routen-Profil vorgesehen.

Vom Usatal aus, dem tiefsten Punkt der Tour auf 220 Meter, muss man nun erst einmal moderat durch das Wiesbachtal bis Kransberg (260 Meter) in die Pedale treten. Der dann folgende knackige Anstieg hat es in sich. Wer die nun folgende zwei Kilometer lange Steigung über das Kransbergerer Schloss durch den Wald bis hinauf zur Querung der Kreisstraße zwischen Usingen und Pfaffenwiesbach (beim Jungholz auf 388 Meter) meistert, dem gebührt ohne wenn und aber das rot gepunktete Trikot des besten Kletterers: Hier muss eine Durchschnittssteigung von sechs Prozent gemeistert werden und eine maximale Steigung von 14 Prozent am Schlossberg.

Der abschließende Tour-Abschnitt zur Schlink durchs Offenthal zum Oberloh gehört wegen der weiten Ausblicke übers Wehrheimer Becken hin zum Taunushauptkamm zu den reizvollsten Passagen. Später dann, nach rauschender Abfahrt im Wald hinab bis Usingen, weist ab dem Waldrand die evangelische Laurentiuskirche als stattliches Wahrzeichen der Stadt den Weg ins Ziel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare