Briefmarken-Sammler

Post macht Sammlern das Leben schwer

  • VonEvelyn Kreutz
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Briefmarken verschwinden zusehends aus dem Postbetrieb. Und auch die wenigen Sammler, die es noch gibt, werden immer älter und haben es nicht leicht.

Selbstklebende Briefmarken mögen die meisten Sammler nicht. Die kleben weitaus stärker am Papier als die normalgummierten. Aber die gezackten Wertmarken säuberlich abzulösen, ist nur eine Frage der Technik, wissen die versierten Sammler. Nur: Wer schreibt heute noch Briefe, wenn es auch per Mail geht? Dort, wo noch bedrucktes Papier verschickt wird, tragen vornehmlich bei größeren Firmen Freistempel maßgeblich dazu bei, dass Briefmarken aus dem Postverkehr verschwinden. Auch online aufgedrucktes Porto ist für Sammler wenig interessant. „Was die Post macht, ist der Tod der Briefmarkensammler“, schimpfte Eberhard Schrimpf. Er ist einer der 18 Mitglieder der Briefmarkenfreunde Usingen, und Schrimpf kritisierte im Rahmen der Jahreshauptversammlung den Trend zur E-Post, aber auch das ständige Erhöhen des Briefportos.

Wie Vorsitzender Guntram Löffler bekräftigte, könnten aus dem schrumpfenden Briefbereich der Post immer weniger „richtige Briefmarken“ gesammelt werden. Für ihn sei es selbstverständlich gewesen die Einladungen zur Jahreshauptversammlung mit besonderen Briefmarken zu bekleben, die er im Block erworben habe, verriet er der TZ.

Unabhängig von den Entwicklungen bei der Post tragen aus Sicht von Löffler auch Veränderungen im Freizeitverhalten dazu bei, dass „Briefmarkensammler ein Auslaufmodell“ sind. „Das ist ein Hobby für ältere Herren“, schmunzelte der Vorsitzende und ergänzte, dass die Frauen oft kein Verständnis für diese Sammelleidenschaft haben. Dass die Versammlung mit 11 von 18 Mitgliedern vergleichsweise gut besucht war, täuschte jedoch nicht über die Tatsache hinweg, dass der Usinger Verein trotz stabiler Mitgliederzahl das gleiche Problem wie alle anderen hat: Überalterung. Hoffnung auf neue, vor allem junge Mitglieder gibt es laut Löffler nicht. Langfristig müsse man wohl eine Fusion mit dem nächstgelegenen Nachbarverein in Ober-Mörlen ins Auge fassen. In dem Usinger Verein sind ohnehin mehr Mitglieder aus den Nachbarkommunen, weshalb es von der Stadt Usingen keinen Vereinszuschuss gibt.

Gäste haben die Briefmarkensammler beim Tauschabend jeden zweiten Dienstag im Monat ab 19.30 Uhr im Schlösserkeller in Usingen regelmäßig. „Die meisten kommen strahlend rein und gehen mit hängenden Schultern raus“, frotzelte Willy Deininger. Löffler verriet, dass Bürger, die geerbt haben, oft enttäuscht sind, wenn die Verpackung, also das Album, mehr wert sei als der Inhalt. Es sei schockierend, wie die Marken zum Teil gelagert würden, stellte er fest und sagte: „Ein feuchter Keller ist da tödlich, im Prinzip sind solche Sammlungen nur noch für die Tonne gut.“

Bei Hausbesuchen begutachten die Usinger Briefmarken-Experten oft riesige Sammlungen, von denen die wertvollen Stücke meist weg sind, der Rest ist als Massenware nicht mal für Händler interessant, tauge allenfalls als Grundstock für Jungsammler, so es solche überhaupt gebe.

Außer dem Sammeln und Tauschen entfalten die Mitglieder keine großen Aktivitäten, aber ein bisschen Vereinsleben muss sein. Im September führte ein Ausflug die Männer (Frauen sind derzeit nicht dabei) nach Darmstadt zur ESA, und eine Weihnachtsfeier gab es auch. Deininger hatte zwei Vorträge gehalten und wird Ende Oktober bei den Licher-Seminaren über seine Danziger Sammlung referieren. Wann der diesjährige Ausflug zur Edertalsperre stattfindet, ist noch offen.

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