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Quereinsteiger füllen Reihen der Wehr

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Von: Andreas Burger

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Gerade die Waldbrände wie hier in Schmitten halten die Retter derzeit in Atem. Zum Glück hat die Pandemie überraschenderweise zahlreiche Quereinsteiger zu den Wehren gebracht.
Gerade die Waldbrände wie hier in Schmitten halten die Retter derzeit in Atem. Zum Glück hat die Pandemie überraschenderweise zahlreiche Quereinsteiger zu den Wehren gebracht. © feuerwehr hochtaunus

Die Tageseinsatzstärke der Feuerwehren bleibt ein Problem. Deswegen ist eine Mehrfach-Alarmierung Standard.

Usinger Land -Manchmal hat eine Ursache verschiedene Wirkungen. Während die Pandemie etwa bei einigen Vereinen für Schwund bei Mitgliederzahlen sorgte und beim Handel Lücken hinterließ, verzeichnen die Wehren konträr dazu sogar einen Zulauf.

Nicht in dem Maße, wie in den vergangenen Jahren durch fehlendes Interesse von Bürgern die Zahlen schrumpften, aber dennoch so, dass sich die Tageseinsatzstärken bei einigen Wehren deutlich erholten. Und den Grund kennen Kreisbrandinspektor Carsten Lauer und der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Norbert Fischer recht genau: "Durch die Pandemie entstand bei vielen Menschen eine Art soziale Lücke, denn Treffen und Feiern waren nicht möglich, also haben sie sich anders orientiert. Und davon haben dann auch die Wehren profitiert", sagt Lauer. "Es waren und sind meist Seiteneinsteiger, die sich bei den Rettern gemeldet haben und nun aktiv in den Wehren mitarbeiten", so Fischer weiter.

Katastrophen als Entscheidungshilfe

Eine Rolle bei dieser Entscheidung, in seiner Freizeit Hilfe für andere Menschen zu bieten, hätten sicher auch die diversen Katastrophen gespielt - wie etwa Überflutungen im Ahrtal, aber auch im Taunus. Dennoch steht die Ampel bei den Zahlen der Aktiven nicht auf grün. "Das ist natürlich von Ort zu Ort unterschiedlich.

Im Vordertaunus sind die Wehren meist gut aufgestellt, aber in kleineren Kommunen haben wir hier und da ordentlich Probleme, vor allem bei der Tageseinsatzstärke", sagt Lauer. Er weist auf ein Problem in Hunoldstal hin, wo es personell kritisch sei. "Aber wir erstellen derzeit einen Bedarfs- und Entwicklungsplan, wie das gesamte Weiltal seitens der Feuerwehr bestens abgedeckt werden kann."

Fischer sieht vor allem beim Nachwuchs eine ordentliche Welle: "Gerade die Kinderfeuerwehren haben stark wachsende Zahlen, in fast allen Wehren wurden entsprechende Gruppen gebildet. Und unsere Befürchtungen, dass sich durch die fehlenden Treffen bei der Jugendwehr ein großes Minus ergibt, hat sich auch nicht erfüllt. Die Zahl ist stabil geblieben. Dennoch sind überall noch Einsatzkräfte nötig und willkommen. Denn gerade die Tageseinsatzstärken variieren sehr."

Ortsübergreifende Zusammenarbeit

Hier haben viele Kommunen inzwischen Aktionen gestartet, die auch greifen. So werden etwa neue Mitarbeiter in den Verwaltungen angehalten, sich der Wehr zuzuwenden. Und: Für Feuerwehrleute, die in einer anderen Stadt arbeiten, werden dort Spinde eingerichtet. Sprich: Sie sind dann bei der anderen Wehr im Einsatz und füllen die Mannschaftszahl auf.

Gerade im Usinger Land aber sind die Tagesstärken ein Problem. Und so werden schon seit Jahren gleich mehrere Feuerwehren alarmiert, wenn es einen Notfall gibt. Was bedeutet, dass bei einigen Rettern die Zahl der Einsätze steigt und damit die Belastung für sie - und für den Arbeitgeber. Zwar sind inzwischen rund 40 Betriebe im Hochtaunuskreis sogenannte Partner der Feuerwehr - sie stellen also bei einem Einsatz die Retter von der Arbeit frei. Aber Lauer hat auch festgestellt, dass es inzwischen leise Beschwerden gibt, wenn es sich um kleine Einsätze handelt - wie eine Ölspur oder eine Brandmeldeanlage. "Das bereitet natürlich je nach Zahl der Einsätze den Unternehmen dann schon Probleme."

Großes Lob gibt es für die Wehren im Usinger Land und die Kommunen, die bei der Interkommunalen Zusammenarbeit an einem Strang ziehen und das bisher im Kreis einzigartige Projekt in Usingen realisieren. Mit dem Neubau der Wehr entsteht ein zentrales Technikzentrum in der Weilburger Straße, in dem hauptamtliche Gerätewarte die einzelnen Wehren im Altkreis entlasten werden. Ähnliches gibt's im Vordertaunus nicht, aber "auch hier nimmt die Zusammenarbeit zu, gerade im technischen Bereich", sagt Fischer.

Wasser aus dem privaten Pool

Erfreulich sind auch die Zahlen bei den internen Weiterbildungen und Ausbildungen. Hier hatte es bei einigen Wehren in der Vergangenheit immer wieder mal Probleme gegeben, denn für eine Einsatzfähigkeit muss eine gewisse Zahl an Übungsstunden und Weiterbildungen erfolgen. "Aber gerade in den vergangenen Jahren hat dies deutlich zugenommen. Alle Wehren sind auf einem sehr hohen Niveau, was die Ausbildung betrifft", attestiert Lauer.

Das Wasser ist allerdings bei den meisten Wehren ein Thema. Gerade im ländlichen Bereich wird die schnelle Entnahme von großen Wassermengen bei Löscheinsätzen schnell zu einem Problem, vor allem, wenn der Einsatz lange dauert. Aber auch hier "helfen sich die Kommunen untereinander und unterstützen sich in Notfällen mit entsprechenden Wassermengen gegenseitig. Zudem wird das Thema ja gerade auch in einem Arbeitskreis diskutiert", sagt Lauer.

Ein Bonmot am Rande: Die Wehren können im Zweifel sogar auf private Pools zurückgreifen und dort ihre Pumpen reinhängen. "Bei einem Einsatz am Erlenhof haben wir genau dies gemacht", betont Fischer. Und darf die Wehr das? Sie darf. VON ANDREAS BURGER

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