+
Stadtrundgang mit Helmut Fritz: Hier erläutertet er die Geschichte des alten Rathauses und seiner Nachbargebäude.

Rundgang

Per pedes durch die Geschichte Usingens

  • schließen

Die Stadt Usingen zeigte ihren Besuchern bei tollem Sonnenschein jetzt ihre schönsten Seiten. Einige Sehenswürdigkeiten verbergen ihre wahre Pracht allerdings zurzeit hinter Baugerüsten. Stadtarchivar Helmut Fritz wusste dennoch viel über sie zu berichten.

Samstagmittag kurz vor 15 Uhr. Der Himmel konnte nicht blauer sein, die Sonne wärmte, und das genossen die Menschen auf dem Schlossplatz, die zunehmend hier eintrafen. Als der Zeiger der Kirchturmuhr auf die Zwölf sprang, winkte von gegenüber Helmut Fritz, der zu einer Stadtführung eingeladen hatte. Die Gruppe ging hinüber und erfuhr von Fritz, der die Rathaustreppe als „Kanzel“ nutzte, Grundlegendes über die Stadtgeschichte.

Bereits das Rathaus und sein Umfeld boten schon so viel Stoff, dass Fritz sich bei allem, was er ansprach, kurzfassen musste. Aber dennoch wollte er einige Details nicht übergehen und wies so unter anderem auf den Schlossplatzbrunnen mit dem Löwen hin, der nicht ursprünglich dort gesessen habe, jetzt sei er dem Schloss zugewandt und trage das Usinger Wappen.

Unmittelbar am Rathaus angebaut ist ein weiteres städtebauliches Schmuckstück. Es ist ein Fachwerkhaus mit einer geschnitzten Eckfigur und die, so erklärte Fritz, zeige den Besitzer des Hausen namens Wedel Karter. Das sei der ehemalige Verwalter des Klosters Thron bei Wehrheim gewesen, er besaß auch gleich das nächste Haus die Wilhelmjstraße abwärts, in dem das Rathaus-Café residiert.

1577 wurde es errichtet, was noch an dem Wappenstein über dem Kellereingang abzulesen ist, und damit gehöre es zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Noch einmal ging es zum Schlossplatz hinüber, wo Fritz jetzt über die Baugeschichte des Schlosses berichtete. Wie das alte Schloss einmal ausgesehen hat, konnten die Teilnehmer der Führung auf der Rückseite des ausgeteilten Stadtplanes sehen, denn es wurde im 19. Jahrhundert ein Raub der Flammen. Von diesem Standort erläuterte Fritz auch die weitere Umgebung, machte sich aber dann mit seinem Gefolge auf den Weg in die alte Unterstadt, wo er den alten herrschaftlichen Brauhof vorstellte. Dann folgte die Gruppe den alten Gassen, wie es die alten Usinger einst taten, um zu ihrer Kirche oder zum Kirchhof zu kommen, wo ihre Vorfahren bestattet lagen. Die Mitglieder des Fürstenhauses wurden in der Kirche und ihrer Gruft beigesetzt. Auch das und mehr erfuhren die Führungsteilnehmer an Ort und Stelle und hatten mit der Kirche doch erst die Hälfte der Strecke hinter sich. Jetzt führte sie Fritz am Junkernhof und dem Wilhelmj-Denkmal vorbei, durch die Klaubergasse mit dem Standort der ehemaligen Synagoge. Ziel war der alte Marktplatz, dem Zentrum der alten Neustadt.

Dort bildete die Geschichte der Hugenottenkirche den Schwerpunkt: Um 1700 noch vom Fürsten Walrad für Glaubensflüchtlinge angelegt, gehöre die Kirche zu den Besonderheiten unter den Gotteshäusern und war Kirche einer reformierten Gemeinde.

Durch das Klapperfeld und die obere Zitzergasse ging der Marsch weiter, und dabei kamen die Stadtrundgänger an einigen bemerkenswerten Häuser vorbei, beispielsweise an den sogenannten Stengel-Häusern, die so genannt werden, weil die Planung dieses Quartiers vom damaligen Hofbaumeister Friedrich Joachim Stengel stammt, einem der bekanntesten Barockbaumeister, die in Usingen gewirkt haben. Auch das Amtshaus in der Obergasse wurde von ihm entworfen und wurde später zum Geburtshaus August Hergenhahns, Staatsbediensteter im Herzogtum Nassau und Mitglied der Paulskirchenversammlung. Leider war das Haus, ebenso wie die Hugenottenkirche zuvor, den Blicken der Stadtbesucher durch Baugerüste und Planen entzogen.

Den Blick schweifen lassen konnte man dagegen von der oberen Terrasse des Schlossgartens, der, so Fritz, noch auf die Planung Walrads zurückgehe. Diesem wurde von der Bürgerschaft zu seinem 200sten Todestag im Schlosspark ein Denkmal errichtet, dem ebenfalls ein Besuch abgestattet wurde, bevor es durch die Alleen des Parks wieder zurück zum Schlossplatz und dem Endpunkt einer interessanten Stadtführung zurück ging.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare