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Usingen hat das Flurbereinigungsverfahren nie durchgezogen, der Flickenteppich ist geblieben.

Usingen hat endlich die Flurbereinigung beendet

Nicht eine Fläche wurde in 50 Jahren neu aufgeteilt

  • vonAndreas Burger
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Eine Neuordnung soll erst kommen, wenn die Nordostumgehung in trockenen Tüchern ist

Auf so ziemlich jeder Homepage der an Usingen angrenzenden Kommunen findet sich derzeit eine umfangreiche Datei, die darauf verweist, dass das Flurbereinigungsverfahren in Usingen beendet ist. Um es konkret zu formulieren: Es hatte eigentlich nie begonnen. Es war Februar 1970, als sich in den Kommunen des Hochtaunuskreises - und nicht nur dort - schlaue Menschen schlaue Gedanken machten, wie der Flickenteppich an Grundstücken aufgelöst und sinnvoll verteilt werden könnte. Vor allem durch Erbteilung wurden aus großen Grundstücken im Lauf der Zeit kleine Handtücher, die für Landwirte unrentabel wurden.

Während also ganz Deutschland ihre Ländereien neu aufteilten, blieb Usingen außen vor. Denn die Politik hatte damals beschlossen, das Flurbereinigungsverfahren erst durchzuführen, wenn die damals in direkter Reichweite befindliche Nordostumgehung gebaut wäre. Die wurde aber auch nicht gebaut, und so hatte die Buchfinkenstadt weiterhin den Flickenteppich ohne Umgehung. Aber: Das Verfahren lief formell weiter und blieb seit 1970 für alle Behörden in den aktuellen Unterlagen.

Nun hatte die Stadt schon Geld vom Land erhalten, um etwa neue Feldwege oder Wirtschaftswege anzulegen. Das Geld hätte die Stadt nun zurückzahlen müssen, etwa 180 000 Euro. Muss sie nicht, dafür aber sollte sie das Flurbereinigungsverfahren endlich beenden. Was sie nun hat.

Das ganze Verfahren hätte sowieso keinen Sinn mehr ergeben. Denn die Planungen und Karten aus 1970 sind nur noch Makulatur. Straßen wurden gebaut, ganze Wohngebiete, die Schullandschaft hat sich verändert - kurz, nichts ist mehr so wie vor 50 Jahren.

Flickenteppich wächst weiter

Dennoch kann Usingen einen sehr umfangreichen Flickenteppich der Grundstücke aufweisen, mehr noch als 1970, schließlich wurde fleißig weiter vererbt und geteilt. Was gerade bei Planungen der Stadt ordentlich Arbeit macht. Während die Nachbarkommunen bei Neubaugebieten mit drei oder vier Eigentümern verhandeln, hat Usingen 50 Gespräche. Deshalb ist die Flurbereinigung noch in den Köpfen. Sie wird aber, so betonte gestern Bürgermeister Steffen Wernard (CDU), erst wieder in Gang gebracht, wenn es die Planfeststellung für die Umgehungsstraße gibt. Gerade für dieses Bauwerk müssen noch viele private Grundstücke angekauft werden.

Ist dies erledigt, möchte die Stadt mit dem Land die Bereinigung der Flächen angehen. Die neue Flurbereinigung würde aber nicht nur Grundstücke neu ordnen, sondern auch das Wegenetz ins Auge fassen, um die Zufahrten zu den Grundstücken sinnvoll zu gestalten. Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation betont, dass aus Sicht der Landwirtschaft die Meinung besteht, dass aufgrund der Trassenführung die agrarstrukturellen Ziele und damit ein Mehrwert für die Landwirtschaft aus der Flurbereinigung nach der alten Planung heraus nicht mehr erreicht werden könnte.

Da sich auch die Trassenführung der Umgehung seit 1979 geändert hat, noch weiter nördlich als damals vorgesehen verläuft und teilweise auch außerhalb vom bisherigen Flurbereinigungsgebiet liegt, ist die alte Flurbereinigung sowieso hinfällig. Und, wie gesagt, umfangreiche Teile des Verfahrensgebietes wurden zwischenzeitlich einer nicht landwirtschaftlichen Nutzung für Wohnbebauung, Gewerbe, Schule, Krankenhaus und anderen Nutzungen zugeführt.

Die Einstellung der Flurbereinigung wurde von der oberen Flurbereinigungsbehörde, dem Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, mit Datum vom 19. Oktober genehmigt. Der Abwicklungsplan stellt fest, dass mit Ausnahme der noch zu erfolgenden Bodenordnung in der Lage Usingen- Waldhof alle Regelungen zur Herstellung eines geordneten Zustandes bereits erfolgt sind.

Die erforderliche Bodenordnung wird in einem gesonderten Verfahren vorgenommen. Da sich auch niemand gegen den Beschluss gewandt hat und Argumente vorbrachte, ist das Verfahren nun aufgehoben. bur

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