Die Kinder - hier in der Einrichtung am Riedborn - haben wieder gut lachen, die strikte Trennung der Gruppen wurde aufgehoben.
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Die Kinder - hier in der Einrichtung am Riedborn - haben wieder gut lachen, die strikte Trennung der Gruppen wurde aufgehoben.

Usingen sucht Personal für die Kitas

Neuer Fachkraftschlüssel des Landes bringt Kommunen in Bedrängnis

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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Neuer Ausbildungszweig an der Saalburgschule soll der Stadt den Nachwuchs sichern

Die Lage auf dem Personalmarkt für Erzieher ist und bleibt angespannt. War es für die Kommunen schon bisher nicht leicht, Stellen in den Kitas zu besetzen, erschwert die neue Regelung für den Stellenschlüssel die Situation zusätzlich. Denn die Landesregierung hat den Fachkraftschlüssel angehoben - also die Vorgabe, wie viele Stellen für eine Kindereinrichtung vorgehalten werden müssen. Bisher etwa mussten die Kommunen 15 Prozent der Gesamtstellenzahl zusätzlich einstellen, um einen möglichen Krankheitsausfall zu kompensieren. Es sind nun 22 Prozent, die sozusagen als Notreserve im Stellenplan einzuführen sind.

Und auch bei der Freistellungszeit für Leitungen wurde aufgesattelt - 15 Prozent mehr Zeit ist einzuplanen, um für die Kita-Führungen Zeit für administrative Arbeiten freizuschaufeln.

Alle Planungen auf Anfang

Für Usingen ein ordentliches Bündel, dabei hatte der Jugendbereichsleiter Reiner Greve gerade einmal Ruhe in der "Hütte". "Unterm Strich standen bei uns bis zur Neuregelung eine Fehl-Stundenzahl von zehn. Das hat sich nun auf satte 432 Stunden erhöht. Alleine für die Freistellung für Führungskräfte kamen 58 Stunden oben drauf, die wir personell abdecken müssen."

Untätig war die Stadt seit letztem Jahr, als die neue Vorgabe kam, nicht. Ab Ende 2022 aber soll dann der neue Personalschlüssel gelten. "Wir arbeiten seit über einem Jahr an der Problematik und sind eigentlich gut dabei, auch wenn es sehr schwierig ist Personal zu finden, denn alle Träger der Kindereinrichtungen sind auf der Suche", so Greve. Von den acht Einrichtungen sind bereits fünf auf den neuen Personalschlüssel umgestellt. Und: Schafft eine Kommune die Umsetzung nicht, könnte dies zur Streichung von Fördergelder im Betreuungsbereich führen.

Ein großer Vorteil Usingens ist dabei die Saalburgschule. Denn vor zwei Jahren wurde dort der neue Ausbildungsbereich eingeführt, der Seiteneinsteigern den Weg zum Erzieherberuf ebnet - statt fünf sind nur drei Jahre Ausbildung nötig, wobei die Prüfungen am Ende die gleichen sind wie bei der klassischen Ausbildung. Derzeit werden in dem Kurs der Schule zehn Kräfte zu Erzieherinnen geschult. Und alle haben einen Vertrag mit der Stadt, was auch bedeutet, dass sie ein Gehalt als Auszubildende beziehen - knapp 1000 Euro also. So sichert sich die Verwaltung die Fachkräfte von morgen. 24 Stunden sind die "Lehrlinge" in der Schule, 15 in den städtischen Kitas.

Geburtenschwaches Jahr 2020

Bei der schwierigen Personallage stellt sich die Frage, wie die Stadt mit den geplanten Baugebieten umgeht und vorsorgen will. "Derzeit ist das kein Thema", so Greve. Denn: 2020 war das geburtenschwächste Jahr seit Jahrzehnten, womit natürlich sowohl bei der Kleinkindbetreuung als auch in den Kitas Plätze offen bleiben werden. Momentan rechnet die Stadt eigentlich mit sechs Gruppen weniger als vorgesehen, aber die Situation ist kaum einschätzbar. "Ich bin sicher, dass sich 2021 die Geburtenrate normalisieren wird. Über 50 Kinder weniger kamen in Usingen 2020 auf die Welt. Es gibt also für uns - theoretisch - trotz der neuen Baugebiete keine neue Einrichtung zu planen. Letztlich haben wir auch noch die Einrichtung des privaten Trägers Wabe in der Hinterhand", so der Amtsleiter weiter.

Aber: "Alle unsere Planungen und Vorhersagen, das hat die Vergangenheit gezeigt, können in kurzer Zeit wieder Makulatur sein. Derzeit gilt: Wir können allen Kindern einen Platz anbieten." Und im Zweifel sei auch bei einigen Einrichtungen eine Erweiterung möglich, um so einen Neubau zu verhindern.

Positiv ist auf jeden Fall, dass die Kindergärten alle wieder in den Normalbetrieb übergegangen sind - die Gruppen sind also wieder offen, die Kinder können sozusagen endlich die Türen öffnen. "Es gelten natürlich weiter verschärfte Besucherregeln, aber wenigstens ist die Maskenpflicht für die Erzieher weggefallen."

Aber Corona hat dennoch Spuren hinterlassen - gerade menschliche. Erzieher, Kinder und Eltern waren an der Belastungsgrenze angekommen. Das hat sich auch am Umgangston gezeigt. "Kein Bereich hat diese Probleme: Mit der Geburt eines Kindes werden die Eltern sofort zu Fachleuten, erklären den Erziehern, wie sie etwas machen sollen und wann und vor allem natürlich für das eigene Kind.

Das ist zum Glück eine Minderheit, die den Erziehern oft genug das Leben schwer macht. Was nicht bedeutet, dass nicht auch bei uns Fehler passieren - es arbeiten schließlich Menschen in den Einrichtungen. Aber in der Pandemie-Hochphase hat es schon vermehrt geknirscht." Dennoch: "Die große Mehrheit der Eltern hatte auch für die Lage der Erzieher Verständnis und für die notwendige Neueinteilung der damals festen Gruppen. Als Fazit könnte man sagen: Wir allen haben gemeinsam die schwierige Lage gemeistert."

Zum Glück könne die Stadt Usingen wieder das offene Konzept fahren: "Wir wollen den Kindern soziale Kompetenz und Selbstständigkeit vermitteln. Da waren die geschlossenen Gruppen Gift dafür", schloss Reiner Greve. Andreas Burger

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