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Astrid Broßler und ihr Bruder Axel Usinger gestalteten als Solosänger die Roratemesse mit.

Frühe Andacht

Roratemesse ist fast wie Christmette

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Wer bereits morgens um 6 Uhr zur Frühmesse geht, der scheint auf der Suche zu sein. Advent ist die Zeit des Wartens auf die verheißene Ankunft des Herrn, auf die Menschwerdung Gottes in der Geburt Christi. Wer beim Rorategottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg in Oberreifenberg vor Sonnenaufgang bei Kerzenschein dem Licht entgegengeht, ahnt ihn schon, den wirklichen Zauber von Weihnachten.

Draußen ist es noch dunkel und kalt, doch im Innern des Gotteshauses ist im Advent dienstagsmorgens um 6 Uhr ein leichter Schimmer zu erkennen. Dorthin kommen Oberreifenberger Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Pfarrei St. Franziskus und Klara – Usinger Land zur „Roratemesse“. In der Eucharistiefeier im Kerzenlicht in der Pfarrkirche St. Georg schöpfen diejenigen, die das Zeichen erkennen, Kraft und bereiten sich auf Weihnachten vor.

Dieser Frühgottesdienst mit leisen Orgelklängen und Sologesang ist eine besinnliche Stunde, die anschließend beim gemeinsamen Frühstück im Gemeindesaal ausklingt und manche nach eigenem Bekenntnis den ganzen Tag über noch erfüllt.

„Einige, denen das frühe Aufstehen nichts ausmacht, kommen schon eine halbe Stunde früher und genießen die besondere Atmosphäre“, erzählt Andrea Haas. Was sie damit meint ist der Zauber des Lichts und der Stille. „Und man ist da ganz bei sich und spürt die Nähe Gottes“, sagt sie und meint: „Wer hierherkommt, sucht etwas.“

Andrea Haas hat an diesem letzten Dienstag vor Heiligabend die über 200 Kerzen angezündet. In den beiden vorhergehenden Wochen hat das Axel Usinger übernommen. Er und seine Schwester Astrid Broßler tragen seit fünf Jahren, begleitet von Organistin Elisabeth Neuhaus-Weber, als Solosänger zur Roratemesse bei.

Anders als ihr Bruder, der praktisch einmal über die Straße zur Kirche läuft, muss Astrid Broßler extrem früh aus den Federn. Die 54-Jährige, die den Hauptpart als Gesangssolistin hat, wohnt in Ruppertshain. Aber das ist es nicht allein, warum sie schon um 4 Uhr aufgestanden ist. „Die Autofahrt nutze ich bei fetziger Musik zum Warmsingen“, erzählt sie im Anschluss dieser Zeitung.

Dieses Mal war es der König der Löwen, den sie mitgesungen und mitgesprochen hat. „Auch sprechen ölt die Stimme, das ist besser, als wenn ich nur in den oberen Lagen rumpiepse“, gibt sie zu und ergänzt: „Ich komme dann in der Kirche leichter in die Höhe“. Sie muss lachen, als ihr der doppelte Wortsinn klar wird. Denn oben auf der Empore neben der Orgel stimmt sie das strahlende „Tochter Zion“ an und trägt es hinunter ins Kirchenschiff.

Zusammen singen die Geschwister, die beide nur Hobbysänger sind, dann den Friedensgruß „Shalom“ an, in dem es auch heißt „Freude sei mit Dir“. Diese Freude oder Vorfreude auf die nahe Ankunft von Gottes Sohn vermittelt auch Pater Roy. Dessen frohe Botschaft können die Gläubigen intensiv verinnerlichen, sind doch Auge und Geist nicht abgelenkt durch die vielen Eindrücke, die man bei Tageslicht oder elektrischer Beleuchtung wahrnimmt.

Gestärkt im Glauben machen sich einige Gottesdienstbesucher auf den Weg zur Arbeit. Wer Zeit hat, geht noch zum gemeinsamen Frühstück. Auch das gehört inzwischen längst für viele zur lieb gewordenen Rorate-Tradition in Oberreifenberg. In den Gesprächen an den Tischen wird auch ein weiterer Aspekt deutlich, warum die Frühmesse im Kerzenschein für die Oberreifenberger eine so große Bedeutung hat. „Zum wiederholten Mal findet bei uns an Heiligabend keine Christmette statt und nicht jeder ist bereit in eine der Nachbarorte zu fahren“, heißt es.

Ein Ehepaar empfindet Rorate als ebenso ursprünglich und eindringlich wie die Mette in der Heiligen Nacht.

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