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Unter und vor der Linde präsentiert Eugen Ernst sein neues Buch.

Neues Buch

Neues „Altes“ zur Linde

„Zwei Linden in Alt-Anspach“ lautet der Titel eines neuen Büchleins von Professor Dr. Eugen Ernst. Es beleuchtet die Geschichte des Lindenbaums und der Gaststätte „Zur Linde“ mit vielen Bildern, Gedichten und alten Dokumenten.

Von F. SALTENBERGER

Das Blatt des vielbesungenen Lindenbaumes hat eine ausgesprochen schöne Herzform und die Blüten verströmen im Frühling einen lieblichen Duft. Die Linden waren der germanischen Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit geweiht und die Linde ist das Symbol ehelicher Liebe, Güte und Gastfreundschaft. Kein Wunder, dass bei solchen Voraussetzungen die Linde zum Namensgeber vieler Gasthäuser wurde und sich unter ihren Blättern so einiges abspielte, vom Anbandeln beim Tanz bis zum Schnitzen „lieber Worte“. Vielerorts steht sie allerdings nicht vor dem Tore, sondern prägt die Dorfmitte, und es gibt sie als Gerichtslinde, unter der getagt und Recht gesprochen wurde.

Auch in der alten Ortsmitte Anspachs steht heute eine Linde und sie hatte Vorgänger, aber was die Rechtsprechung und die sakrale Bedeutung betrifft, schränkt Professor Dr. Eugen Ernst ein: „Die Anspacher Linde hatte eine derartige Funktion nie erreicht.“ Und so schreibt er es auch in seinem neuen Buch, das er der Geschichte sowohl des Baumes als auch der Geschichte des Gasthauses „Zur Linde“ gleich gegenüber gewidmet hat.

Es ist soeben erschienen und wird erstmals zur „Kleinen Buchmesse“ der Buchhandlung Weddigen heute und morgen im evangelischen Gemeindehaus, nur einen Steinwurf vom Standort beider Linden entfernt, zu erwerben sein. Es wurde von Eberhard Schrimpf gestaltet, enthält auf seinen 60 Seiten zahlreiche Bilder, ist gebunden und kostet 16,90 Euro.

„Es ist mehr aus privater Initiative heraus entstanden“, so Ernst. Heinz und Hello Becker wollten mehr über die Geschichte des Gasthauses wissen, das auch in der Familiengeschichte der Beckers eine Rolle gespielt hat.

Die Geschichte des Hauses ist erst seit 1822 gesichert, als es in der zweithöchsten Steuerklasse als Haus der Witwe des Gerhard Henrici erscheint und zu den wohlhabenderen Anwesen im alten Dorf gehört haben muss, hat Ernst herausgefunden und weiter: Innerhalb der Familie Henrici wurde es vererbt und ein Peter Henrici richtete 1892 dort eine erste Dorfschänke ein. Nur einige Jahre später erwarb Christian Peter Lather das Haus, übernahm die Dorfschänke, richtete als Metzger in einem Nebengebäude im Hof seine Metzgerei ein, womit ein nachhaltiger Aufschwung des Betriebs einherging.

Der führte auch zu einem Um- und Anbau, bei dem der Hof überbaut und im Obergeschoss über der Einfahrt ein Tanzsaal eingerichtet wurde. In diesem fanden bis in die 1970er Jahre hinein viele Veranstaltungen der örtlichen Vereine statt, öffentliche und private Feste wurden dort gefeiert, darunter auch 1950 die Hochzeit der Tochter des Hauses, Annie Lather, und Kurt Becker, den Eltern der Zwillinge Heinz und Hello Becker.

Wilhem Lather war der letzte der Familie, der die „Linde“ bis 1974 betrieb. Die Gaststätte wurde zunächst verpachtet, dann wechselte das Haus Pächter und Besitzer und stand auch eine zeitlang ungenutzt in der Dorfmitte.

Eigentümer Mario Tomic hauchte dem Gebäude schließlich neues Leben ein, was aber nur mit einem passenden Betreiber und Pächter des Betriebes gelingen konnte. Ein solcher wurde in der Familie Dürre gefunden, die zuvor erfolgreich den Homburger Hof in Köppern führte. Unter ihrer Regie ist das Haus wieder eines der „ersten Häuser am Platz“ mit hervorragender gutbürgerlichen Küche. Auch der Saal sowie das rustikale Hinterstübchen werden intensiv für Treffen und Veranstaltungen genutzt.

Der Lindenbaum zwischen Gasthaus und Kirche und sein, beziehungsweise seine Vorgänger haben ebenfalls eine wechselvolle Geschichte, welcher der Autor nachgeht. Auch mit der Frage, ob zwei zu Ehren der bei Waterloo gefallenen Anspacher gepflanzt wurden oder einer bei anderer Gelegenheit, setzt sich Ernst auseinander. Eine ältere Linde, welcher der Professor in einem eigenen Gedicht gedenkt, stand in jedem Falle zur Straßenseite vor der Kirche, bis sie 1966 einem Orkan zum Opfer fiel. Das Ereignis ist ebenso wie die späteren Neupflanzungen auf Bildern in der Publikation festgehalten. Ein Foto von 1974 zeigt das damals frisch gepflanzte zarte Lindenbäumchen, das sich inzwischen zu einem stattlichen Baum entwickelt hat, der zusammen mit der Kirche und dem Gasthaus das Bild der heutigen Dorfmitte prägt.

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