Die Treppe ist nichts für schwache Nerven, älteren, gehbehinderten Jägern ist sie längst zu gefährlich, sie kommen gar nicht mehr zum Schießstand. Eine Rampe entlang der gegenüberliegenden Böschung soll Abhilfe schaffen.
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Die Treppe ist nichts für schwache Nerven, älteren, gehbehinderten Jägern ist sie längst zu gefährlich, sie kommen gar nicht mehr zum Schießstand. Eine Rampe entlang der gegenüberliegenden Böschung soll Abhilfe schaffen.

Usinger Schützenstand braucht Rundum-Erneuerung

Rampe am Hang macht den Weg frei

  • vonAlexander Schneider
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Jäger wollen die Anlage am Wilhelmsdorfer Kreuz umbauen

Waidgerechte Jagd setzt präzise Treffer voraus, damit das Wild keine Qualen erleidet. Das will trainiert sein, auch müssen die Büchsen in gutem Zustand sein und saubere Treffer durch exakte Kalibrierung erlauben. Die Mitglieder der Jägervereinigung Usingen (JVU), aber auch andere Hochtaunus-Jagdvereine sowie Förster von Hessen Forst stellen dies durch regelmäßige Schießübungen auf dem Schützenstand der JVU am Wilhelmsdorfer Kreuz sicher, seit nunmehr fast 60 Jahren. Frank Cernic, Vorsitzender der JVU: "Das Kalibrieren der Jagdwaffen sollte insbesondere beim Wechsel der Zieloptik oder der Munition, aber auch wenn sich die Sehstärke des Schützen verändert, erfolgen."

Immer wieder haben die Schützen in den letzten Jahren Geld in ihre Schießanlage gesteckt, um sie auf einem halbwegs aktuellen Stand, der auch Anforderungen an Sicherheit und Emissionsschutz entspricht, zu halten: "Wir brauchen sie dringend für die Instandhaltung der Waffen, aber auch als Trainings- und Ausbildungsstätte, auch wenn wir in den nächsten Jahren rund 100000 Euro investieren müssen", sagt Cernic.

Steile Metalltreppe schreckt viele ab

Der in einer Geländerinne, einst als Bahntrasse zum Militärflugplatz Merzhausen (siehe Box) angelegt, liegende Schießstand ist weit von Barrierefreiheit entfernt, erreichbar nur über eine steile Metalltreppe mit Gitterstufen. "Zum Glück hat sich hier noch niemand ernsthaft verletzt", sagt Jörg Kastner, stellvertretender JVU-Vorsitzender. Die prekäre Zuwegung halte aber auch viele ältere Jäger davon ab, überhaupt zum Schießstand zu kommen, "auch an die müssen wir denken, zumal sie mit ihrer Erfahrung wichtige Mentoren für die Jungjäger sind", so Kastner.

Und Cernic ergänzt: "Alles, was rauf und runter muss, muss über diese Treppe, das ist nicht nur gefährlich, sondern auch anstrengend." Einmal im Jahr müssen die vom Kugelfang aufgehaltenen Geschosse entsorgt und über die Treppe nach oben gebracht werden, "das sind immer so um die 850 Kilo", so Kastner.

Bau kostet rund 40 000 Euro

Seit fast zwei Jahren sinnen die Jäger auf Abhilfe. Entstanden ist ein Plan, der eine in die Böschung integrierte, etwa 150 Meter lange, Barrierefreiheit herstellende und die Logistik der Anlage erleichternde Rampe vorsieht. Sie soll lediglich geschottert werden. Es muss weder Erde an-, noch übrigbleibende abgefahren werden. Ein von Hessen Forst, das Gelände gehört zum Staatswald, beauftragtes Wegebauunternehmen wäre damit nicht einmal eine Woche beschäftigt.

Bei den Schützen rechnet man mit Baukosten von 30 000 bis 40 000 Euro, die der Verein lieber heute als morgen ausgeben würde. So einfach und schnell geht es aber nicht. Laut Hochtaunuskreis ist das Projekt genehmigungspflichtig. Ein Bauantrag ist nötig und in Arbeit. Ein Biodiversitätsgutachten hat die JVU bereits vorgelegt, "es wurden keine schützenswerten Tier- und Pflanzenarten gefunden", sagt Cernic. Er hofft auf baldige Genehmigung, "damit wir dieses Jahr noch anfangen können".

Die Rampe sei zudem nötig, um die beiden anderen Projekte der JVU einfacher abwickeln zu können: Die Schießanlage muss modernisiert und die Hütte saniert werden.

Der Stand wird rege genutzt. Bei nur zwei 100m-Schießbahnen gibt es oft lange Wartezeiten, noch dazu weil durch die uralte Seilzuganlage, mit der die Schießscheiben transportiert werden, weiterer Zeitverzug entsteht. Künftig sollen die Treffer videogestützt ermittelt werden.

Das Dach ist undicht

Auch die "Kipphasenbahn" muss modernisiert werden, um, wichtig für die Schießausbildung, die "Hasen" elektromotorisch schneller oder langsamer laufenlassen zu können.

"Das alles ist 70-er Jahre-Technik, mit dem Umbau wären wir auf der Höhe der Zeit. Wir brauchen die Rampe auch als Materialtransportweg für die Sanierung der Hütte", hofft Cernic.

In der Tat hat es die nicht isolierte, wegen Nässe und Kälte im Winter kaum nutzbare Hütte mehr als nötig, zumal das Dach auch noch undicht ist.

Für die Erneuerung der Technik und die Sanierung der Hütte sind jeweils weitere 30000 Euro veranschlagt. Cernic hofft auf Fördermittel, "wenn wir Glück haben, bekommen wir 80 Prozent vom Land Hessen. Jetzt brauchen wir aber erstmal das Go vom Kreis für die Rampe."

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