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Krippenspiele in der klassischen Form wird es in diesem Jahr nicht geben. Dennoch sind im Usinger Land teilweise Alternativen für die Gottesdienstbesucher geplant.

Im Usinger Land sind nur wenige Krippenspiele geplant

Proben unter Corona-Bedingungen

  • vonTatjana Seibt
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In einigen Gemeinden wird fürs Internet aufgezeichnet, andere sagen Aufführungen ganz ab

Weihnachten wird in diesem Jahr anders. Ganz anders als sonst, so viel steht schon einmal fest. Wie genau, darüber streiten sich derzeit die Geister. In der Politik wird um schärfere Maßnahmen gerungen und unter den Bürgern gehen die Meinungen, was sinnvoll ist und was nicht, worauf sie zum Schutze anderer verzichten wollen oder eben auch nicht weit auseinander.

Sicher ist derzeit nur eines: Corona wütet immer noch unter den Menschen und verlangt ihnen einiges ab und sicher ist auch, dass der Heilige Abend wieder einmal auf den 24. Dezember fällt.

Für viele Christen gehört es zur guten Tradition an diesem besonderen Tag in die Kirche zu gehen und für Familien ist das Krippenspiel unbestritten ein wunderschöner Teil der Gottesdienste. Üblicherweise sind die vorderen Plätze dabei stark frequentiert und in der Vergangenheit drängten sich die Menschen dicht an dicht, um der Darstellung der Geschichte zu lauschen, Maria und Josef auf dem Weg zur Geburt Christi zu begleiten.

Doch gerade das geht dieser Tage nicht. Kein dichtes Drängen, kein enges und familiäres Beisammensein, das für die Menschen dennoch wichtig ist.

Fällt die dargestellte Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr also komplett aus? Müssen Maria und Josef zu Hause bleiben? Die Nachfrage bei den Kirchengemeinden zeigt, dass die Gemeinden alles mögliche tun, um etwas anbieten zu können.

Plätze werden zugewiesen

In Usingen zum Beispiel bietet die evangelische Kirche ein Krippenspiel an. "Aber das findet nicht wie üblich statt, sondern nur mit sieben Kindern insgesamt", erklärt Pfarrerin Doreen Stelter. Auch die werden zu keiner Zeit alle gleichzeitig im Chorraum stehen, die Texte werden mit reichlich Abstand gesprochen und die Proben finden ebenfalls nur in den ausgewählten und festgelegten Zweierkonstellationen statt. "Für die Kinder ist das Krippenspiel immer etwas Besonderes, deshalb wollten wir es nicht ausfallen lassen, müssen dabei aber neue Wege gehen", bringt es Stelter auf den Punkt.

Das gelte auch für die Gottesdienste, für die eine Anmeldung nötig ist. An Heilige Abend findet er im Freien auf dem Multifunktionsplatz im Usinger Schlossgarten statt.

Zugewiesene Plätze gibt es auch beim Krippenspiel in der Kirche, wo alles mit viel Abstand geplant ist. "Einen Gottesdienst mit Krippenspiel können wir in der Kirche nicht anbieten", sagt Armin Hasselbächer aus Rod an der Weil. Dafür sei die Kirche zu klein. Deshalb werden die Roder Andachtsbesucher sich auch warm anziehen müssen, denn die Andacht wird samt Krippenspiel ins Freie, sprich in den Hof verlegt.

Spielen werde in diesem Jahr aber nicht die Kleinsten, sondern die Konfirmanden. Die Proben derzeit mit einigem Abstand nach dem Konfirmandenunterricht. "Mit ihnen ist es leichter die Vorgaben einzuhalten und dass sie sich nicht zu nahe kommen", begründet Hasselbächer die Entscheidung.

Einzig das Wetter bereitet ihm etwas Sorgen, denn bei Regen müsste das Krippenspiel abgesagt werden. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir das Krippenspiel dann vorher aufzeichnen und am 24. auf die Homepage stellen", sagt Hasselbächer. Dort könnte es auch nach der live-Aufführung zu finden sein. Da der Platz auch im Hof begrenzt ist, müssen sich die Besucher schon jetzt anmelden.

"Mit Kindern wird es bei uns in diesem Jahr kein Krippenspiel geben", sagt auch Pastoralreferent Andreas Korten für die katholische Pfarrei St. Franziskus und Klara. Mit Kindern proben, das sei zwar erlaubt, wolle man aber niemandem zumuten, um jedes Risiko zu minimieren. Dafür werde es ein digitales Krippenspiel auf Youtube geben, das in den Kirchen gezeigt werde.

Einen neuen und spannenden Weg beschreitet auch die evangelische Kirche in Wehrheim. Dort gibt es eine Art Mitmach-Weihnachtskrippenspiel. "Das gestalten Tabea Knabe und Thomas Klix", verrät der evangelische Pfarrer Hans-Ulrich Jox. Allerdings werden die beiden die einzigen mit einer Sprecherrolle sein, das Publikum hingegen dürfe vereinzelt als Statist mitmachen. Anmeldungen und Abstand gelten allerdings auch dafür.

"Nicht um jeden Preis"

Nichts dergleichen gibt es hingegen in Schmitten und Grävenwiesbach. "Wir haben lange überlegt, wie wir das machen könnten, aber die Kirche ist klein, die Sitzplätze begrenzt und die Kinder können nicht zusammen proben", erklärt Pfarrer Klaus Rüb. Der Schutz der Menschen, die in die Kirche kommen, das sei am Ende aber wichtiger gewesen, als der Wunsch ein Krippenspiel abzuhalten. Gerade weil er aus der Erfahrung wisse, "dass die Menschen dann in der Vergangenheit nach vorne drängten, um alles sehen zu können." Dieser Gefahr, dass die Abstände womöglich doch nicht eingehalten werden, wolle er niemandem aussetzen. "Wir haben uns das auch nicht sehr leicht gemacht, sondern die Vernunft entscheiden lassen", betont Rüb.

Das Krippenspiel zu Weihnachten sei stets etwas Besonderes, "aber das machen wir nicht um jeden Preis", so die Haltung der Gemeinde. Tatjana Seibt

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