Der Turm der evangelischen Laurentiuskirche von der obersten Schlossgarten-Terrasse aus gesehen. Am Sonntag werden die evangelischen Gemeinden ihren Kirchenvorstand bestimmen.
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Der Turm der evangelischen Laurentiuskirche von der obersten Schlossgarten-Terrasse aus gesehen. Am Sonntag werden die evangelischen Gemeinden ihren Kirchenvorstand bestimmen.

19 000 Wähler im Usinger Land bestimmen Kirchenvorstände

Protestanten wählen ihre lokalen Führungskräfte

  • vonMatthias Pieren
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Erstmals haben die Mitglieder die Wahlunterlagen per Post bekommen

Am Sonntag sind alle wahlberechtigten evangelische Christinnen und Christen in ganz Hessen-Nassau eingeladen, den Vorstand ihrer jeweiligen Kirchengemeinde zu wählen. Im Usinger Land zählt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau nach Angaben des Dekanats aktuell rund 18 900 Mitglieder.

Die allermeisten evangelischen Kirchengemeinden haben den Gemeindemitgliedern aufgrund der Corona-Pandemie eine allgemeine Briefwahl ermöglicht. Erstmals haben deshalb alle Gemeindemitglieder die Wahlunterlagen vorab per Post zugeschickt bekommen.

Das Prozedere bei dieser Briefwahl entspricht dem von Bundestags-, Landtags- oder Kreistagswahlen bestens bekannten Modus. Entsprechend der Gemeindegröße unterscheidet sich auch die Anzahl der zu wählenden Kirchenvorstandsmitglieder in den einzelnen Gemeinden.

Wahlbriefabgabe bis Sonntag 18 Uhr

Wer seine Briefwahlunterlagen noch nicht zurückgeschickt hat, kann die Wahlliste aber auch noch direkt am morgigen Sonntag in der jeweiligen Kirchengemeinde abgeben. "Der Wahlbrief kann am Sonntag bis 18 Uhr in den Gemeinden abgegeben werden", teilt Dekanats-Pressesprecher Jens-Markus Meier auf Anfrage mit. "Wo genau, das haben die Kirchengemeinden vor Ort geregelt. Das Prozedere wird in den jeweiligen Briefwahlunterlagen der einzelnen Kirchengemeinden mitgeteilt."

Die Kirchenvorstände haben in der evangelischen Kirche keinesfalls nur eine Pro-forma-Funktion mit Placebo-Mitspracherecht und artigem Abnicken dessen, was die Pfarrerinnen und Pfarrer wollen. Der aus der Politik altbekannte Vorwurf, dass "die da oben ja eh machen, was sie wollen" trifft in der evangelischen Kirche nicht zu.

Viele Protestanten wissen es schlicht und einfach gar nicht, dass sie sich in das Wohl und Wehe im Gemeindeleben mit einmischen können - mehr noch: Mitarbeit und Verantwortung sind ausdrücklich erwünscht. Die Kirchenvorstände haben sogar weitreichende Befugnisse und leiten gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern die Gemeinde.

Ab 14 Jahren wahlberechtigt

Zumeist haben sich auch mehr Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen zu lassen, als das Gremium später umfassen wird. Die Gemeindemitglieder dürfen in der gleichen, freien, allgemeinen und geheimen Wahl also darüber entscheiden, wer in den kommenden sechs Jahren das Leben in ihrer Gemeinde mitgestaltet.

Anders als bei politischen Wahlen, dürfen bei den Kirchenvorstandswahlen auch jugendliche Gemeindemitglieder wählen. "Wahlberechtigt sind Gemeindemitglieder, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben", heißt es in Paragraf 2 des entsprechenden Wahlrechts.

Und in der weiteren Erläuterung heißt es zu diesem Thema: "Auf die Konfirmation kommt es für das aktive Wahlrecht nicht mehr an, Anknüpfungspunkt ist vielmehr die Erlangung der Religionsmündigkeit mit Vollendung des 14. Lebensjahres."

Derzeit gibt es folgende eigenständige evangelische Kirchengemeinden im Usinger Land: Anspach (3129 Mitglieder, Stand 31.12.2020); Wehrheim (mit Obernhain, Friedrichsthal, Pfaffenwiesbach 3081 Mitglieder); Usingen (mit Kransberg/2542); Grävenwiesbach (mit Hasselborn, Heinzenberg, Hundstadt, Laubach, Mönstadt, Naunstadt/2345); Arnoldshain (mit Oberreifenberg, Niederreifenberg, Seelenberg, Schmitten/1617); Eschbach (mit Wernborn und Michelbach/1260); Rod am Berg (mit Dorfweil, Brombach und Hunoldstal/851); Merzhausen (mit Wilhelmsdorf, Nieder- und Oberlauken/ 838 Mitgliedern); Weilnau (Riedelbach, Altweilnau, Neuweilnau, Treisberg und Finsternthal/835 Mitglieder).

Die drei eigenständigen Kirchengemeinden Rod an der Weil (mit Cratzenbach, Hasselbach), Emmershausen und Gemünden haben zusammen 1161 Mitglieder. Die noch eigenständigen Kirchengemeinden Hausen-Arnsbach und Westerfeld wollen fusionieren. In Westerfeld finden bereits keine Kirchenvorstandswahlen mehr statt. Zusammen haben die Gemeinden zusammen 1477 Mitglieder. Matthias Pieren

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