Nach der Sanierung

Der Pfuhl rund um den Weiher ist weg

  • vonAndreas Burger
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Der Meerpfuhl verdient seinen Namen nicht mehr – denn der Pfuhl rund um den Weiher ist weg. Mit vereinten Kräften haben Angler, Stadt und RMD eine Paradies für Flora und Fauna geschaffen – für kleines Geld.

Es steht nicht ganz fest, wer gestern mehr strahlte – die Sonne oder Harald Lezius vom Fischereiverein Usingen. Denn beim Lokaltermin am Meerpfuhl – dem Gewässer zwischen Merzhausen und Altweilnau – stellten die an der Rettung des Angelteiches Beteiligten vor, was nun wieder 20 Jahre Flora und Fauna eine sichere Heimat bietet.

Mit Markus Töpfer von der Rhein-Main-Deponie, Steffen Wernard (CDU) als Bürgermeister der Stadt und Forstingenieurin Sigrid Büschken waren die Aktiven der Weiher-Sanierung versammelt.

Um zu erklären, was dort geschah, müssen wir fünf Jahre zurück. Damals begann Lezius freundlich aber bestimmt bei der Stadt zu bohren, um den Start der Sanierung zu erreichen. Denn sowohl von der Hang-Wiese Richtung Bundesstraße als auch vom Waldgebiet runter spülen starke Regenfälle seit vielen Jahren Erdreich in den See. Zwar gab es zwei Vorbecken und Gräben, die dies verhindern sollten, doch der Schlamm hat den Vertiefungen zugesetzt. So hat auch der Meerpfuhl inzwischen an einigen Stellen sehr flache Uferbereiche – gut erkennbar am starken Schilfwuchs.

Nachdem die Sinnhaftigkeit der Aktion auch Verwaltung und Politik erkannt hatten, stellten die Verantwortlichen Geld im Haushalt bereit. Dann begann der Bürokraten-Marathon. Erst war zu klären, ob die Schlammmassen mit Belastungen versehen war. Eine Prüfung ergab: alles paletti.

Dann mussten die behördlichen Genehmigungen eingeholt werden. Einfach ausbaggern? Undenkbar in Deutschland. Die Jahreszeit war auch vorgeschrieben (Oktober/November), damit Tiere nicht gestört werden. Und hier kam dann die RMD mit Töpfer ins Spiel. Denn das ganze Areal ist eine matschige Angelegenheit. So stellte die RMD erfahrene Baggerfahrer und Mitarbeiter, die kostenfrei rund 1000 Tonnen Schlamm rausholten.

Dieser Schlamm wiederum wurde – nach behördlicher Genehmigung – in einem Waldgebiet ausgebracht, um dort einen Wildacker anzulegen, wie Büschken erklärte. Die Kosten von rund 8000 Euro entstanden lediglich durch die geliehenen Fahrzeuge und große Quarzit-Steine.

Denn nur mit dem Ausbaggern war’s nicht getan. An mehreren Stellen haben die RMD-Mannen Löcher ausgehoben, locker verfüllt und aus Quarz einen Hügel errichtet. Dort sollen die reichlich vorhandenen Ringelnattern und sonstige Schlangen und Amphibien eine Heimat finden. Auch die Bachläufe sind nun tiefer ausgehoben und mit sogenannten Taschen versehen. Die sollen bei längerer Trockenheit Tümpel bilden, um als Rückzug für Frösche und deren Nachwuchs zu dienen.

Die Rechnungen überwiesen hat die Stadtkasse – bezahlt hat’s aber der Fischereiverein. Die 96 Mitglieder haben die gesamte Fläche für 20 Jahre gepachtet und zahlten die Pacht von 20 000 Euro auf einen Rutsch. Irgendwann muss der Bagger allerdings auch an den Meerpfuhl selbst ran. Zwar halten die beiden nun ausgebaggerten Vorteiche und Wasserrinnen viele Jahre den Schlamm ab, aber es ist bereits viel in den See eingespült worden. Lezius will eigentlich noch gar nicht daran denken. „Das wird eine sechsstellige Summe. Etwa ein Fünftel des Sees ist betroffen.“ Jetzt aber freut sich der gerade in Ruhestand getretene Lokalpolitiker und Angelfreund über das kleine Naturparadies. „Das Ziel wurde erreicht“, lobte auch Wernard.

Und warum ist die RMD im Boot? „Um Kosten zu senken“, schmunzelte der Rathauschef. Aber die RMD hat in den Vergangenheit schon viele Naturschutzprojekte entweder mit Geld oder Arbeitskraft unterstützt. „Umweltschutz gehört zu unseren Aufgaben. Und wenn Zeit ist, helfen wir immer gerne“, so Töpfer, der die Arbeiter stellte.

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