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Schafskälte und ein Platzkonzert

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Von: Evelyn Kreutz

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Trotz eisiger Kälte war die Sonnenwendfeier des Posaunenchores Merzhausen gut besucht. Die beinharten Einheimischen kramten einfach ihre langen Unterhosen hervor.

In diesem Jahr hatte die verspätete Schafskälte wohl ein paar „Weicheier“ davon abgehalten, zur Sonnenwendfeier zu kommen. Trotzdem war das Fest vor der Rauschpennhalle ein Anziehungspunkt für Gäste aus dem ganzen Usinger Land und darüber hinaus.

Befreundete Bläser aus Altweilnau, Usingen und Wehrheim bilden seit Jahren mit dem Posaunenchor Merzhausen beim Freiluftauftritt am längsten Tag des Jahres einen gemeinsamen großen Klangkörper. Weil die Merzhäuser Blechbläser in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiern, reisten sogar Freunde aus Dittenheim im Frankenland an. So ein gewaltiges Platzkonzert, mit rund 50 Musikern, hat es wohl vor der Rauschpennhalle noch nicht gegeben. Selbst Hartmut Müller, Merzhäuser Urgestein an der Tuba, staunte: „Ich bin überrascht, dass das so gut zusammen klappt, weil wir ja vorher nicht gemeinsam geprobt haben.“ Die Freunde aus dem Taunus wussten aus den Vorjahren, was auf sie zukommen würde. Für die Altweilnauer war es ohnehin ein Leichtes, sie werden ebenfalls von Merzhausens Posaunenchorleiter Erhard Reuter dirigiert und spielen häufig mit den Merzhäusern zusammen. Den Franken hatte Reuter vor drei Monaten die Noten zugeschickt.

Betont weltlich war das abwechslungsreiche Programm. Nach einer kurzen Andacht von Pfarrer Thomas Hessel stimmten Trompeten, Posaunen, Tenorhörner und Tuben zunächst beschwingte christliche Kompositionen an. Dann wechselten sie zu zünftiger und besinnlicher Volksmusik, bekannten Filmmelodien und Popnummern. Mit dem alten deutschen Volkslied „Flamme empor“ gaben die Musiker das Zeichen zum Entzünden des Feuers. Das ließ sich wie seit Jahr und Tag der ehemalige Ortsbrandmeisters Walter Moses trotz seiner 87 Jahre nicht entgehen. Der Feuerwehrmann mit Leib und Seele hatte zahlreiche gefaltete Papierstreifen als Anzündhilfen vorbereitet und entsprechend viele Assistenten. Jedes Kind, das helfen wollte, erhielt einen solchen Fidibus. Und an vielen Stellen rundum angezündet, brannte der imposante Holzstapel, in dem sogar zwei ausgediente, feuerrot lackierte Holzstühle versteckt waren, bald lichterloh. Vor allem wurde es schnell wohlig warm. Und obwohl die Besucher mit dicken Jacken, Socken und Schals und sogar Handschuhen gerüstet waren, suchten sie die Wärme. Auch Willi Finzel, der schmunzelnd verriet: „Wir Merzhäuser und alten Landwirte sind es gewohnt die langen Unterhosen anzuziehen“, rückte näher ans Feuer.

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