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Dana lebt zurzeit noch bei einer Pflegestelle, sucht aber ein neues Zuhause.

Spenden-Flaute bei Tierschützern im Usinger Land

Ohne Veranstaltungen kommt kein Geld in die Kasse

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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Zwei Vereine setzen sich weiterhin für die Tiere ein, sind aber auch auf Unterstützung angewiesen

Ende vergangenen Jahres hat sich der Tierschutzverein Friedrichsdorf mangels Aktiver aufgelöst. Anfang des Jahres kam die Corona-Krise. Die Befürchtung, dass durch die Pandemie noch mehr Tiere abgegeben oder gar ausgesetzt werden als sie zum Beispiel Tierheime, aber auch Pflegestellen von Tierschutzvereinen sowieso schon beherbergen/versorgen, ist aber nicht eingetreten. Das bestätigen der Verein Tierschützer Hochtaunus mit Sitz in Neu-Anspach und der noch junge Verein "Wir fürs Tier", den es seit vier Jahren im Usinger Land gibt. Beide Vereine arbeiten mit dem Tierheim Hochtaunus in Oberursel zusammen, das momentan geschlossen ist.

Man könne trotz Corona relativ normal weiterarbeiten, sagt die Vorsitzende der Tierschützer Hochtaunus, Susanne Orlopp. Doch auffällig sei, dass die Anrufe nicht mehr nur aus dem Usinger Land kämen - insbesondere im Frühjahr habe es viele Notfälle aus Gebieten außerhalb der Zuständigkeit des Vereins gegeben. "Wir haben sehr viele Anfragen aus umliegenden Orten wie Friedrichsdorf, Oberursel, Kronberg, Königstein und Oberstedten, aber auch bis an die Grenze zum Lahn-Dill-Kreis, sogar Anrufer aus Darmstadt." Alle Nachfragen könne der Verein mit drei Pflegestellen für Tiere aber nicht abdecken. Orlopp führt diese Entwicklung darauf zurück, dass es immer weniger Vereine gibt.

Nachwuchs vermittelt, aber die Mutter nicht

Im Sommer seien viele Kätzchen vermittelt worden, momentan sucht noch Dana ein neues Zuhause. "Sie ist 1 Jahr und 4 Monate alt. Wir haben sie von einem befreundeten Tierschutzverein, wo sie auch ihre Jungen groß gezogen hat. Die Kleinen sind schon vermittelt und nun sucht Dana ein neues Zuhause. Sie ist geimpft und kastriert und benötigt in ihrem neuen Heim später auf jeden Fall Freigang", fasst Orlopp zusammen.

Die Vermittlung funktioniere zwar, doch der Dialog mit den rund 260 bis 280 Mitgliedern sei erschwert worden. "Gefühlt haben wir immer weniger Aktive", sagt Orlopp und schätzt ihre Zahl auf vier bis sechs Personen. Sie führt das auch darauf zurück, dass der Verein viele ältere Mitglieder hat.

Besonders ins Gewicht fällt, dass wichtige Spendeneinnahmen wegfallen, da geplante Vereinsfeste, Infostände und sonstige Veranstaltungen wie Weihnachts- und Nikolausmärkte im Usinger Land nicht durchführt werden können. So fehlt den Tierschützern die Möglichkeit mit den Veranstaltungen die Spenden einzusammeln, auf die sie so dringend angewiesen sind. "Das ist ein riesengroßes Problem, die Spenden sind weggebrochen, aber die alten und sehr kranken Tiere sind ja weiter da", sagt Orlopp.

Der Verein "Wir fürs Tier" hat in diesem Jahr noch keine Spenden gesammelt, berichtet Daniela Hammel, zweite Vorsitzende. Die Vereinsexistenz sei dadurch aber noch nicht gefährdet. "Wir sind ein sehr kleiner Verein", sagt Hammel. Nichtsdestotrotz benötigen die Tiere weiter Hilfe, der Verein übernehme zum Beispiel Tierarztrechnungen für Hund und Katze von einer Familie in Neu-Anspach, hat eine Futterstelle für wilde Katzen in Grävenwiesbach und bringt regelmäßig Futter zu Gnadenhöfen im Usinger Land, so Hammel.

Der Verein selbst habe zurzeit kein Tier zu vermitteln, doch die Vermittlung selbst "boomt", hat sie beobachtet. "Die Rassehunde und -katzen im Netz war nach dem ersten Lockdown abgegrast." Der Verein selbst habe in diesem Jahr rund zehn Tiere vermittelt ("das ist für uns viel"). "Was ganz stark fehlt, ist eine Reptilien-Auffangstation", sagt Hammel, die selbst stolze Besitzerin von 40 Schildkröten ist - die erste kam vor fast 30 Jahren aus Bulgarien ins Usinger Land.

Viele Schildkröten in Not

"Was ist dieses Jahr an Schildkröten aufgefangen habe, ist nicht mehr normal: drei im Frühjahr und zehn im Sommer." Auch Schlangen und Bartagamen würden ausgesetzt. Zurzeit sucht Hammel noch ein Zuhause für vier griechische Landschildkröten.

Hammels Schildkröten leben in sieben Früh-Beeten, momentan will der Übergang zur Winterstarre gemeistert werden. "Das funktioniert aber nur wenn es warm ist, im kalten Garten sterben sie", betont die Tierschützerin.

Rachitis, Gischt, Nierenschäden und sonstige Krankheiten machen Schildkröten zu schaffen, die falsch gehalten würden. Auch ins Terrarium gehöre die Schildkröte nicht. Nina Fachinger

Weitergehende Infos

Viele Informationen rund um den Tierschutz, Vermittlung und Spendenmöglichkeiten, gibt es auf den Internetseiten der Vereine: www.wirfuerstier.net/ und www.tierschuetzer-hochtaunus.de. Die Tierschützer Hochtaunus sind ferner unter Telefon: (0 60 81) 4 54 23 50 oder E-Mail: info@tierschuetzer-hochtaunus.de zu erreichen. Der Kontakt zu Wir fürs Tier: 01 70-5 75 02 39, E-Mail: info@wirfuerstier.net.

40 Schildkröten leben bei Daniela Hammel von Wir fürs Tier. Gerade Exemplare ihrer Spezies wurden vermehrt ausgesetzt.

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