+
Bodo Maxeiner hängt die Grabplatte von Sofie Müller, die einst den Turm bewirtschaftete, am Feldbergturm auf.

Aufgang im Feldbergturm

Renovierung nötig: Wanderheim des Taunusklubs wird aufgehübscht

  • schließen

Frankfurter Bürger haben vor fast 150 Jahren den Wanderverein Taunusklub gegründet. Ihnen ist zudem der Turm mit Wanderheim auf dem Feldberggipfel zu verdanken, der Gästen von fern und nah eine prächtige Aussicht von seiner Plattform sowie eine günstige Herberge bietet. Doch nicht alle Zeitgenossen wissen das offensichtlich zu schätzen., weswegen jetzt eine Renovierung erfolgen muss.

Der Große Feldberg ist eng mit der Geschichte des Taunusklubs verknüpft. Hatten namhafte Frankfurter „Feldbergläufer“ zunächst im Januar 1868 auf dem höchsten Gipfel des Taunus den ersten Wanderverein Deutschlands ins Leben gerufen, so setzten sich seine Mitglieder mit dem Bau des Turms 34 Jahre später quasi selbst ein nachhaltiges Denkmal.

Als Motor agierte der als „Frankfurter Turnvater“ bekannt gewordene Friedrich August Ravenstein. Der Vorsitzende des damals noch mit c geschrieben Taunusclubs, von Beruf Kartograf und leidenschaftlicher Turner, gründete eine Kommission, die den Bau eines Hauses auf dem Feldberg zum Ziel hatte. Es sollte ein Aussichtsturm für Ausflügler und zugleich ein Jugend- und Wanderheim werden.

Untergebracht wurde das Wanderheim im breiten Sockel des Aussichtsturms. Geräumige Aufenthaltsräume, Duschen sowie eine komplett ausgestattete moderne Küche ergänzen vier mit Etagenbetten möblierten Schlafräume, die insgesamt 20 Schlafplätze bieten. Mit der Zeit gewann das Wanderheim des Taunusklubs bundesweit an Renommee, so dass inzwischen eine erkleckliche Zahl an Buchungen zustande kommt. Bis heute dient des Abteilungen der örtlichen Taunusklubs für ihre Veranstaltungen. Zugleich werden die Räumlichkeiten auch an Gäste vermietet.

Umso ärgerlicher, dass es auch immer wieder Zeitgenossen gibt, die sich an den Wänden im Treppenaufgang mit Kritzeleien verewigen. Deshalb will der Verein nun die Wände renovieren lassen. Um künftige Schmierereien zu verhindern, soll ein professioneller Sprayer den Treppenaufgang bebildern. „Das hemmt, darauf herum zu kritzeln“, hofft Gerhard Uhl, Vorsitzender des Taunusklubs Stammklub. Allerdings sind solche Verschönerungen nicht kostenfrei zu bekommen. Um das Projekt zu finanzieren, braucht der Taunusklub erst einmal ein hübsches Spendensümmchen. „Sonst müssen wir die Idee abschreiben.“

Schon beim Bau von Turm und Wanderheim war der Taunusklub auf Spenden angewiesen. Kaiser Wilhelm II., dessen Sommerresidenz im nahen Homburger Schloss gelegen war, nahm sich höchstselbst der Baupläne an und genehmigte diese. 100 000 Mark kostete der Bau, das Geld wurde durch Spenden aufgebracht, etwa beim Feldbergfest, das Ravenstein als erstes deutsches Bergturnfest ins Leben rief.

Am 12. Oktober 1902 wurde der Feldbergturm mit einem drei Meter hohen Reichsadler auf dem Dach feierlich eingeweiht. Der Adler wurde in den 1930er Jahren abmontiert und durch ein Licht ersetzt, das fortan ähnlich einem Leuchtturm Flugzeugen als Orientierungshilfe dienen sollte. Funktioniert hat es dann doch nicht immer. Am 4. Dezember 1943 umwaberte dichter Nebel den Feldberggipfel und raubte dem Piloten eines deutschen Militärflugzeugs die Sicht. Die Maschine rammte den Feldbergturm, der austretende Kraftstoff entzündete dessen Holzverkleidung und der Turm brannte vollständig aus. Dabei kamen elf Menschen ums Leben.

Sechs Jahre später ließ der Hessische Rundfunk den Turm wieder errichten, um seine Spitze mit einem Antennenträger ausstatten zu können. Damit wurde er ein Teil der Sendeanlagen auf dem Großen Feldberg. Am 1. September 1962 kaufte der Hessische Rundfunk den Turm, der Taunusklub übernahm die Bewirtschaftung. Das Wanderheim selbst blieb beim Taunusklub.

Besucher des Feldberggipfels können laut Taunus Touristik Service für 2,50 Euro – Kinder ermäßigt – die am Kiosk am Fuße des Turms zu entrichten sind, die Aussichtskanzel in 28 Metern Höhe erklimmen und den Blick über den Taunus, die Skyline Frankfurts, den Odenwald und den Spessart schweifen lassen. Je nach Wetterlage bietet sich dem Betrachter eine exzellente Fernsicht sogar bis in die Rhön.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare