Profis beim Hauskonzert

  • schließen

Hausmusik ist kein alter Zopf. Das Ehepaar Groh hat in Oberreifenberg eine alte Tradition wieder salonfähig gemacht und jetzt zwei junge Barockspezialisten eingeladen.

Alte Musik auf den damals gespielten und im Lauf der Zeit weiterentwickelten Instrumenten ist heute immer seltener zu hören. Doch Preisträgerin Anja Engelberg spielt sie noch, die Viola da Gamba, und Stipendiat Premek Hájek beherrscht die Barockgitarre und die langhalsige Theorbe, ein Lauteninstrument. Zusammen sind sie das „Duo in RE“.

Mit dem Programm „La guitare“ und Kompositionen großer französischer Gambisten hat das junge deutsch-tschechische Duo die Atmosphäre, wie sie am französischen Hof geherrscht haben mag, ins Wohnzimmer im Brunhildensteg 30 in Oberreifenberg geholt.

Bevor Schallplatten den Siegeszug der reproduzierbaren Musik einläuteten, wurde zu Hause gesungen und musiziert – meist nur im familiären Kreis. Bei Adel und gehobenem Bürgertum war oft Platz genug, um Musiker und ein ausgewähltes Publikum einzuladen.

„Normalerweise wohnen wir hier“, sagte Hausherr Ralf Groh zur Begrüßung. Ein Musikzimmer gibt es nicht, aber das Wohnzimmer war ausgeräumt und mit rund 30 Gästen voll besetzt. Zum ersten Mal bestritt nicht seine Frau Esther Groh mit dem „Trio Cantastique“ das Programm. Weil deren private Hauskonzerte immer beliebter werden, die Freunde immer neue Liebhaber klassischer Musik in kleiner Besetzung mitbrachten und neue Kontakte zu Musikern weltweit entstanden, wagte das Ehepaar diesmal, Profimusiker einzuladen.

Die ließen in dem abwechslungsreichen Programm mit Werken von Marin Marais, Gaspar Sanz, Antoine Forqueray und Louis de Caix d’Hervelois nicht nur die Musik sprechen, sondern gaben auch reichlich Informationen zu den heute nicht mehr so bekannten Instrumenten und zu den einzelnen Kompositionen. Auffällig war das besonders sorgfältige Einstimmen der Instrumente. Auch zwischen den einzelnen Stücken mussten die Saiten nachgestimmt werden. Obwohl überwiegend mit dem Bogen gestrichen, stehe die Gambe den Zupfinstrumenten Laute und Gitarre näher, erfuhren die Zuhörer. Obwohl die Kompositionen die Gambe als Soloinstrument in den Vordergrund stellten, waren die Basso-Continuo-Passagen von Barockgitarre oder Theorbe nicht weniger lebhaft und virtuos gestaltet und weit mehr als nur eine Begleitung. Hier waren zwei ebenbürtige Virtuosen miteinander verbunden.

Mit der Suite in G-Dur von Marin Marais, der ganz in der französischen Tradition elegante und von besondere Virtuosität geprägte Stücke geschrieben hat, eröffneten die jungen Musiker dieses außergewöhnliche Konzert. Leichte tänzerische Passagen und schnelle Läufe steuerten auf das temperamentvolle, spanisch anmutende Feuerwerk im letzten Satz zu. Unüberhörbar vom besonders virtuosen italienischen Stil beeinflusst war eine Suite von Antoine Forqueray. Bevor das Konzert mit Marais energiegeladener Folies d’Espagne endete, spielte das Duo eine Suite von Louis de Caix d’Hervelois. Viele der begeisterten Zuhörer werden sicher wiederkommen, wenn beim nächsten Hauskonzert am Samstag, 18. Juli, Meisterpianist Erik Reischl zu hören ist. Mehr Informationen dazu gibt’s unter .

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare