"Kleinvieh macht auch Mist", und wer 11,11 Euro nicht ehrt, ist der Narretei nicht wert. UCV-Chef Vlado Katrusa (rechts) hat gestern mit der Übergabe des Pachtzinses fürs Klubhaus an Bürgermeister Steffen Wernard (li.) die närrische Kampagne 2021/22 offiziell eröffnet.
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"Kleinvieh macht auch Mist", und wer 11,11 Euro nicht ehrt, ist der Narretei nicht wert. UCV-Chef Vlado Katrusa (rechts) hat gestern mit der Übergabe des Pachtzinses fürs Klubhaus an Bürgermeister Steffen Wernard (li.) die närrische Kampagne 2021/22 offiziell eröffnet.

Usinger Narren starten in die neue Saison

Pachtzins fürs Vereinsheim wird nicht erhöht

  • VonAlexander Schneider
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Gelungener Auftakt mit großem Publikum in eine sehr abgespeckte 5. Jahreszeit

Usingen. Dass Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) gestern bereits um 11.06 Uhr und damit weit vor der vereinbarten Zeit auf dem Schlossplatz aufschlug, zeigt schon, wie knapp bei Kasse die Stadt ist. Geradezu gierig griff er nach dem angereichten Schatzkästlein mit genau abgezählten 11.11 Euro, dem Pachtzins für UCV-Heim, darin.

Immerhin ließ er den Deckel zu und zählte nicht auch noch nach. Wahrscheinlich überlegte er schon, welche Löcher im Stadtsäckel er damit stopfen wird. Der mit Narrenkappe zur Geldübergabe in kleinen, gebrauchten Münzen gekommene Rathauschef erwägt allerdings, vertragsbrüchig zu werden und den mit 11.11 Euro festgeschriebenen Pachtzins für die Narrenzentrale zu erhöhen, schließlich werde ja alles teurer. Auch habe der UCV ja mit der Miete fürs Corona-Testzentrum ordentlich Kasse gemacht.

Gelingen wird ihm das wohl kaum, denn UCV-Chef Vlado Katrusa zeigte sich Wernards Nachverhandlungsbemühungen gegenüber wenig zugänglich: "Vertrag ist Vertrag, 11,11 Euro, mehr gibt's nicht", meinte er dennoch gut gelaunt.

Ein bisschen Fassenacht möglich

Natürlich war das Ganze nur ein einziger großer Spaß und eigentlich sind sich Stadt und Narren ja auch einig. Auch teilen sie die Freude darüber, dass in der Session 2021/22 endlich wieder etwas Fassenacht möglich sein wird. UCV-Chef Katrusa reimte sich durch die Problematik, die den UCV, wie übrigens alle Vereine, im vergangenen Jahr durch den Wegfall beinahe aller Veranstaltungen bis ins Mark getroffen hat. Dennoch zeigte der bei sonnigstem Herbstwetter auf dem Schlossplatz versammelte UCV, darunter auch einige ehemalige Tollitäten, Zuversicht auf eine bunte Kampagne, auch wenn die mit früher wenig zu tun hat.

Es wird auch in der aktuellen "5. Jahreszeit" keine Fremdensitzungen geben, und die üblicherweise mit viel Tamtam veranstaltete Saisoneröffnung fällt auch diesmal aus. Kinderfasching gibt es, sehr zum Bedauern des UCV, leider auch nicht, "so schön es auch wäre, aber das Risiko, dass sich ein Kind infiziert, wollen wir nicht eingehen", sagte Katrusa.

Ihm sei es wichtig, dass der UCV mit der symbolischen Pachtübergabe eine Art Lebenszeichen aussenden könne. Mitglieder habe man in der Pandemie zwar kaum verloren, von den Aktiven seien aber viele, wohl weil sie glauben, dass es auch ohne Fassenacht geht, in der Versenkung verschwunden. Die gelte es nun aus ihrer Lethargie zu erwecken.

Natürlich hätte man in all den Jahren auch längst einen Dauerauftrag über 11,11 Euro einrichten können, "aber das wollen wir nicht, denn die offizielle Übergabe soll ja der Startschuss in die Kampagne sein", sagte der Narrenchef-

Maskenball findet statt

Er erinnerte aber daran, dass es 2020, als gar nichts ging, doch ausnahmsweise mal eine Blitzüberweisung gab, die der Stadt um exakt 11.11 Uhr gutgeschrieben wurde. Ganz sang- und klanglos soll die Kampagne 2021/22 dann aber doch nicht über die Narrenbühne gehen. So wird es am Samstag, 29. Januar, in der Mensa der CWS unter dem schon für letztes Jahr ausgegebenen Motto "Karibisches Feeling" einen Maskenball geben. Gefeiert werden soll aber im "2G"-Modus.

Auch der Buchfinkenzug am Fastnachtssamstag wird nach momentaner Planung stattfinden. Ebenso wird sich der Bürgermeister mit seinen Getreuen wie jedes Jahr zum Auftakt des Narrenwochenendes der UCV-Übermacht beim Rathaussturm ergeben müssen.

Darüber hinaus werden sich die Mitglieder des UCV bereits an diesem Wochenende zu einem internen Kampagnenauftakt in der CWS-Mensa treffen und die neue Session in der "Light-Version" willkommen heißen, auch wenn es in diesem Jahr wieder ohne Prinz gehen muss. So schnell ließen sich Usinger Narren den Spaß an der Fastnacht eben nicht nehmen. "Wir müssen halt alle vorsichtig sein, dann geht das schon", meint Vlado Katrusa fast etwas trotzig, den rechten Arm beim "dreifachen Ulau" bis zum Anschlag nach oben reißend. Geht doch noch, so schnell verlernt man diese Form närrischer Leibesübung eben nicht.

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