Ab 1960 begann mit der Einführung der Förderstufe an der CWS in Usingen ein Schulversuch, der sogar bundesweit Beachtung fand und ab 1969 obligatorisch wurde. Alle Kinder mussten nach vier Grundschuljahren in die Förderstufe und wurden erst anschließend den jeweiligen Schulformen zugewiesen.
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Ab 1960 begann mit der Einführung der Förderstufe an der CWS in Usingen ein Schulversuch, der sogar bundesweit Beachtung fand und ab 1969 obligatorisch wurde. Alle Kinder mussten nach vier Grundschuljahren in die Förderstufe und wurden erst anschließend den jeweiligen Schulformen zugewiesen.

Usinger Christian-Wirth-Schule wird 100

Rückblick auf Geschichte von der Aufbauschule bis zum Gymnasium

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Die bewegte und bewegende Geschichte einer Schule auf dem Land

Usingen. 1922 war die eigentliche Geburtsstunde der Christian-Wirth-Schule, welche als sogenannte Aufbauschule gegründet und 1925 nach dem aus Usingen stammenden preußischen Landesdirektor Friedrich Christian Wirth (1826 - 1895) benannt wurde. Heute handelt es sich bei der CWS um ein Gymnasium mit besonderem musikalischen Schwerpunkt.

"Meines Wissens ist die CWS Usingen die einzige Schule, die nach Christian Wirth benannt wurde", so Schulleiter Hans-Konrad Sohn gegenüber dieser Zeitung. Wirth soll sich für die Bestimmung Usingens als Kreisstadt des Landkreises Usingen verdient gemacht haben, heißt es auf der deutschsprachigen Wikipediaseite. Aufbauschulen wurden dem ländlichen Umfeld angepasste weiterführende Schulen genannt, ist dem Überblick von Joachim Bierwirth in der Festschrift zu "75 Jahre CWS Usingen" aus dem Jahr 1997 zu entnehmen. Aufbauschulen waren staatliche Schulen, das heißt der preußische Staat war der Schulträger. Weitere Einschnitte: 1954 wurde der Landkreis Usingen anstelle des Landes Hessen (als Rechtsnachfolger des Landes Preußen) neuer Schulträger. 18 Jahre später, 1972, übernahm dann der neugebildete Hochtaunuskreis die Schulträgerschaft.

Von der Gesamtschule zum Gymnasiums

Durch die Aufbauschule ging die Realschule 1931 ein und wurde erst 1951 wiedereröffnet, so Bierwirth. Die ersten "Reifeprüfungen" wurden 1928 von fünf Schülern an der CWS abgelegt, schreibt Bierwirth. Damals war Ewald Kraus Schuldirektor. In seine Zeit (1926-1931) falle auch das erste Winterfest, das der "Schülerturnverein" der CWS in eigener Regie organisiert und mit viel Erfolg in der Turnhalle durchgeführt habe. Die Winterfest-Tradition gibt es bis heute.

1950 wurde die Vorverlegung des Schulbeginns auf das 7. Schuljahr beschlossen. Zehn Jahre später, im Jahr 1960, gründete man die Usinger Förderstufe. 1976 fand der organisatorische Zusammenschluss mit Haupt- und Realschule zu einer additiven Gesamtschule statt. Bis 1988 existierte die Gesamtschule. Zum Schuljahr 1988/1989 erhielt die Christian-Wirth-Schule den Status eines eigenständigen Gymnasiums, seit Beginn des Schuljahres 1990/1991 hat sie gymnasiale Eingangsklassen.

Das dunkelste Kapitel habe die Schule im April/Mai 1933 und später im November 1938 geschrieben. Der damalige Schulleiter Dr. Heinrich Walther sei von seinen eigenen Schülern aus dem Unterricht entfernt und anschließend amtlich "beurlaubt" worden. "Ihm konnte jedoch nichts vorgeworfen werden, und so erhielt er eine gleichwertige Schulleiterstelle in Schleswig-Holstein.

Jetzt wurde Ludwig König, zu diesem Zeitpunkt glühender Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie, die kommissarische Schulleitung übertragen. Er konnte nicht verhindern, dass im Mai 1933 die jüdischen Schüler in einer antisemitischen Aktion von einem SA-Mann aus der Schule geworfen wurden"; schreibt Bierwirth.

Schüler als Handlager "missbraucht"

König sei mit dafür verantwortlich gewesen, dass sich das Gedankengut der Nazis fast problemlos in der ganzen Schule habe durchsetzen können. Dies habe sich 1935 verändert, mit der Übernahme von Direktor Dr. Ernst Höhne. Dieser sei national-konservativ und militärisch orientiert gewesen. Es sei unter ihm streng zugegangen, jedoch sei es ihm gelungen den politischen Einfluss auf die Schule in Grenzen zu halten. Und dennoch gab es einige Jahre später einen Rückschlag: Schüler, die von weiter weg kamen, lebten im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude am Schlossplatz, das 1927 zum Schülerheim wurden. "Schülerheimer", die der Hitlerjugend angehörten, beteiligten sich am 10. November 1938 an den Ausschreitungen im Umfeld der Reichspogromnacht, so Bierwirth. Lehrer hätten sich wohl nicht beteiligt, verhinderten aber auch nicht, dass die Schüler von SA-Leuten zu dieser "unmenschlichen Maßnahme missbraucht wurden", schreibt er.

Eigener Geist entsteht

Während des Zweiten Weltkriegs war der Unterricht stark beeinträchtigt, fand im April 1945 letztmalig statt und wurde am 3. Dezember 1945 unter Aufsicht der amerikanischen Militärregierung wieder aufgenommen, so Bierwirth. Aber auch ab dann trat noch keine Normalität ein, wurden zum Beispiel Klassenräume noch für die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt. In der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre gab es viele Aktionen rund um Aufbauhilfe, Schüler unterstützten auch den Wiederaufbau der Stadt Usingen. Damals sei der berühmte CWS-Gemeinschaftsgeist entstanden, so Bierwirth. Dieser sei auch durch gemeinsame Aktivitäten von Lehrern und Schüler im sportlichen und musischen Bereich geprägt worden.

Mehr erfahren

Die Geschichte gibt es in Kurzform unter www.cws-usingen.com/die-cws/geschichte sowie lang in der Festschrift "75 Jahre Christian-Wirth-Schule Usingen", von der es noch Exemplare gibt. Mehr Infos unter: Sekretariat@cws.hochtaunuskreis.net.

m Frühjahr 1925 erhält die Aufbauschule in Usingen den Namen Christian-Wirth-Schule. 1950, Aufnahmejahr des Fotos, beginnt die CWS ab dem neuen Schuljahr mit der Jahrgangsstufe 7 und überschreitet damit erstmalig die Grenze von 300 Schülern.

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