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Die illegalen Müllkippen und die Abfallmengen an sich haben mit der Corona-Krise deutlich zugenommen. Die Kommunen werden der Flut kaum noch Herr. Vor allem am Feldberggebiet müssen Forst und Naturpark-Verwaltung Tonnen an Müll abfahren.

Der Taunus wird zugemüllt

Naturpark sucht Lösung für das Probleme

  • vonAndreas Burger
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Mit der Pandemie ab März hat sich die Lage im Taunus extrem verschärft, denn die illegalen Müllkippen halten Kommunen, Forst und die Naturpark-Verwaltung in Atem.Mit der Corona-Krise im März gab's auch gleich eine weiteres Dilemma: Der ganze Taunus wird seit März zugemüllt. Vom Ölfass über Hausmüll bis zu Schrott finden sich in der Natur. Und eine Abhilfe ist nicht in Sicht. Wir berichten in loser Folge über die Lage im Altkreis und in den einzelnen Kommunen. Heute schauen wir auf den Naturpark Taunus.

Man merkt Carolin Pfaff schnell an, wie sehr das Thema den Naturpark nervt. Die Sprecherin, die seit Anfang 2020 beim Naturpark arbeitet, hat sozusagen das ganze Drama seit März richtig mitbekommen. Denn nachdem die Mülldeponie im März dicht machte, war plötzlich der gesamte Taunus-Park zur Mülldeponie verkommen.

Zuständig ist der Naturpark mit seinen derzeit sechs Außendienstmitarbeitern eigentlich nur für die Parkplätze und Zufahrten dazu. Aber jeder Müllberg wird auch außerhalb der Zuständigkeit als Meldung an die entsprechende Stelle weiter geleitet - etwa an den Forst oder die betroffene Kommune.

Alleine an den Parkplätzen muss das Team pro Woche eine Tonne Müll einsammeln, die aufwendig und teuer entsorgt werden muss. Inzwischen sind die Mitarbeiter drei mal in der Woche alleine für den illegalen Müll im Einsatz. Zeit, die die Angestellten durchaus sinnvoller verwenden könnten.

"Vor allem von März bis Ende Mai war die Lage krass. Große Müllablagerungen waren überall zu finden. Von Bauresten über Hausmüll, Autoteile - vor allem Reifen - Farbreste und anderer Sondermüll haben uns da richtig beschäftigt", sagt Pfaff. Selbst halbe Hausstände waren zu finden, teils sogar absichtlich angezündet.

Die Müll-Hotspots sind vor allem bis heute der Feldberg, die Eschbacher Klippen und die Grillplätze des Naturparks. "Überall, wo es etwas abgelegener wird, landet der Müll", betont die Sprecherin.

Grund sei natürlich zum einen die wochenlange Schließung der Deponie Brandholz. "Aber natürlich hat auch eine Rolle gespielt, dass eine große Anzahl an Bürgern durch die Pandemie entweder arbeitslos waren oder auf Kurzarbeit. So hat der Besucherstrom im Taunus deutlich zugenommen, was sich dann auch an den Müllmengen zeigte", resümiert Pfaff.

Weder der Naturpark als Organisation noch die Forstämter haben spezielle Mülleingreiftruppen. Was bedeutet: Die normale Arbeit bleibt liegen, nur um Umweltschweinen hinterher zu räumen. Eine Lösung ist nicht in Sicht, außer drastischen Maßnahmen. "Wir haben einen Grillplatz bei Eppstein dicht gemacht. Nachdem dort der Müll überhand genommen hatte und alle Warnungen per Schilder nichts halfen, mussten wir die Zufahrten mit Baumstämmen sperren. Seitdem ist dort Ruhe", sagt Pfaff. Damit haben natürlich auch alle Bürger, die der Natur nicht schaden, ebenfalls keinen Zugang mehr. "Wir hatten natürlich Anfragen für Grillfeste, aber die meisten hatten Verständnis für den Schritt."

Der Naturpark hatte auch mit den Ordnungsämtern gesprochen und mit der Polizei und um erhöhte Streifen gebeten. Was auch stattfand. Nur: Die Täter kommen nachts, und natürlich kann man nicht den gesamten Naturpark ständig im Auge behalten.

Deshalb bittet Pfaff auch die Bürger um Mithilfe, um die Lage in den Griff zu bekommen. Wer eine verdächtige Beobachtung macht, sollte die Polizei sofort informieren. Denn nun auf frischer Tat ertappt, kann man die Müllsünder auch bestrafen. Andreas Burger

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