Usinger CWS muss Klassen neu aufteilen

Nach Vorgabe vom Kultusministerium hagelt es Kritik von Eltern

  • vonAndreas Burger
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Gymnasium muss fünfte und sechste Klassen teilen und neu mischen

Schulen stehen derzeit generell unter mächtig Dampf. Eine Verordnung aus dem Kultusministerium jagt die nächste, der Lehrauftrag muss erfüllt werden, Präsenz- und Heimunterricht belasten Lehrer und Schüler - und nun kommt es in der Christian-Wirth-Schule in Usingen auch noch zu einem Dampf-Ablassen der Eltern. Ursache für nicht immer zitierfähige Reaktionen gegenüber der Schulleitung ist eine neue Verordnung, nach der Klassen der fünften und sechsten Stufe im Präsenzunterricht deutlich zu verkleinern sind.

Sprich: Die Hälfte muss am heimischen Schreibtisch lernen, die andere Hälfte sitzt in der Klasse - in der folgenden Woche wird gewechselt.

Planungssicherheit ist nötig

Klar, die Pandemie ist schuld, damit die Kinder der betroffenen Klassen nun auch 1,50 Meter Abstand halten können in den Räumen. Schulleiter Hans-Konrad Sohn und seine Vize Tina Gottschalk haben die Verordnung am Donnerstag vergangene Woche erhalten, die ab letztem Montag galt. Also mussten schnell Klassen eingeteilt werden, und das zügig, denn die Eltern der zu Hause unterrichteten Schüler benötigen schließlich Planungssicherheit, auch um sich beim Arbeitgeber wegen der Betreuung des Nachwuchses entsprechend abzusichern.

Da es aber auch noch diffizile Planungen für Religion oder Ethik oder die zweite Fremdsprache gibt, mussten Klassenverbände aufgerissen und neu aufgeteilt werden. Sonst wären in manchen Klassen nur 8 Schüler, in anderen 20 Schüler anwesend, was natürlich nicht sein darf.

Etwa 20 Prozent der betroffenen Eltern aber laufen nun Sturm, wie Sohn schätzt. Denn die Einteilung der Klassen konnte nicht immer nach den Wünschen und Vorstellungen der Eltern vorgenommen werden. "Wir haben schon versucht, bei Zwillingen eine gleiche Regelung der Unterrichtsform hinzubekommen oder bei Kindern, die zu Hause mit Personen der Risikogruppe leben und deshalb keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Um die Fahrgemeinschaften nicht zu zerreißen, haben wir auch hier entsprechend eingeteilt", sagt Sohn.

Nur: Auf Freundschaften oder Fahrgemeinschaften ohne gesundheitlichen Hintergrund konnte keine Rücksicht genommen werden. Auch nicht auf Wohnorte. Sohn: "Die Busse fahren alle in normalem Takt, das war für uns also kein Kriterium. Wir müssen einen guten inhaltlichen Unterricht garantieren."

"Einsprüche abgebügelt"

Eltern kritisieren nun vehement, dass sie nicht gehört worden sind, Einsprüche abgebügelt wurden. Zudem nutze die Schule nun ein Computerprogramm aus Marburg, dem keine persönlichen Aspekte hinzugefügt werden könnten. Und zudem seien schon jetzt viele Schüler psychisch belastet, da müsse ein solches Zerreißen von Klassenverbänden nicht auch noch sein. "Nachbarn, Freunde und Familien werden hier absichtlich und ohne Grund und mit Sicherheit ohne Wissen des Kultusministeriums auseinandergerissen", heißt es in einem Brief.

Sohn kennt die Kritik. "Wir haben dafür zu sorgen, dass der neue Wechselunterricht in den Klassen auch die Ziele des Lehrplans erfüllen kann. Glücklich ist doch niemand mit der Situation, aber wir denken, dass es zumutbar ist, dass für diese Zeit nun auch mal Freunde nicht in einem Verbund sind oder Kinder aus einem Ort nicht gleichzeitig unterrichtet werden." Es sei völlig unmöglich, auf alle individuellen Wünsche einzugehen. Er schloss nicht aus, dass es noch Nachbesserungen geben könne, aber die Situation sei auch ohne die Proteste schon schwierig genug.

Auch für die Lehrer, die nun neben dem Präsenzunterricht auch noch die Heimbetreuung via Netz übernehmen. Meist gibt es Aufgaben für die Schul-abstinente Woche, aber auch Live-Chats. "Auch das mussten wir nun neu planen, denn Lehrer sind ja in den Präsenz-Unterricht eingebunden, die Kontakte zu den anderen Schülern müssen dann meist nachmittags organisiert werden." Andreas Burger

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