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Die neue Chorleiterin des Kirchenchores in Merzhausen, Sonja Pannekoike, spielt am kommenden Sonntag Klavier im Gottesdienst.

Kirche in Merzhausen zeigt viel Fantasie bei Gottesdiensten

Neue Chorleiterin beweist sich als Pianistin

  • vonTatjana Seibt
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Statt 250 dürfen nur 29 Gläubige in die Kirche - Pfarrer will per Lautsprecher Übertragung sichern

Gottesdienste dürfen zwar noch stattfinden, auch an Weihnachten. Doch sie sind anders als sonst. Die Besucher müssen sich anmelden, was eigentlich ein Widerspruch zum Prinzip des offenen Hauses ist. Doch die Erfahrungen zeigen, dass das in den Kirchorten im Grunde ganz gut funktioniert. Dass die Menschen im Gottesdienst zu Ehren Gottes aber nicht singen dürfen, ist sicherlich ein weiterer Einschnitt.

Um so erfreulicher ist es da, dass die Menschen am kommenden Sonntag, 13. Dezember, in der evangelischen Kirche in Merzhausen nicht auf Musik verzichten müssen.

Die Pianistin und Gesangslehrerin Sonja Pannekoike aus Pfaffenwiesbach ist zu Gast in der Kirche und wird den Gottesdienst musikalisch begleiten. Die Verbindung zwischen den beiden Orten ergibt sich aus der Tatsache, dass Pannekoike zu Beginn des Jahres die Stelle der Kirchenchorleiterin übernommen hat. "Da gab es drei Chorstunden und dann durften wir auf Grund von Corona nicht mehr singen", bedauert Pannekoike die Entwicklung.

Musikunterricht per Telefon

Auch der evangelische Pfarrer Thomas Hessel, der selbst zu den Sängern des Kirchenchores gehört und am kommenden Sonntag die Andacht hält, ist enttäuscht, gehört doch die stimmliche Lobpreisung und der Gesang zum Gottesdienst dazu. Um so erfreulicher sei es da, dass man mit der Chorleiterin und Pianistin eine erfahrene und renommierte Musikerin gefunden habe, die nun ihrerseits versucht, die Gemeinde auch weiterhin mit ihrem Spiel an die Kirche zu binden. Dazu hat sie verschiedene Komponisten der Romantik ausgesucht. Sie probt nun selbst wieder viele Stunden am Tag, sofern sie keinen Unterricht gibt.

Den hat Pannekoike übrigens vom Internet ans Telefon verlegt, "weil die Übertragung dabei direkter und schneller ist als bei einer Videoschaltung", begründet sie den ungewöhnlichen Schritt. Doch das funktioniere ganz gut und so könne auch der Gesangsunterricht für diejenigen, die sich darauf einlassen wollen weiterhin stattfinden.

Sänger müssen sich hören können

Für die klassische Chormusik "kann man das allerdings nicht machen", sagt Pannekoike. Denn die Laienchöre seien sehr darauf angewiesen, dass sie sich und ihren Mitsänger hören. Das wiederum sei mit einer Telefonkonferenz einfach nicht zu machen. Die neue Chorleiterin und der Pfarrer machen sich große Sorgen, ob diejenigen, die mit ihrer Stimme das kleinste Musikinstrument der Welt nutzen, auch nach Corona noch Lust haben zu singen. "Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa Mitte 60", sagt Pfarrer Thomas Hessel. Da sei es fraglich, ob es nach Corona noch einen Chor geben werde. Derzeit könne niemand sicher sagen wann denn überhaupt wieder mit einer Singstunde zu rechnen sei.

Pannekoike ist da etwas optimistischer. Sie rechnet damit, die Menschen auch nach Corona wieder motivieren zu können, zumal die Wiesbachlerchen, die sie ebenfalls leitet, auch gerne in Merzhausen singen.

29 statt 250 Personen

Am kommenden Sonntag muss es erst noch ohne Gesang gehen, dafür aber mit Anmeldung. Die Kirche hat zwar etwa 250 Sitzplätze, um den Mindestabstand einzuhalten, dürfen aber gerade einmal 29 Personen kommen. Folglich wird's ein kleiner, exklusiver musikalischer Gottesdienst. "Sollten sich doch mehr als die 29 Personen anmelden, dann überlegen wir schon auch Lautsprecher nach draußen zu stellen, damit die Menschen auch mit Abstand vor der Tür lauschen können und nicht dicht gedrängt stehen müssen", stellt der Pfarrer in Aussicht. Auch wenn Gottesdienste dieser Tage gerne in Frage gestellt werden, die persönlichen Begegnungen seien für die Menschen nach wie vor existenziell. Das offene Ohr, der Zuspruch und die persönliche Ansprache seien gerade für die Menschen ohne Familie leben sehr wichtig. In den Wintermonaten ist der Gottesdienst Teil der seelsorgerischen Arbeit, schildert der Pfarrer. Denn es ist die Zeit, wo nur wenige Menschen auf der Straße unterwegs sind und die Arbeit im Garten, bei der doch der ein oder andere Zaungast stehen bleibt und die Menschen miteinander reden, getan ist.

Wer sich also von dem Miteinander und klassischer Musik am kommenden Sonntag von 10.30Uhr an begeistern lassen möchte, der sollte sich bei Pfarrer Thomas Hessel telefonisch unter Telefon (0 60 81) 9 64 78 05 anmelden. Tatjana Seibt

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