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Im offenen Atelier in Hunoldstal zeigt Marie von Jan ihre Arbeiten und fordert den Betrachter heraus.

Offenes Atelier bietet gesichtlose Kunst

Raum für eigene Fantasie

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Im offenen Atelier in Hunoldstal zeigt Marie von Jan ihre Arbeiten und überlässt es den Betrachtern, ihre Bilder mit individuellem Leben zu erfüllen.

Ein Gläschen Rosé? Ein Schmalzbrot vielleicht? Wer das offene Atelier der Hunoldstaler Künstlerin Marie von Jan betritt, wird wie ein Gast empfangen. Marie von Jan steht bei Fragen zu ihrer Kunst den Gästen gern zur Verfügung, obwohl sie es lieber dem Betrachter überlassen möchte, ihre Arbeiten zu sehen, wie er es möchte. Die Bilder fordern geradezu dazu heraus, Wünsche, Sehnsüchte, Gefühle und Stimmungen hineinzusehen.

Was von Jan dazu anbietet, sind in der Regel Stimmungsaufheller. Strahlende Farben sind die Basis ihrer Werke. Die Künstlerin mag es bunt, und Adjektive wie „bunt“, „farbenfroh“, „leuchtend“ und Sujets wie Blumen, Obststillleben, grüne Wiesen, blauer Himmel wecken durchweg optimistische Assoziationen.

Die Wirkung der Farben ist umso wichtiger, weil von Jan auf Details verzichtet. Die Farben werden oft von schwarzen Konturen eingefasst, gehen aber auch konturlos ineinander über, und damit spielt die Malerin gekonnt mit impressionistischen wie expressionistischen Stilmerkmalen. Eine weitere formale Spannbreite reicht vom Gegenständlich-Figürlichen bis zum Abstrakten.

Das zentrale Motiv der figürlichen Bilder ist der Mensch. Meist sind es Frauen, allein in einer Farblandschaft oder es sind Paare, mal Mann und Frau, mal Frauen und mal hält eine Frau eine Katze auf dem Schoß. Ein weiteres Markenzeichen der Künstlerin ist die Gesichtslosigkeit ihrer Menschen. Wo immer man im Bild eine Person findet, entdeckt man doch nicht das Persönliche, das man nur in einem Gesicht findet.

So bleibt dem Betrachter, will er sich mit der Gesichtslosigkeit nicht abfinden, nichts anderes übrig, als den Figuren sein eigenes Gesicht zu verleihen. So kann er durch die Bilder Beziehungen herstellen, zwischen sich und anderen, kann sich aber auch hineinträumen in eine Bildwelt in der er sich wiederfinden kann, mit seinen Wünschen, Sehnsüchten oder auch Problemen.

Sind ihre Figuren in einem abstrakten Raum oder in einer abstrakten Landschaft dargestellt, so haftet ihnen auch immer eine gewisse Verlorenheit oder Einsamkeit an, und damit haben die Bild-Menschen eine Gemeinsamkeit mit den ebenfalls gesichtslosen Figuren, die einen weiteren Schwerpunkt im Werk der Hunoldstalerin bilden.

Teils wirken die Figuren wie Modeentwürfe und dies nicht zuletzt aufgrund ihrer Zweidimensionalität, denn sie sind aus Sperrholz und auf kleinen Eichenholzsockeln montiert.

Auch sie haben etwas von den Seelenhüllen der Bilder, und in Zusammenhang mit den Bildern gebracht, scheinen die Figuren aus diesen heraus getreten zu sein.

Am Wochenende ist noch einmal Gelegenheit zum Besuch, von heute bis Sonntag jeweils von 13 bis 19 Uhr, Am Bienengarten 1 in Schmitten-Hunoldstal.

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