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Von Ostfriesland nach Schmitten

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Von: Evelyn Kreutz

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Tier-Chiropraktiker Tamme Hanken, der „XXL-Ostfriese“, hatte im Fernsehen gute Einschaltquoten. Nach seinem plötzlichen Tod im Oktober fand seine kleine Schafherde ein neues Zuhause bei der Familie Hegetö in Hunoldstal.

Eigentlich haben die Hegetös mit der Haltung und Pflege von Huhn, Ente, Gans, Wellensittich und Kaninchen genug zu tun. Nicole und Matthias Hegetö züchten seit 2007 in Hunoldstal Ziergeflügel und Kaninchen und sind erst im vorigen Jahr aufs kleinste Schaf der Welt gekommen. Die beiden Kleintierzüchter haben nach dem Tod des berühmten XXL-Ostfriesen Tamme Hanken jetzt zusätzlich dessen 14 Ouessantschafe vom Filsumer Hof übernommen.

Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein: Nicole Hegetö hat ein Faible fürs Federvieh, während sich ihr Mann Matthias um die Kaninchen kümmert. Im vergangenen Jahr begab sich der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Niederreifenberg auf Neuland und schaffte sich „vierbeinige Rasenmäher“ an. Im Juli waren es erst zwei Ouessantschafe, dann kam noch ein Bock dazu. „Und ein schwarzes Schaf wollte ich auch noch haben“, sagt der Vorsitzende lachend. Auch wenn Ouessants die kleinsten Schafe der Welt sind, sollte das für den „Hausgebrauch“ genügen.

Als ihnen am 9. Januar ein befreundeter Züchter aus Oberstedten die kleine Schafherde von Tamme Hanken anbot, konnten sie dann aber doch nicht widerstehen. Der Oberstedtener ist ein Bekannter von Hankens Witwe Carmen, die die Schafe in dessen Obhut gegeben hatte. Doch in Oberstedten konnten sie nicht bleiben, weil der Bock immer ausbüxte und mit seinen drei Lieblingsdamen vom Nachbarhof spazieren gegangen ist. „Die Tiere von so einem berühmten Mann hat nicht jeder, die holen wir uns“, habe sie sich gedacht, erzählt die Hunoldstalerin. Nachdem der Papierkram erledigt war, holten sie die 14 Wollknäuel mit ihrem Pferdeanhänger ab.

Drei Tiere haben die Hegetös inzwischen abgegeben, die anderen sind im Winterquartier neben ihrem Haus untergebracht. Fürs Frühjahr suchen sie jetzt Wiesen in der näheren Umgebung. „Wir müssen ja täglich nach den Schafen schauen.“ Rübenschnitzel, Luzernenpellets, frisches Heu und natürlich Wasser, mehr braucht so ein genügsames Schaf nicht.

Aber wenn die Hegetös zu ihren Lieblingen gehen, haben sie immer etwas Lammfutter dabei. „Um sie handzahm zu machen.“ Selbst der Bock, den sein Vorbesitzer „kleiner Teufel“ genannt hat und der jetzt in Kurzform „Devil“ heißt, ist schon zutraulich geworden. „Dornröschen“ sowieso. Die hatte sich nämlich im einzigen Dornengestrüpp auf dem Gelände verfangen und dankt ihre Befreiung seitdem mit Anhänglichkeit.

Gott sei Dank sind die Hegetös nicht die einzigen Schafhalter im Verein. Im Internet hat sich Nicole Hegetö schon vorab informiert, wie das Klauenschneiden funktioniert. Vereinskollege Daniel Mattke, der ebenfalls Ouessants hält, gab weitere Ratschläge. „Das schaffe ich jetzt allein“, meint die Züchterin selbstbewusst. Nur zur Schafschur im Mai ist jetzt schon ein Fachmann beauftragt. „Der muss statt 4 Tieren jetzt halt 15 von ihrem wolligen Vlies befreien“, sagt Nicole Hegetö.

Sie berichtet auch, dass Spaziergänger und Nachbarkinder inzwischen regelmäßig nach ihrer kleinen Schafherde schauen. Ob die Besucher wissen, wem die niedlichen Wolllieferanten mit den interessanten Gesichtern einmal gehört haben?

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