Hessenpark

Ein richtiger Betrieb

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So langsam geht das Ferienprogramm im Hessenpark seinem Ende entgegen. Doch jetzt steht erst noch einmal die beliebte Kinderwoche auf dem Programm. Zahlreiche Vorführungen und Mitmachaktionen laden von heute bis einschließlich kommenden Donnerstag dazu ein, das historische Landleben kennenzulernen. Es gibt für Familien mit Kindern aber auch abseits der Wege einiges zu entdecken. So zum Beispiel jede Menge Tiere, denen es in dem Freilichtmuseum ziemlich gut geht.

Sind die süß!!! Zehn gerade einmal sieben Wochen alte Ferkelchen tummeln sich um die Muttersau Pauline. Sie haben Hunger und wollen trinken. Die kleinen schwarzen Schweinchen mit ihren breiten rosafarbenen Streifen sind wirklich zu niedlich.

Kein Wunder, dass an ihrem Gehege immer besonders viele Kinder stehen bleiben. Die Wutzen gehören zur Gattung Deutsches Sattelschwein, einer vom Aussterben bedrohten Rasse, die seit zwei Jahren im Hessenpark gezüchtet wird. „Das funktioniert gut“, sagt Raphael Fritsche, der seit 2009 im Museum arbeitet und sich dort als Gruppenleiter vor allem um die Tiere kümmert.

Auch wenn es vielleicht Spaß machen würde, die Kleinen mit ein wenig Brot oder ein paar Kartoffeln zu versorgen: „Bitte nicht füttern“ steht auf den am Zaun angebrachten Schildern, und die Besucher sollten sich daran halten. Zu groß ist nämlich die Gefahr, dass die Tiere erkranken – an der afrikanischen Schweinepest zum Beispiel. So kann schon ein Wurstbrot gefährlich für sie sein, wie Fritsche erklärt. Zudem habe er Angst vor Überfütterung, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Auch weiß er, dass die Vierbeiner von den Besuchern nicht das richtige Essen bekommen würden: Getreide-Saat, Eiweiß-Ergänzer und Wasser sind das im Falle des Sattelschweines. Wer will, kann bei der öffentlichen Fütterung jeden Tag von 10.30 bis 11.30 Uhr zuschauen, sagt der Landwirt.

„Wir sind ein richtiger landwirtschaftlicher Betrieb“, fügt Fritsche eine weitere Erklärung hinzu. Alles sei auf Nutztier-Haltung ausgelegt, alles soll verwertet werden. Außerdem stehe die Bio-Zertifizierung unmittelbar bevor. „Ab Herbst sind wir als Bio-Betrieb anerkannt“, kündigt er stolz an. Ab dann soll es auch möglich sein, die aus den Schweinen produzierte Wurst im Museumsladen zu kaufen. Denn spätestens nach dem ersten Geburtstag gehen auch die hübschen Sattelschweine den Weg, den jedes Nutztier irgendwann geht – den zum Metzger.

Im Falle der Hessenpark-Schweine ist es die Domäne Mechtildshausen, die aus den Tieren Presskopf sowie Blut-, Leber- und Bratwurst in Konserven produzieren wird. Aber bis dahin, so stellt Fritsche fest, „ist das Leben für sie echt paradiesisch hier“.

Ein Streichelzoo ist der Hessenpark übrigens auch nicht. Auch mit den Meissner Widdern, den Kaninchen mit dem schönen Fell, von denen der Hessenpark derzeit 20 Stück beherbergt, dürfen die Kinder nicht kuscheln. Aber sie können schauen und beobachten und sich anhand des Flyers „Unsere Tiere“ über alle Arten informieren, die früher auf den Bauernhöfen der Region typisch waren und in der historischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle gespielt haben, heute aber aufgrund veränderter Ansprüche häufig bedroht sind.

Dazu gehören auch die Vorwerkhühner, die Thüringer Waldziegen, die Weißen Deutschen Edelziegen, zwei Leinegänse, das Rhönschaf, das Coburger Fuchsschaf, das Rote Höhenvieh, zwei Vorderwälder Ochsen und die Esel. Wer all die Tiere entdecken möchte, muss die Augen offenhalten. Bei Hitze wie in den zurückliegenden Wochen verstecken sie sich nämlich gerne im Schatten.

Ach ja, die Altsteirer Hühner gibt es ja auch noch. Das im Museum lebende Federvieh legt im Durchschnitt 180 Eier im Jahr. Die meisten davon werden zur Nachzucht verwendet, verkauft werden sie nicht, denn: „Die Vorschriften sind nur schwer einzuhalten.“ Auch wenn die Eier sehr gut schmecken, wie Fritsche, der sich immer mal ein paar mit nach Hause nimmt, weiß.

Drei Vollzeit- und ein Teilzeitmitarbeiter arbeiten in der Landwirtschaft des Hessenparks. Sie sind mit Enthusiasmus dabei und wollen altes Wissen erhalten. Trotzdem werden auch moderne Maschinen eingesetzt, denn: „Früher hätten 30 bis 40 Personen all die Arbeit hier bewältigt.“

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