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Auch auf dem Neuen Marktplatz kaufen Maciej und Paulina Kajda (von rechts, mit ihrem Sohn Nathaniel) am Stand von Blumen-Kai einen bunten Strauß fürs Wochenende.

Nach Umzug des Wochenmarktes

Neuer Marktplatz in Usingen: Bessere Parkmöglichkeiten, schlechtere Atmosphäre

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Die Sanierung der B 275 hat in dieser Woche den Alten Marktplatz erreicht. Auf Wunsch der Marktbeschicker ist deshalb der Wochenmarkt vorübergehend auf den Parkplatz am Neuen Marktplatz ausgewichen. Den einen Kunden gefällt’s, manch anderer vermisst jedoch etwas.

Usingen - Aus Espa kommt Hans Holst jeden Freitag zum Einkaufen auf den Usinger Wochenmarkt. Nein, der Ort mit dem eigentümlichen Namen ist keinesfalls falsch geschrieben.

Woche für Woche fährt der Pensionär die 16 Kilometer von Espa, einem 600 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Langgöns im Landkreis Gießen, über Weiperfelden, Bodenrod, Michelbach und Eschbach nach Usingen auf den Wochenmarkt. Und das hat einen guten Grund:

„Weil der Markt so schön ist und ich an zahlreichen Ständen die unterschiedlichsten Produkte in guter Qualität kaufen kann. Billig kann ich überall kaufen. Ich weiß, dass ich hier gute Ware bekomme“, begründet Holst seine ungewöhnliche Tour. „Ich bekomme immer von Nachbarn und Freunden, für die ich die Besorgungen gleich mit erledige, einen Einkaufszettel.“

Andere Angebote nutzen

Na, da will einer noch sagen, Usingen habe seine Funktion als Mittelzentrum verloren, wenn die Kunden sogar mit einem Gießener Kennzeichen nach Usingen fahren, um einzukaufen. Wie dem auch sei, für Hans Holst war es kein Problem, nach dem Umzug auf den Neuen Marktplatz den Wochenmarkt nun dort anzusteuern.

„Am Alten Marktplatz war es schöner. Aber hier gibt es keine Parkplatz-Probleme“, sagt der Mittsiebziger. Am neuen Standort könne er gleich auch noch bei Edeka oder im Drogeriemarkt einkaufen. Brot, Fisch, Gemüse, Fleisch und Blumen kaufe er weiterhin auf dem Markt.

„Bei uns in Neu-Anspach kriegt man doch fast nichts mehr auf dem Wochenmarkt“, sagt eine Kundin, die namentlich nicht genannt werden will. „Hier ist die Auswahl groß. Die Anfahrt ist für mich die gleiche.“ Auch Paulina und Maciej Kajda aus Usingen kommen, so oft es geht, freitags auf den Markt, weil hier das Angebot und die Auswahl stimmen. Das junge Paar aus dem Wohngebiet Schleichenbach II genießt es, gemeinsam mit Sohn Nathaniel entspannt die Woche ausklingen zu lassen.

Abwanderungsgedanken

„Für uns macht es keinen Unterschied, ob der Wochenmarkt auf dem Alten oder dem Neuen Marktplatz ist“, sagt Maciej Kajda. „Entscheidend ist doch, zwischen den vielen Ständen hin und her schlendern zu können, um gute und frische Sachen einzukaufen.“

Tatsächlich stand aber genau das offenbar auf der Kippe. Nach den Worten von Nina Herzer, die seit fünf Jahren erfolgreich einen Suppen-Mittagstisch auf dem Markt anbietet, hatten einige der Markt-Beschicker Abwanderungsgedanken. „Unsere Kunden waren durch die Bauarbeiten in der Neutorstraße verunsichert, ob und wie sie zum Markt kommen“, sagt Herzer.

Gerade die Standbetreiber, die weite Anfahrtswege aus Mainz, Wiesbaden oder Gießen haben, wurden wegen der – bedingt durch die Baustelle – nachlassenden Kundenfrequenz unruhig. Deshalb habe man mit der Stadt das Gespräch wegen eines neuen Standorts gesucht.

„Ab der nächsten Woche wollen wir die Stände am südwestlichen Rand des Festplatzes in offener L-Form aufstellen“, sagt Petra Reuter, die Wirtschaftsförderin der Stadt Usingen. „Die Kunden werden dann vom Parkplatz kommend durch das offene Marktgeschehen angelockt. Das stärkt dann den Aufenthaltscharakter.“

Zurück zum alten Standort

Die Marktbesucher, die gestern die besondere Atmosphäre des Wochenmarktes durch die Kulisse der historischen Gebäude auf dem Alten Marktplatz vermissten, kann Reuter aber beruhigen: „Sobald die Kreuzgasse wieder einseitig befahrbar ist, spätestens aber zur Laurentiuskerb, wird der Wochenmarkt wieder an den alten Standort umziehen.“ Bis dahin finden die Kunden den Markt auf dem Festplatz des Neuen Marktes.

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