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Wieland Speer

Spielen, Ja - engagieren, Nein

TV Obernhain: Keines der 530 Mitglieder will in den Vorstand

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Der neue Vorsitzende des TVO wohnt in Heusenstamm. Das Damoklesschwert der Auflösung schwebt aber weiter über dem Verein, denn die Mitglieder müssen selbst das Zepter wieder in die Hand nehmen, sonst ist nach 125 Jahren Schluss.

Es duftet nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen. Rund 80 Mitglieder sind zur Hauptversammlung gekommen. Ziemlich viele, aber nicht genug, um einen Vorsitzenden zu finden. Gut, dass es Wieland Speer gibt, den Vertreter des Sportkreises Hochtaunus, den der Vorstand im Vorfeld schon einbezogen hatte. Er moderiert die Wahlen, aber seine ruhige Art und die Ankündigung der dramatischen Folgen für den 530 Mitglieder starken Verein überzeugen nicht, es gibt keinen Kandidaten für den Vorsitz nach dem Rücktritt von Stefan Berger. Dabei hatten die Verantwortlichen sich intensiv gekümmert und das Konzept eines Dreierteams gefunden, das die Arbeit mindern soll.

Zum Hintergrund: Stefan Berger gibt sein Amt nach fast zehn Jahren auf, und Kassenwart Ralf Schröder ist zurückgetreten. Er war in fünf Jahren unter anderem mit dem Verkauf der Tennishalle über die Maßen beschäftigt. Um den Weg für frischen Wind und eigene Ideen frei zu machen, möchte auch Vize Christian Fencl seinen Platz räumen. Aber es findet sich niemand.

Es hagelt Absagen mit Begründungen wie: Zu alt, beruflich zu angespannt, zu oft unterwegs, an anderer Stelle aktiv oder nicht genügend Bindung zum Verein. Obwohl Speer die Folgen deutlich aufgezeigt hatte: Eine weitere außerordentliche Versammlung, ist diese ergebnislos, eine weitere, in der die Mitglieder die Auflösung beschließen. Geschieht das nicht, übernimmt das Amtsgericht die Leitung. „Allerdings nicht umsonst.“

„Was passiert mit den Abteilungen?“, fragte ein Mitglied, und Speer erklärte, dass die Folgen noch arbeits- und personalintensiver seien, denn: „Jede Abteilung, die erhalten werden soll, müsste einen Verein mit eigenem Vorstand gründen.“ Auch diese Horrorvorstellung fruchtet nicht, nach einer Viertelstunde zieht er das letzte Register, wirft selbst den Hut in den Ring. Die Versammlung atmet hörbar auf, wählt ihn einstimmig – mit betretenem Schweigen und gequälten Lachern. Schatzmeister gibt’s keinen, einzig Schriftführerin Christina Wagner startet – einstimmig gewählt – in die neue Amtszeit. Mehr noch, sie verspricht ebenso wie Cornelia Sorg, auch an anderer Stelle mitzuhelfen.

Das wird nötig sein, denn jetzt heißt es für den Restvorstand und Speer Klinken zu putzen. Der Diplom Sportwirt, Sportmanager und Bundestrainer im Tischtennis Behindertensport, der derzeit eine Weltmeisterschaft für Behinderte mit mehr als 50 000 Teilnehmern vorbereitet, möchte nicht zusehen, wie ein traditioneller Verein den Bach runter geht. Der 54-Jährige ist ein erfahrener Mann, nicht nur in Sachen Tischtennis. Er hatte schon viele Ehrenämter und weiß, wie man Potenzial, insbesondere bei der Jugend, entdeckt und fördert.

Vor allem für Ältere, die zahlreich zur Versammlung gekommen sind, sei ein Verein Halt und Lebensmittelpunkt. Für Stefan Berger ist der Samstag der schwärzeste Tag, seit er das Amt übernommen habe. Einen ersten Eindruck von der Bedeutung des Vereins für die Obernhainer habe er schon gehabt, als er bei der 125-Jahr-Feier vor vielen leeren Stühlen stand.

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